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30. Sep 2013

Schafft Bielefeld Berlin-Niveau?

Streetart in Bielefeld: Ist das schon Kommunikation auf  Hauptstadt-Niveau?

Streetart in Bielefeld: Ist das schon Kommunikation auf Hauptstadt-Niveau?

Wir unterbrechen unsere Berichterstattung für eine wichtige Buchempfehlung

In Berlin wird alles, was auf ein Blatt Papier passt, mitgeteilt – den Passanten: „Bitte hier nicht pissen. Läuft ins Haus und stinkt wochenlang“, den Nachbarn: „Wir bitten um Verständnis, wenn es bisschen laut wird, da ein Sterbefall in der Familie vorliegt“ oder den Einbrechern: „Wer hier einbricht, muss mit Faustkampf rechnen!“ Ein Füllhorn solcher Mitteilungen ergießt sich über die Hauptstadt, und der Kulturwissenschaftler Joab Nist hat die Aufgabe übernommen, sie zu dokumentieren. Jeden Tag fügt er seinem Weblog neue Stilblüten hinzu, und sein Buch, in dem er die besten Botschaften versammelt, erlebt soeben die 3. Auflage. Wuchtiger Real-Titel: „Wellensittich entflogen – Farbe egal“.

Nun hat uns der Autor ein Exemplar seines Buches zugesteckt, damit wir das Berliner Treiben nach Bielefeld-Relevanz durchforsten. Schnell wird klar, dass uns Berlin viel voraus hat, was Katzenliebe betrifft oder den Umgang mit Schwangeren. Auch greift Berlin schwungvoll zu ungewöhlichen Kommunikationsmaterialien, was durchaus kraftvoll wirken kann. Joab Nists reiche Sammlung wirft wichtige Fragen auf: Was ist den Menschen wirklich wichtig? Wie viel Zivilisation steckt eigentlich in Berlin? Und vor allem: Werden wir eines Tages auch alles volltexten – und somit Berlin-Niveau erreichen? Um sich hierzu eine fundierte Meinung bilden zu können, raten wir, Joab Nists Weblog Notes of Berlin im Auge zu behalten. Sein daraus extrahiertes Buch eignet sich astrein als Geburtstagsgeschenk für gute Freunde und gehört sowieso in jeden gebildeten Haushalt. Dass es die Bibliothek der Uni Bielefeld im Bestand hat, setzen wir als gegeben voraus. So wichtiges Grundlagenmaterial wird sich die Fakultät für Psychologie wohl kaum entgehen lassen.

—> „Wellensittch entflogen. Farbe egal“, Ullstein Buchverlage, 9,99 Euro

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