56 Beiträge mit Schlagwort 'Kultur'
In Bielefeld kann es im Juni noch schneien
Auf die Frage “Wie verrückt ist Bielefeld?” gibt der Autor zu Protokoll: “Wahrscheinlich gar nicht, habe ich da geantwortet, das sei ja gerade das Schöne.” Dieser Befund leuchtet vor allem dann ein, wenn man Gärtners Erlebnisse studiert, in denen Bielefelder “Wert auf die Botschaft legen, nicht klüger als ihr Hund zu sein.” Mit Kennerblick mutmaßt Gärtner, dass die Öffnungszeiten der Änderungsschneider das Verrückteste an Bielefeld seien, denn sie entsprächen ziemlich genau denen von Arztpraxen. Und ganz wichtig: “Im groben Unterschied zu Frankfurt funktionieren z.B. die Rolltreppen in Bielefeld stets tadellos.” Aber Gärtner steigert selbst das: “In Bielefeld kann es im Juni noch schneien”, notiert er sachkundig und lässt uns mit all dem zufrieden die Buchdeckel wieder schließen.
—> Stefan Gärtner, Deutschlandmeise, Atrium Verlag, 192 Seiten, Engl. Broschur, 16,95 Euro
—> vorrätig im Buchladen Eulenspiegel, Hagenbruchstraße 7, 33602 Bielefeld
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Wie die Hymne der Flaneure entstand
Gestern Abend hat Ich & Chopin im Bunker Ulmenwall vor fast ausverkauftem Haus ein wunderbares Konzert präsentiert. Dabei kam es zur Welturaufführung der Flaneur-Hymne. Vor der Hymne haben wir durch unseren Notar folgende Erklärung verlesen lassen:
Sehr verehrte Damen und Herren,
hochgeschätzter Bunker Ulmenwall,
großartiges Duo Ich & Chopin,
liebes Bielefeld.
Heute also soll offenbart werden, wie es zur Hymne der Flaneure kam. Damit ist allerdings mehr gemeint als die Antwort: Den Text haben die Bielefelder Flaneure in langer Nachtsitzung aufgeschrieben, und das sympathische Kölner Duo Ich & Chopin hat dazu eine passende Musik ersonnen. Nein, es geht um den geistigen Zeugungsvorgang einer Hymne. Und das, sehr verehrte Damen und Herren, muss in einem zweistündigen Referat dargelegt werden. Jedoch nicht heute. Heute müssen Sie sich leider mit einer Kurzfassung begnügen. Und die geht so:
Seit fünf Jahren stromern wir Bielefelder Flaneure durch die heimische Gastronomie und haben dabei viel erlebt. Schon bald sahen wir uns mit existenziellen Fragen konfrontiert, wie zum Beispiel: Wieso kann unser treuer Henner alle Platten der Bielefelder Musikboxen textsicher mitsingen? Oder: Woher rührt der Sexappeal eines Dönertellers? Oder: Wie viele Pizzen passen in einen erwachsenen Mann? Oder: Warum hängen unserem lieben Stahlbaron Geschmacksfäden aus den Lefzen, wenn ihm Hausmacherfrikadellen, Sülze mit Remoulade und anschließend Eiskrem mit heißen Kirschen plus Sahne serviert werden?
Das Wollüstige, das einer gelungenen primären Nahrungsaufnahme stets innewohnt, hat uns jedoch schon bald mit sublimem Flügelschlag in die Sphären der Kultur getragen. So wurden wir befähigt, das Erlebte in anmutige Verse zu übertragen. Hilfreich waren dabei zweifellos die Kaskaden optischer und – vor allem! – akustischer Eindrücke, die wir bei unseren zahlreichen Besuchen in Bielefelder Trinkstuben und Futterkrippen erleben durften. Durch einen glücklichen Zufall konnten wir eines dieser großen Klangerlebnisse digital sichern. Daher werden sie gleich diese wenigen ganz speziellen Sekunden Bielefelder O-Ton hören. Diese Klänge sind ebenso Geburtshelfer als auch Ouvertüre der Hymne der Flaneure. Daher: Wohlan, Tonmeister, gib den O-Ton frei, damit hernach das Duo Ich & Chopin der Welt unser Opus überreichen kann.
In diesem Sinne: Prösterchen!
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Am Dienstag nach Ostern: Welturaufführung
Und weil die Hymne nur 3:12 Minuten lang ist, werden die grundsympathischen Herren – wenn sie schon mal da sind – auch Lieder mit eigenen Texten vortragen. Also die verregneten Hügel Ostwestfalens besingen, dem verschollenen fünften Mitglied der Band Kraftwerk nachforschen, den Unterschied zwischen Main und Mississippi erklären sowie die Frage stellen: “Wo sind die Helden hin?”. Es wird also richtig was geboten. Lass Dir das nicht entgehen, Bielefeld!
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Weisheiten aus der Welt der Flaneure (1)
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Bielefelder Begegnungen, heute: Marcus Langer
Wenn Langer, wie man hört, in Frauenkreisen als der George Clooney des Grafikdesigns gehandelt wird, dann bezieht sich diese Schmeicheleinheit gewiss nicht auf Äußerlichkeiten, sondern nur auf künstlerische Aspekte. Denn wie Clooney besitzt Langer inzwischen eine stattliche Batterie von Auszeichnungen. Jedoch zeigt Langer seine Oscars erst nach längerem Betteln vor – hier ein Beispiel, verliehen vom Art Directors Club Deutschland. Aber was macht Langers Kunst so besonders? Vielleicht die Tatsache, dass er – trotz täglicher Arbeit am Computer – noch richtig zeichnen kann. Auch der Umgang mit Linolschnitt und anderen alten Handwerkskünsten gehört zu seinen Geheimwaffen. Und seine Kreativität ist ein nie versiegender Quell.
Dieser seltene Künstler und großartige Mensch begeht heute seinen 50. Geburtstag. Daher rufen alle Flaneure voller Inbrunst:
Ein dreifach’ Vivat und ein vielfach’ Prosit dem großen Mann!






