10 Beiträge mit Schlagwort 'Wein'
Richtig gutes Essen? Gibt’s in Sieker!
Adrett und gepflegt empfängt uns die Familienrestauration Siekermitte. In ihrem Inneren klönt eine umfangreiche Rotte angeregt bei vollen Tellern und frischen Alkoholika und hat den ganzen Raum mit sich vollgemacht. Macht nix, Siekermitte ist zweiflügelig. Mit netter Geste leitet uns Wirt Mate Milardović in den Nordflügel, wo wir gern einen lauschigen Tisch beziehen. Zügig erhalten wir unser erstes Abendpils und lassen es dankbar in unsere staubigen Kehlen rinnen.
Nun studieren wir die Speisekarte. Solide Balkankost wird angeboten, und wir entscheiden uns für das Hackfleisch mit Schafskäsefüllung. Grandios, was uns geliefert wird: Eine göttliche Pljeskavica, die viel größer ist, als es unser Foto zu belegen vermag – und die vor allem nobelpreisverdächtig schmeckt. In nicht geringeren Sättigungs- und Verzückungszustand versetzen uns zwei erhabene Zigeunerspieße. Gutes Fleisch wurde gut behandelt – dann kommt sowas Gutes dabei heraus. Zu beiden Speisen wird ein grundanständiger Mischsalat gereicht, der frei ist von modischem Gemache und eine schöne Hausmachernote besitzt. Einfach nur gut und lecker. Wirt Mate Milardović überredet uns – glücklicherweise – zu einem köstlichen Abendsnack: Ein prächtiger Schinkenteller à la Siekermitte, Originalname: Dalmatinischer Schinkenteller. Hierzu entpuppt sich Mate Milardovic als profunder Weinkenner. Mit geübter Hand entkorkt er uns ein edles Fläschchen Postup, der Weinlegende von der süddalmatinischen Halbinsel Pelješac. Sogleich gehen Schinken und Wein eine bemerkenswerte Geschmackssymbiose ein, die uns dankbar aufstöhnen lässt.
Während der violette Postup mit seiner mineralischen Aura nach und nach in unsere Seelen sickert, plaudert es sich angenehm mit Mate Milardović. Wie er 1968 als Gastarbeiter nach Nürnberg kam. Wie er 1978 im Bielefelder Restaurant Split zu arbeiten begann. Und wie er nun seit vielen Jahren mit seiner Frau die Siekermitte führt. Als wir erfahren, dass seine Gattin die Köchin ist, danken wir ihr herzlich für die guten Gaben und bitten um ein Foto als Souvenir. Doch bescheiden lehnt die nette Dame den Fototermin ab. Die nicht minder nette Tochter ist gern bereit, unsere Plauderei mit ihrem Vater zu ergänzen, aber für ein Fotodokument fühlt auch sie sich nicht zuständig. So bleibt uns nur noch fotographisch festzuhalten, dass neben der zweiflügeligen Gaststube ein ausladender Saal zur Verfügung steht, den Sie, liebe Leser, bestens für Familienfestivitäten nutzen können. Wir garantieren: Ihre Gäste werden noch nach Jahren von den Speisen der Familie Milardović schwärmen.
—> Siekermitte, Otto-Brenner-Straße 123, 33607 Bielefeld
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Hunger + Sieker Grill = satt
Vier Dekaden war der Name Sieker Grill eine zuverlässige Konstante in der Bielefelder Nahrungsversorgung – bis ihm die Großbaustelle an der Detmolder Straße das Genick brach. Pünktlich zum Abschluss der Bauarbeiten trat Akif Saridogan auf den Plan und erweckte die Traditionsfutterkrippe zu neuem Leben. Für ihn ist der Sieker Grill ein Ort der Jugenderinnerungen, blumig schwärmt er uns von prägenden Eindrücken, die er hier beim Anblick von goldenen Grillhähnchen erwarb. Kein Wunder also, dass Akif Saridogan schon früh Wirt wurde, und sich nach 17 gastronomischen Jahren im Sauerland seinen Jugendtraum erfüllte und endlich dem Sieker Grill vorsteht.
Aber nun widmen wir uns dem Abendmahl. Der schönste Abenddurstkiller, das Pilsgetränk, wird hier in großen unbeschrifteten Gläsern verabreicht. Recht so, denn auf den Inhalt kommt es an. Nun sind wir gespannt, was die neue Grillcrew zu bieten hat und schnell begreifen wir, dass hier niemand hungern muss: Schon die Pizza Quatro ist erfreulich gut gewachsen. Nicht weniger das Schweineschnitzel im XXL-Format, und auch der Grillteller wird in zufriedenstellender Ration für den bedürftigen Magen geliefert. Das alles wird begleitet vom kleinen Salat für den kleinen Gourmet oder vom Krautsalat, dem unterschätzten Gemüse.
Am guten Ende sitzen wir vor kahl gefutterten Tellern, und mental schwebt nur noch ein Wort im Raum: satt. Eine schöne Geste des Hauses ist in diesem Moment der Ouzo für alle. Der räumt auf und vitalisiert. Auch ein liebes Fläschchen Wein drängt uns der Sieker Grill gastfreundschaftlich auf, so dass es zum fröhlichen Weinausschank zu später Stunde kommt, mit dem wir einen Toast auf den neuen Sieker Grill ausbringen, auf dass er ebenfalls vier Dekaden leben möge!
—> Sieker Grill, Detmolder Str. 202, 33604 Bielefeld
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Flaneure untersuchen Weihnachtsmarktfieber
Im ganzen Land grassiert ein schlimmes Weihnachtsmarktfieber. Furchtlos begeben wir uns ins Bielefelder Epizentrum des Geschehens, denn nur so können wir uns ein präzises Bild vom Zustand der Erkrankten machen. Wichtig: Gleich bei der Ankunft immunisieren wir uns, indem wir ausreichend Glühwein in uns hineinträufeln. Außerdem gönnen wir uns zur Stärkung der Abwehrkräfte eine solide Currywurst mit Brötchen. Dann schreiten wir zur Anamnese der Fieberopfer.

