15 Beiträge mit Schlagwort 'Kesselbrink'
Wo Bielefeld zu sich selbst findet: Unser Kesselbrink

Glück & Glanz unserer Stadt begrüßen den Fremden stets vorbildlich am lieben Kesselbrink
Das Wahrzeichen Bielefelds ist zweifellos der eindrucksvolle Kesselbrink. Doch heute wollen wir uns der Sparrenburg zuwenden. Dieses Gebäude ist schon sehr alt, dennoch blieb es bis heute – toi, toi, toi! – von Abbruchplänen verschont. Stets ist die Sparrenburg ein besonders rühriger Ort des Bielefelder Familienlebens gewesen. Niemand weiß, wie viele Hochzeiten hier schon gefeiert wurden (Speisetafel im blauen Saal), wie viele Kinder hier gezeugt wurden (Buschwerk an den Burgmauern) und wie viele Ehestreitigkeiten hier ein jähes Ende fanden (37 m hoher Turm). Seit Jahrhunderten ist es Hauptaufgabe der Sparrenburg, dafür zu sorgen, dass die Bielefelder als Höhepunkt des Sonntagspaziergangs ein lecker’ Eis schlecken können. Das kauft man sich am Burgbüdchen und lässt dann den meditativen Eisesserblick über die Stadt gleiten. Natürlich gern in dem Bewusstsein, dass Bielefeld (Grundfläche: stolze 257,8 km²) größer ist als Paris (magere 105,4 km²). Eine Tatsache, die immer noch von vielen Parisern bezweifelt wird – quo vadis deutsch-französische Aussöhnung? An jedem letzten Aprilwochenende ist die Sparrenburg manischer Zielpunkt einer Schar von Hyperaktiven. Fluchtartig verlassen sie Detmold, verzichten dabei auf PKW oder ÖPNV und kennen nur ein Ziel: Die Sparrenburg sehen und sterben! Dazu gibt es sogar einen Roman, Titel: Tödlicher Hermannslauf. Er hat viel Freude ausgelöst, denn Hermannsläufer sind stets fröhliche Menschen. Schelmische Sportfunktionäre hatten sich sogar den Spaß ausgedacht, das Buch verbieten zu lassen. Aber sie zogen ihre Klage wieder zurück – am 1. April. Besonders gern erinnert man sich im Burg-Restaurant an das Glanzlicht der gesamten Burgexistenz. Im April 2008 versammelten sich hier die Verehrer von Donald Duck zum Donaldisten-Kongress. Die Donaldisten-Hymne hallt noch heute im Gestühl der Burg wider und gibt Bielefeld Kraft bei den Bemühungen um eine Städtepartnerschaft mit Entenhausen.
—> Quellennachweis: Das prächtige Kesselbrink-Foto verdanken wir unserer Touristinformation, hier wird das Foto für kleines Geld als Ansichtskarte verkauft
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Herr Firat hat den Ocakbaşı nach Bielefeld gebracht (inzwischen Geschichte)

Bielefelder Trendsetter: Güner Kizilpınar, Wirt Mehmet Firat, Mustafa Gökçek
Vor ein paar Jahren ging’s los. Eine türkische Futterkrippe nach der anderen hängte sich ein Schild mit der Aufschrift “Ocakbaşı” über die Tür. Macht sich hier, grübelten wir, ein Monopolist mit Namen Ocakbaşı breit? Aber nein, ließen wir uns aufklären, Ocakbaşı heißt nix weiter als “Holzkohlegrill”, und alle Döner-Stuben rüsteten halt grillmäßig nach. Wer aber war die Nummer eins? Wissen Sie es? Bitte einen Tusch für Mehmet Firat, den Bielefelder Trendsetter! Vor sechs Jahren ließ er sich mit seinem Firat-Grill am Kesselbrink nieder und setzte dort den ersten Bielefelder Ocakbaşı unter einer schmucken Messingglocke in Gang. Höchte Zeit, dass wir dem Trendsetter einen Besuch abstatten.
Der Kesselbrink empfängt uns mit schönster Abendsonne, und vor dem Firat locken Tisch & Stühle. Wir lassen uns nieder, bestellen möglichst viel Efes-Bier und die bunte Speisekarte einmal quer. Ja, Bielefeld kann manchmal richtig romantisch sein. Schon bald biegt sich unser Tisch unter der Last der Speisen und Getränke. Serviermeister Mustafa Gökçek hat gut was zu laufen mit unseren Wünschen. Ob Tagesgericht (hübsch würzig), Dönerteller (hübsch saftig) oder Spießgegrilltes (hübsch fleischig) – alles mundet vorzüglich. Und für Unterhaltung sorgt unser Kesselbrink auch. Mal quietschen wilde Autos aufgeregt um uns herum, mal richten Megaphon-Besitzer ebenso launige wie sinnlose Durchsagen an Passanten – immer was los hier.
Und dann bitten wir den Wirt an unseren Tisch. Mehmet Firat ist gastfreundlich, nimmt sich Zeit für uns und beantwortet geduldig all unsere Fragen (“Unseren Döner machen wir selbst.”). Am Ende erhalten wir Aufklärung über die Herkunft des Kebab (“Kebab stammt original aus der Osttürkei.”), eine Einladung ins Firat-Kühlhaus (“Hier ist alles sauber und frisch. Möchten Sie mal unser Kühlhaus sehen?”) sowie eine sehr interessante Einführung in die Philosophie der Aleviten (“Als erstes kommt der Mensch. Dann erst Politik oder Religion.”). Just als wir Mehmet Firat unser Flaneur-Siegel überreichen, treffen Frau Gabika und Herr Oscar ein, die uns als bekennende Firat-Stammgäste sofort bestätigen, dass man hier bestens speisen kann. Dabei zählt Oscars Lob sogar doppelt, denn als erfahrener Küchenmeister der beliebten Kantine des IBZ ist er schließlich vom Fach. Somit rufen wir zum Abschied gern: Vivat Firat!
—> Firat Ocakbaşı, Friedrich-Verleger-Straße 9, 33602 Bielefeld
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Unser Starfriseur ist Starfriseur Ahmet
Es soll Leute geben, die reisen extra nach Berlin, um sich die Haare von einem angeblichen Starfriseur richten zu lassen. Wir haben solche Reisen nicht nötig, für unsere sensiblen Frisuren bleiben wir in Bielefeld, denn unser Starfriseur ist Starfriseur Ahmet am Kesselbrink. Ahmet Kulata, wie er mit vollem Namen heißt, sowie seine Brüder schneiden, waschen und föhnen 12 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche alle Köpfe, die sich ihnen vor die Scheren setzen. Und sie machen das gut. Wir haben es ausprobiert und sind sehr zufrieden. Schon beim Verlassen des Haarstudios pfiffen uns die Damen hinterher – so soll es sein.
Gestartet hat Starfriseur Ahmets Erfolgsgeschichte in den ehemaligen Pavillions am Kesselbrink, hier war einst die Ursprungs-Filiale. Aber gleich um die Ecke brummt nun seit Jahren die neue Hauptgeschäftsstelle. Starfriseur Ahmets wirtschaftlicher Aufstieg ist gut begründet. Selbstverständlich haben wir ihm und seinen Mannen unser Siegel Flaneur-geprüfter Starfriseur überreicht. Davon träumen angebliche Starfriseure in Berlin oder anderswo noch lange und vergeblich. Denn es gibt nur einen Starfriseur, und der wohnt in Bielefeld!
Starfriseur Ahmet, Kesselbrink 5, 33602 Bielefeld
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Unsere Entwicklungshilfe für die Schweiz

Die Schweiz hat Berge, Käse und Ricola, aber sie hat keine Kotzbecken
… äh, ‘tschuldigung: Speibecken heißt sowas natürlich (linkes Objekt)
Simon, agiler Gastronom aus St. Gallen, hat die ganze Schweiz nach einem Speibecken durchforscht, denn seine Not ist groß. Soldaten und andere Vielbiertrinker hinterlassen die Toiletten seines Restaurants manchmal nicht so, wie sie sie vorzufinden wünschen. Aber er muss feststellen, es gibt in seiner Heimat keine Speibecken. Als wir über’s Internet von Simon und seiner Not erfahren, ist für uns sofort klar: Dem Mann muss geholfen werden.
Auf einem unserer Flaneur-Gänge entdecken wir in der schnuckeligen Bierlaube namens “Am Kesselbrink” ein formschönes Exemplar. Als diese Kneipe Ende letzten Jahres geschlossen wird, wenden wir uns sogleich an die Stadt Bielefeld, denn das Gebäude ist Eigentum der Stadt und soll demnächst abgerissen werden. Konsequenz: Eine ganz große parteiübergreifende Koalition der Vernunft entscheidet sich dafür, dem Vorschlag der Bielefelder Flaneure zu folgen und Simon das Speibecken zu schenken – als praktische Entwicklungshilfe für die Schweizer Trink-, Sanitär- und Hygienekultur. Als Gegenleistung spendet Simon einige bemerkenswert großzügige Taler zur Anschaffung des Bielefelder Ich-Denkmals. So sind am Ende alle sehr zufrieden.
Soweit die Fakten. Bewundern Sie nun unsere Fotodokumentation von der Übergabe des Speibeckens an den sympathischen Eidgenossen Simon. Ein Tag, den wir nie vergessen werden.

Simons Schwiegervater René begutachtet den Standort: Start der Aktion!

Wasserrohr erst oben abklemmen, dann unten kappen

Mit Geschick & hoher Schlagzahl geht’s dem Gerät an die Verschraubung

Wichtig: Schwiegervater René kassiert die Haltegriffe

Auch unten geht’s zügig voran: Knie & Fallrohr sind vom Becken gekappt

Ja, es ist vollbracht: Simon trägt sein geliebtes Baby in den Schankraum

Schließlich: Sicher abgelegt im großen Bauch des kraftvollen Fahrzeuges

Danach internationale Pressekonferenz: Simon und die Neue Westfälische

Moment der Abreise: Wir winken, bis die Gäste am Horizont verschwinden
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Innen klein, außen Kesselbrink (inzwischen Geschichte)

Draußen geht unbemerkt ein Tag zu Ende,
innen halten Neonlicht & Becks den Puls lebendig
Elzbieta Maczka ist die Wirtin des gastronomischen Kleinods “Am Kesselbrink”. In den antiken Pavillions am Bielefelder Platz der Plätze führt sie fachkundig eine Dartstube mit Frischbierausschank, die sehr unterschiedliche Gäste anzieht und dauerhaft zu versorgen weiß. Auch Bacardi mit Cola oder Ramazzotti werden hier nachgefragt und flott ausgegeben. Die Zielgenauigkeit des Dartpfeils dankt’s.
Wir sitzen gemütlich aufgereiht an der Theke, haben schnell Kontakt zu anderen Thekenbewohnern gefunden und immer einen kraftstrotzenden Lautsprecher im Ohr. “Zicke zacke, wir woll’n Spaß”, “Der König von Mallorca” und andere tausendfach bewährte Ballermann-Hymnen rollen in einer Art Endlosschleife von der Anlage direkt in unsere heute allerdings auf Gespräch geschalteten Ohren. Also suchen wir einen kleinen Abstand, und auch hier – wie beim Nachbarn SABO – gilt: Innen klein, außen Kesselbrink. Wir ziehen in den Vorgarten der Gaststube, wo zwei kleine und zwei große Tische mit reichlich Stühlen auf trinkende Sitzer warten, um ihnen einen satten Panoramablick über den kompletten Kesselbrink mit all seinen farbigen Nachtlichtern zu spendieren.
Wir horchen auf: Von rechts rumpelt und grollt es bisweilen. Zieht von Lippe ein Gewitter heran? Genaues Hinhören klärt uns auf: Das nahe Half Pipe-Gelände wird auch nach Einbruch der Dunkelheit von aktiven Scatern rauf und runter genutzt. Dabei erzeugen ihre Hartgummiräder unter den schnellen Brettern einen prallen Grollton, wenn sie über die hölzernen Übungsgeräte rasen. Aber da kommt Elzbieta Maczka auch schon wieder, denn sie bringt uns die gut gekühlten kleinen Bierchen auch gern nach draußen. Und plötzlich ist der Tag zu Ende. Zu gemütlich war es hier, als dass unser Zeitgefühl nicht die Gelegenheit genutzt hätte, sich heimlich zu verdrücken.
Zum Abschluss registrieren wir anerkennend, dass die Herrentoilette neben den üblichen Standards auch ein traditionelles Kotzbecken mit zwei formschönen Handgriffen bereit hält. Hier kann sich der Profitrinker umweltschonend die Eingeweide leeren, um anschließend erleichtert weiter zu zechen. Ob die Damentoilette einen identischen Kundenservice bietet, haben wir leider versäumt zu überprüfen.
—> Am Kesselbrink, Friedrich-Verleger-Straße 15, Eingang Kesselbrink, 33602 Bielefeld


