19 Beiträge mit Schlagwort 'Nachtisch'
Die wohlige Wonne der Fleischeslust
Heute sind wir in einem Bankgebäude zu Gast. Gut 100 Jahre ist es alt und blickt erhaben in die Bielefelder Nacht. Im Innern gibt es allerdings schon lange keine Bankiers mehr, hier regiert die lateinamerikanische Küche mit einem lebensfrohen Schwerpunkt auf Fleisch. Doch vor dem Genuss verabreicht uns die sympathische Chefserviererin Amela einen Kurzlehrgang über die zweifarbigen Tischkarten. Eine Seite ist grün – wenn wir die zeigen, wird uns ununterbrochen Nahrung geliefert. Die andere Seite ist rot – wenn wir die zeigen, stoppt die Zufuhr. Nur die Vorspeisen muss man sich selbst holen. “Das fängt aber gut an”, raunt Christian Bode beim Anblick des Vorspeisenbuffets und langt beherzt zu. Herr Bode, unser heutiger Flaneurgast, ist gemeinhin als “Der Herr der Karten” bekannt, denn er bringt immer wieder die wunderbaren Flaneurkarten unter’s Volk. Heute schenkt uns der diplomierte Mathematiker einen prächtigen Vortrag über die Kontinuumshypothese, was Irá, den agilen und gut gelaunten Kellner, allerdings nicht davon abhält, immer wieder Fleischspieße an unseren Tisch zu transportieren und davon wohlschmeckende Stücke für uns abzuschneiden. So wandert ein Spieß nach dem anderen an unseren Tisch, und immer neue Fleischvariationen lassen uns lustvoll aufstöhnen. Gutes Fleisch, gut zubereitet und im Übermaß serviert – so geht Schlaraffenland!
Nach dieser wunderbaren und schier endlosen Völlerei lassen wir uns Zuckerrohrschnaps reichen. Der schafft gute Stimmung sowie Platz im Bauchraum, den wir sogleich mit Nachtisch füllen. Dabei bevorzugen wir bezaubernde Crème brûlée und erstaunliche Mousse au chocolat. Auch hier beweist Herr Bode vorbildliche Esserqualitäten, so dass wir ihn erneut sehr loben. Am Ende laden wir den guten Mann auf einen schönen Schlürschluck in die nahegelegene Traditionstrinkstube “bei Taki” ein, wo er sogleich von Wirt Alex persönlich betreut wird. Aber davon berichten wir ein andermal. Vielleicht.
—> Rodizio, Herforder Straße 26-28, 33602 Bielefeld
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Famose Qualität in vierter Generation
Das Restaurant Bartsch besteht seit 1897 und wird in vierter Generation von den Geschwistern Susanne und Thomas Bartsch betrieben. Die Küche, die Kegelbahn, die Zapfgeschwindigkeit – alles hat einen derart guten Ruf in Bielefeld, dass die Gaststube immer bestens gefüllt ist. Mit Glück haben wir heute den letzten freien Tisch erobert und eröffnen die Tafel mit einem Wurstebrei der Meisterklasse. Astrein abgerundet durch sauer eingelegte Gemüseschätze. Nun testen wir die Göttergabe Grünkohl, und zwar in der Variante 1 mit Blutwurst sowie in der Variante 2 ohne Blutwurst. Beide Varianten lösen Glücksgefühle aus, die nicht enden wollen. Herrlich auch die dazu bestens passenden Röstkartoffeln. Große Verzückung erzeugt außerdem das mit Schinken und Käse gefüllte Schnitzel, kurz: Cordon bleu. Auf unseren Wunsch werden dazu schöne Pommes serviert. Und ein hübsch lächelnder Mischsalat steht plötzlich auch noch vor uns. Weil er mit Sellerie angereichert ist, vergeben wir Extrapunkte. Zum menschenfreundlichen Schnitzel „Jäger-Art” mit frischer Champignonrahmsauce lassen wir uns erneut eine Portion von den feinen Bratkartöffelchen reichen. Einfach zu lecker sind die Dinger. Am Nachbartisch hören wir wiederholt ebenso sanfte wie zufriedene Kaugeräusche, so dass wir abschließend notieren: Bartsch macht alle glücklich.