Ein schwerer Fall von Gruppeninfektion liegt offenkundig beim weiblichen Teil der Belegschaft einer pharmazeutischen Firma aus Brackwede vor (s. Beweismittelfoto oben). Die sympathischen Damen sind auffällig gut gelaunt, greifen scheinbar freiwillig zu Glühwein oder Eierpunsch und müssen morgens um 6 Uhr wieder zum Dienst erscheinen. Ihr Chef soll sich auch auf dem Weihnachtsmarkt aufhalten, sei aber, so behaupten die netten Damen, zum Zeitpunkt unserer Befragung auf dem Weg zur Toilette. Dass er den Weg zurück gefunden hat, können wir jedoch auch nach längerem Warten nicht bestätigen.

Eine häufige Begleiterscheinung des Weihnachtsmarktfiebers treffen wir bei Jürgen und Natalie an. Großes Bratwurstglück in den Augen beißen sie hemmungslos in alles rein, was Bratwurst heißt und mit Senf serviert wird. Fast glaubwürdig erscheint ihre wiederholte Behauptung, dass die Wurst außerordentlich lecker sei. Wir gehen jedoch von einem massiven Abhängigkeitsproblem aus, zu dem man gratulieren kann.

Wohingegen Rebecca und Alexa dem Glüchwein mit Rum zusprechen. Sie deklarieren ihn als mild, nicht so süß und reinen Gaumengenuss. Wir wollen den netten Damen glauben, zweifeln jedoch, ob das Weihnachtsmarktfieber sie noch objektiv analysieren lässt. Also bestellen wir uns ebenfalls eine Runde dieses Heißgetränkes und verstehen sie anschließend viel besser.

Und dann begegnen wir unseren eindeutigen Grillköniginnen des Abends: Mona Faschinger und Roswitha Kohrt-Böse servieren uns nicht nur ein köstliches Zwiebel-Schaschlik, sondern auch ein derart humorvolles und angenehmes Gespräch, dass wir es sehr bedauern, als der Weihnachtsmarkt schließen muss. Als lieben Trost schenkt uns Roswitha Kohrt-Böse einen leckeren Nachtisch – mit dem schmeichelhaften Kommentar: “Den kriegt nicht jeder von mir.”
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Ostwestfälisches Ägypten bei Pasta, Pizza, Abendpils

Hier muss garantiert niemand dürsten: Kellner Şerif Alptekin & Barkeeper Shoban Shabani
“Egal ob Pizza, Fleisch- oder Nudelgericht – das Essen in der Neuen Börse ist durchgängig von guter Qualität! Und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt immer!” Derart herzenswarm schwärmt Dieter, der stadtbekannte Lambrusco-Freund, von der der Neuen Börse. Bei soviel Lob werden wir natürlich hellhörig, also machen wir uns auf zum großen Test. Was wir antreffen, ist eine seltene Dualgastronomie, d.h. dem Gast stehen zwei durchaus verschiedene Wirtsstuben zur Auswahl. Rechts ist ein Raum mit einer sehr ein-, weil ausladenden Bar. Mit erstaunlichen drei Tausend verschiedenen Flaschen scheint sie bestückt zu sein. Aber hier gibt es auch Tischchen, und einige sind mit Paaren eifriger Esser besetzt. Wir wenden uns dem anderen Raum zu. Von seinen Wänden schauen uns drei Tausend Jahre ostwestfälisches Ägypten an. Diese ungewöhnlichen Wandkünste scheinen eine magnetische Wirkung auf die heimische Damenwelt auszuüben, jedenfalls sitzen hier ausschließlich Frauen. Engagiert beplaudern sie sich bei kleinem Salat und großer Pizza. Das macht Appetit, also lassen wir uns nieder und studieren die enorm umfangreiche Speisekarte. Flott und freundlich serviert uns Kellner Şerif Alptekin die ersten kleinen Abendbiere, so dass das Studium der Speisekarte sorglos abgeschlossen werden kann.
Wir lassen uns eine lavaheiße Lasagne auftragen, die zweifelsfrei gut mundet und sättigt. Außerdem nehmen wir eine willfährige Pizza Sardellen und Salami ins Programm auf, gefolgt von einer gefälligen Pizza Sardellen, Oliven, Champignons. Unser Lieblingsgast Henner entscheidet sich für eine Pizza Rimini, weil die irgendwie mit alles ist. Unsere verehrte Tagesgästin Tina versucht es mit einer (kleinen!) Pizza Hawaii, die sie nicht enttäuscht. Am Ende sind wir alle ganz satt und zufrieden. Danke, Lambrusco-Dieter, für den Tipp.
—> Neue Börse, Jöllenbecker Straße 32, 33613 Bielefeld
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Wandertipp: Schlemmereinkehr am Bielefelder Rand

Haben uns bestens umsorgt: Restaurantleiterin Petra Westerwinter und Azubi Meltem Sari
Reich haben Schnee und Frost unser argloses Bielefeld beschenkt. Da greifen kluge Menschen gern zu Hut, Mantel und Wanderstiefeln, um mit großem Vergnügen durch die Winterstadt zu stromern. Hier eine feine Schneewehe, dort ein eingeweißtes Auto, und die Eiszapfen hängen wie Damoklesschwerter von den Dachrinnen. Durch diese Bilder verzückt & gebannt staunt man sich durch die Stadt und hat sie – ohne es richtig bemerkt zu haben – am Ende gar verlassen. Nach geraumer Wanderschaft, die schließlich auch durch den heimischen Forst führte, stehen wir nun am äußersten Bielefelder Rand (das Ortsausgangsschild weist Richtung Halle/Westfalen). Suchend schauen wir uns um, denn jetzt meldet sich ein guter Hunger. Gibt es hier eine kleine Schnitzelstube, die uns retten mag? Aha, dort leuchtet uns ein Licht: “Schlichte Hof” können wir lesen, und weil wir schlichte Speisen mögen, begeben wir uns sofort dorthin.
Ein großer Raum empfängt uns. Er scheint komplett aus westfälischer Eiche geschnitzt zu sein und könnte als prima Heimatmuseum Karriere machen. Beim Blick in die Speisekarte vollendet sich unser Staunen: Welch güldenes Speiseangebot! Hemmungslos ordern wir, was die Küche bereit ist freizugeben. Alsdann bitten wir Restaurantleiterin Petra Westerwinter, uns beständig mit Rotwein zu tränken. Sogleich schenkt sie mit gekonnter Hand einen 2005er Kampmanns Tempranillo ein, und flugs sind wir uns einig: Hhmm, an diesem Wein kann man sich gut festtrinken!
Doch jetzt wird’s ernst. Die Hohepriesterinnen der Gastlichkeit fahren auf, was der Küchenmeister für uns erschaffen hat. Schon die Vorspeisen lassen unsere Sinne jubilieren. Ob der Feldsalat mit gebratenen Champions oder die winterlichen Blattsalate mit gebratener Entenleber oder aber Himmel und Erde – alles putzen wir mit deftigem Schmatzen weg. Nach kurzer Weinpause stapeln sich auch schon die Hauptgerichte auf unserem Tisch. Das Wildgulasch vom heimischen Reh lässt uns ein Loblied auf das heimische Reh anstimmen. Das Rumpsteak in einer Zwiebel-Senf-Kruste ist sofort unser innigster Freund. Die geschmorte Kaninchenkeule sowieso. Die kross gebratenen Ente mit Rotkohl und Bratkartoffeln werden wir nie wieder vergessen. Die Rindsroulade auf Kartoffel-Wirsingragout ist nicht von dieser Welt. Das Geschnetzelte vom Rind mit Käse überbacken gibt uns schlussendlich den Rest. Resümee: Das Leben kann so schön sein.
Der charmanten Freundlichkeit von Frau Westerwinter können wir uns nicht entziehen, also lassen wir uns einige Nachspeisen reichen. Ob Punchapfel mit Lebkuchenpavé oder allerlei Eis – es sind ebenfalls Gedichte, die Lukull persönlich ersonnen hat. Und nun zur Abrundung einen Cappuccino, dann ist der Mensch 150% zufrieden. Zum Abschluss unserer Fütterung erscheint Bernhard Kampmann (Koch, Chef und Zaubermeister in einer Person), um uns mit einem sanften Getränk zu beglücken, und zwar aus dem Hause Clüsener. Damit kann man nichts falsch machen. Beim Abschied danken wir dem großartigen Küchenmeister auf Knien für seine seltene Kochkunst und geloben, auf ewig seine Jünger zu bleiben.
—> Sie möchten ebenfalls den Schlichte Hof aufsuchen? Dann empfehlen wir Ihnen ab Bielefeld-Kernstadt diesen wunderbaren Pilgerweg.
—> Schlichte Hof, Osnabrücker Straße 100, 33649 Bielefeld



