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13. Mai 2008

Gemütliches Pils statt Griff in den Schritt (inzwischen Geschichte)

Zur-Sonne
Fast 30 Jahre am Tresen ihrer Sonne: Die lieben Wirtsleute Christos & Frideriki Tseka

Wer sich am Tischchen vorm Dionysos-Grill satt geschmatzt hat, kehrt nach Sonnenuntergang selbstverständlich in der Gaststätte Zur Sonne ein. Seit ewigen Zeiten wohnt sie Wand an Wand mit dem unsterblichen Dionysos (früher „Mykonos“) und präsentiert sich in sympathisch zeitlosem Ambiente. Schon seit 1979 schenkt hier das Ehepaar Frideriki und Christos Tseka Zapfpils aus und zählt Gäste zu seinen Stammkunden, deren Erstbesuch wir locker auf die Anfangsjahre der Schenke datieren. Viele gemütliche Kartenspieler belegen die Tische und pflegen einen freundschaftlichen Umgangston mit den Wirtsleuten. Auch an der Theke geht’s ruhig und gemütlich zu, eine Atmosphäre, die durch das offenbar seit Jahrzehnten unveränderte Interieur sanft akzentuiert wird. Freundlich und zuverlässig serviert uns Herr Tseka eine schöne Portion Hohenfelder Pilsener nach der anderen, so dass wir die Tageshitze süffig ablöschen können. Der arme Mann leidet schon seit einem halben Jahr unter erbeblichen Schmerzen im Fuß, kein Arzt und kein Krankenhaus konnten ihn bisher davon befreien. Anfang Juni wartet ein erneuter Krankenausaufenthalt auf ihn. Wir wünschen ihm alles, alles Gute, damit der Fuß endlich wieder ins Reine kommt.

Für die sympathischste Tanja, die uns je bekannt geworden ist, hat unser Lieblingsgast Henner heute eine Sondererlaubnis zur Teilnahme am Flaneur-Gang erwirkt. Schon nach wenigen Minuten spüren wir: Diese Frau hat uns verdient! Und dann bereichert sie uns auch noch mit Berichten von ihren unvergleichlichen Exkursionen in die St. Pauli-Gastronomie. Unser großes Hallo erntet zum Beispiel ihr Vortrag über die bezaubernde Reeperbahn-Schenke Zum Silbersack, wo der Griff hochbetagter weiblicher Stammgäste in den Schritt noch fast juveniler männlicher Gelegenheitsgäste zum Service gehören soll. Eine Form menschlicher Zuwendung, die wir in der ostwestfälischen Gastronomie bisher noch nicht kennenlernen durften.

Als wir uns am Ende der gemütlichen Sitzung von Herrn Tseka die Rechnung präsentieren lassen, staunen wir nicht schlecht: Solche Preise wünscht sich der Durstige immer gern.

—> Zur Sonne, Paulusstraße 2, 33602 Bielefeld

3 Comments

  1. Herr Gerolsteiner (Gast)

    Die Flaneure graben aber auch immer die exotischten Kneipen aus! Super – -weiter so!

  2. rain-air (Gast)

    rein logisch (und damit wohl zu nüchtern) betrachtet dürfte eine großzügige Fensterfront für eine Bierkneipe nicht Voraussetzung zum Erfolg sein. Trotzdem ist mir die „Sonne“ in fünf Jahren des in der Nähe Wohnens bis zu eurem Bericht nicht als solche aufgefallen.
    Ein Lokal dieses Namens muss schon um 1920 schräg gegenüber existiert haben. Damit ist es nun vorbei, anstatt von Trinkgewohnheiten werden jetzt Autoschilder geprägt. (Wobei ich nicht in einschlägige Klagegesänge einstimmen möchte – dieser momentane Strukturwandel ist als Vorbote einer Belebung des städtischen Un-Ortes gar nicht mal zu verteufeln.)

  3. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Den „städtischen Un-Ort“ Amerikahaus dadurch beleben, dass die Bibliothek verlegt wird? Der Bibliothek wird das wohl kaum bekommen.

    Die lieben Wirtsleute Christos und Frideriki Tseka haben jetzt zwar ihre Sonne nicht mehr, aber dafür kann man sie Anna Pagani zur Hand gehen sehen. Wer sein halben Leben dort verbracht hat, mag nicht von jetzt auf gleich verschwinden.

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