Doch im Hause Bartsch wird das Glück noch weiter gesteigert. Chefkellnerin Petra Berg fährt ein famoses Nachtischsortiment auf, bei dem unsere Knie weich werden. Kaum haben wir auch das bewältigt, erscheint Wirtin Susanne Bartsch mit einer wunderbaren Trage Bommi mit Pflaume. Spätestens jetzt wissen wir: Genau so muss es im Schlaraffenland zugehen. Allerdings trifft uns das Glück nicht ganz unvorbereitet. Immerhin sind wir 2008 schon einmal hier gewesen. Unvergessen unser fröhliches Kegeln, das wir damals im Bartsch-Keller mit Inbrust betrieben haben. Schön zu sehen, dass hier alles beim Alten geblieben ist. Danke für den herrlichen Abend!
—> Restaurant Bartsch, Viktoriastraße 54, 33602 Bielefeld
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Unsere Visite am Obersee
Seeungeheuer können wir in Bielefelds beliebtestem Binnengewässer, dem prächtigen Obersee, nicht ausmachen. Auch fehlen optisch aufdringliche Segeljachten. Stattdessen ist hier biologisch alles bestens sortiert. Die Fauna, in Form von Ente und Schwan, lebt auf dem Gewässer. Der Homo sapiens hingegen umkreist seinen stadtnahen Ozean mit flanierendem Schritt und kehrt anschließend ordnungsgemäß in den Seekrug ein, der abends mit ostwestfälischer Idylle lockt.
Von der Seeumkreisung derbe ausgehungert, eröffnen wir den Abendtisch mit einer köstlichen Rillette vom Gänschen. Der fleischfaserige Brotaufstrich ist derart geschickt gewürzt und wunderbar fettstark, dass wir die Schälchen bis zum letzten Molekül ausschlecken (daher der Begriff Molekularküche). Alsdann setzt sich unser Speiseglück fort mit Rindsrouladen, dem göttlichen Klassiker, erfolgreich sekundert von Rotkohl und Kartoffelpüree. Herrlich! Wir können gar nicht genug davon bekommen, so dass unser lustvolles Schmatzen bis zum See zu hören ist. Danach spendet uns ein liebes Schweinchen das Zarteste, was es zu bieten hat, nämlich seine Medaillons. Dazu werden feine Morchelrahmsoße und astreine Butterspätzle gereicht. Den finalen Wonnezustand verschafft uns dann als i-Tüpfelchen ein prima Schokodingens, das plötzlich als Nachtisch vor uns steht.
“Uff, jetzt einen schönen Zerhacker!” denken wir – und schon steht Chefkellnerin Andrea Vormbau vor uns und serviert einen fundierten Himbeergeist. Wirt Christian Schulz macht beste Mine dazu und erzählt uns dann allerlei interessante Geschichten aus seinem langen Wirtsleben. Als er uns anbietet, die endlosen Gänge, Schächte und Katakomben zu besichtigen, die unter seinem Seekrug verlaufen, sind wir ganz hin und wech: Es gibt Leben auch unter dem Seekrug! Mit Erleichterung dürfen wir hier als erstes notieren, dass die Vorratslager gut gefüllt sind. Auch weiht uns Christian Schulz in die Geheimnisse seiner guten Küche ein: Gewürze in großer Auswahl und ein intaktes Mitarbeiterverhältnis. Als wir uns endlich zufrieden auf den Heimweg machen, ist es schwarze Nacht geworden und der Obersee träumt still vor sich hin. Ja, er hat’s gut, denn hier ist alles im Lot.
—> Seekrug am Obersee, Loheide 22a, 33609 Bielefeld
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Schmerzfrei in guter Küche
Die Gaststube ist fast komplett belegt, aber – wie schön! – es herrscht kein Lärm. Emsig laufen die Kellner durch die Tischreihen und füllen jeden Tisch in angemessener Zeit. Auch uns bringt Schnellkellner Julian alles, was wir wollen. Das Abendmahl starten wir mit einem liebenswürdigenVorspeisenteller, der uns sofort viel Freude bereitet. Weil die Küche ein so genanntes Touristenmenü ausgelobt hat, werden wir neugierig. Wir geben uns als Touristen aus und erhalten sogleich als Vorsüppchen eine gut abgeschmeckte Linsensuppe. Es folgt ein ebenso üppiges wie gut geratenes Rahmgulasch mit Spätzle, an das sich ein schöner Bohnensalat andockt. Als Touristen erhalten wir sogar noch einen Nachtisch. Tiramisu geht bekanntlich immer und schmeckt obendrein auch noch fein. Außerhalb des Touristenmenüs naschen wir ein Kotelett mit Bratkartoffeln. Es schmeckt wie ein Kotelett schmecken sollte und sättigt nachhaltig.
Fünf Sorten Bier schenkt das Bewekenhorn aus, aber unser Henner bleibt so eisern bei einer Sorte, dass uns diese Tatsache ein hübsches Zeigebild Wert ist. Wirt Franz Schiche spendiert uns eine fröhliche Rutsche seines Edelbitters Schmerzfrei (Etikettaufschrift: Kein Arzneimittel!). Dieser Tropfen schmeckt ans ab dem zweiten Schluck so gut, dass wir ein extra lautstarkes Prosit Bewekenhorn ausrufen. Natürlich plaudern wir auch ausführlich mit Franz Schiche. Er berichtet uns aus seinen frühen Jahre im Casablanca. Und dass es hier Frikadellen gibt, wenn Arminia in der 1. Liga spielt. Und dass die Stühle im Gastraum sämtlich französische Bistrostühle aus den 1930er Jahren sind. Und die anderen Möbel und Lampen sämtlich original aus dem Nachkriegs-Bewekenhorn stammen, nur mit sanfter Hand renoviert. Von 1899 bis 1987 war hier, so weiß er außerdem zu erzählen, eine typische Eckkneipe. Zwei Schwestern und ein Bruder haben sie am Ende betrieben. Und seit 2001 ist er nun hier als Stadtteilversorger tätig.
Als wir die gastliche Stätte zu später Stunde verlassen, sehen wir ein Leuchten im Abenddunkel. Es stellt klar: Das Bewekenhorn hat eine gute Küche. Na prima, das ist doch mal ein schöner Abendstern!
—> Restauration Bewekenhorn, Stapenhorststraße 50, 33615 Bielefeld
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Im Paradies griechischer Kochkunst
Die Familie Georgakis ist von Babenhausen Richtung Kernstadt umgezogen. Ihre wunderbare Taverne wohnt also nun in der Traditionsgaststätte Windlicht. Mit Freuden sehen die bisherigen Wirtsleute Anni & Gerd Wind, dass sie ihre gute Stube in ebenso gute Hände übergeben haben. Ein Pflichtbesuch für uns, auf den wir uns freuen.
Ein angenehmer hellenischer Appetizer namens Bauernreis lässt erahnen, was uns heute lukullisch widerfahren wird. Und dann kracht’s auch schon. Vater und Sohn Georgakis servieren ein wahres Göttergeschenk: Eine unvergleichliche Käseplatte. So etwas haben wir noch nicht gegessen. Jeder Käse ist hausgemacht, jeder Käse ist anders zubereitet, jeder Käse ist ein Gedicht. Als wir den Rausch des Käsetellers mental verarbeitet haben, treffen die Hauptdarsteller des Abends ein. Der wunderbare Mykonosteller wird ebenso schnell unser Freund wie die bezaubernde Europaplatte. Als besonders große Sache tritt die Lammkeule auf. In einer hübschen Terrine serviert, angereichert mit edlen Maulbeeren betört uns das brave Lämmchen auf geradezu erotische Weise. Benotung: Herrlich! Und als uns alsdann der Fisch erreicht, wissen wir sofort: So sieht lukullisches Kabeljau-Glück aus. Ansonsten stehen auf unserem Tisch feine Salate in eleganter Senfsoße und Bratkartoffeln, von denen man nicht genug bekommen kann. Am Ende sind unsere Bäuche glatt und rund, aber zum Nachtisch ein Sahneschmankerl mit frischem Obst, das geht immer. Dazwischen lieferte Panajiota Georgakis immer wieder zuverlässig frische Flüssigkeiten, so dass uns rein gar nichts fehlte.
Am Ende eines langen Abends danken wir herzlich der großen Köchin Evangelia Georgakis, und sie verrät uns, dass sie sich ausschließlich an Rezepten ihres Großvaters orientiert. Ebenso danken wir ihrem Mann, denn Adam Georgakis hat sich den ganzen Abend herzensgut um uns gekümmert. Aber auch die Kinder der Eheleute haben auf sympatische Weise ihre natürliche Begabung für die Gastronomie bewiesen. Beschwingt verlassen wir schließlich zu später Stunde das gastfreundliche Haus und treten die Rückreise mit der Straßenbahn an. Leider vergessen wir dabei unseren Herr Sölter. Wenn Sie gelegentlich an der Haltestelle “Auf der Hufe” vorbeikommen, schauen Sie bitte mal nach. Er ist gewiss noch dort. Sie erkennen ihn an der Begeisterung, die der schöne Abend in sein Gesicht gezaubert hat.
—> Taverne im Windlicht, Jöllenbecker Straße 157, 33613 Bielefeld






