27 Beiträge mit Schlagwort 'Henner'
Schmerzfrei in guter Küche
Die Gaststube ist fast komplett belegt, aber – wie schön! – es herrscht kein Lärm. Emsig laufen die Kellner durch die Tischreihen und füllen jeden Tisch in angemessener Zeit. Auch uns bringt Schnellkellner Julian alles, was wir wollen. Das Abendmahl starten wir mit einem liebenswürdigenVorspeisenteller, der uns sofort viel Freude bereitet. Weil die Küche ein so genanntes Touristenmenü ausgelobt hat, werden wir neugierig. Wir geben uns als Touristen aus und erhalten sogleich als Vorsüppchen eine gut abgeschmeckte Linsensuppe. Es folgt ein ebenso üppiges wie gut geratenes Rahmgulasch mit Spätzle, an das sich ein schöner Bohnensalat andockt. Als Touristen erhalten wir sogar noch einen Nachtisch. Tiramisu geht bekanntlich immer und schmeckt obendrein auch noch fein. Außerhalb des Touristenmenüs naschen wir ein Kotelett mit Bratkartoffeln. Es schmeckt wie ein Kotelett schmecken sollte und sättigt nachhaltig.
Fünf Sorten Bier schenkt das Bewekenhorn aus, aber unser Henner bleibt so eisern bei einer Sorte, dass uns diese Tatsache ein hübsches Zeigebild Wert ist. Wirt Franz Schiche spendiert uns eine fröhliche Rutsche seines Edelbitters Schmerzfrei (Etikettaufschrift: Kein Arzneimittel!). Dieser Tropfen schmeckt ans ab dem zweiten Schluck so gut, dass wir ein extra lautstarkes Prosit Bewekenhorn ausrufen. Natürlich plaudern wir auch ausführlich mit Franz Schiche. Er berichtet uns aus seinen frühen Jahre im Casablanca. Und dass es hier Frikadellen gibt, wenn Arminia in der 1. Liga spielt. Und dass die Stühle im Gastraum sämtlich französische Bistrostühle aus den 1930er Jahren sind. Und die anderen Möbel und Lampen sämtlich original aus dem Nachkriegs-Bewekenhorn stammen, nur mit sanfter Hand renoviert. Von 1899 bis 1987 war hier, so weiß er außerdem zu erzählen, eine typische Eckkneipe. Zwei Schwestern und ein Bruder haben sie am Ende betrieben. Und seit 2001 ist er nun hier als Stadtteilversorger tätig.
Als wir die gastliche Stätte zu später Stunde verlassen, sehen wir ein Leuchten im Abenddunkel. Es stellt klar: Das Bewekenhorn hat eine gute Küche. Na prima, das ist doch mal ein schöner Abendstern!
—> Restauration Bewekenhorn, Stapenhorststraße 50, 33615 Bielefeld
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Im Haus der Riesenfrikadelle
Eine große Fensterfront präsentiert die Stapenhorststraße im Breitwandformat. Gut gelaunte Esser haben die Gaststube fast vollständig mit sich voll gemacht. Wie ein Wirbelwind muss Serviererin Melana Kalpakidou flitzen, um alle Mäuler just in time zu füllen. Arg viel hat die Arme zu tun, doch sie bleibt freundlich ohne jeden Verdruss. Hut ab!
Am Nebentisch kontaktieren wir ebenso kundige wie nette Rempetiko-Gäste. Mit ihren Speisetipps (sowie einem handverlesenen Blondienenwitz) geben sie uns wertvolle Lebenshilfe. Gemäß den Tipps starten wir mit einem großzügigen Vorspeisenteller, der durchaus für zwei Personen gut sein könnte. Ihm beigeordnet sind feine Hausbrötchen. Ausdrücklich warnen müssen wir vor der Riesenfrikadelle. Leider reicht unsere Fotografierkunst nicht aus, um die wahre Größe dieses Brockens zu dokumentieren. Aber glauben Sie uns: Das Ding sollten Sie nur bestellen, wenn Ihr Magen vollkommen ausgeräumt ist. Durch und durch liebreizend sind die frisch gebratenen Sardellen (hier anmutig präsentiert von unserem lieben Henner). Ausgezeichnet munden natürlich auch die süffigen Kartoffelspalten mit Knoblauchsauce.
Ganz lieb: Am Ende schenkt uns Sofia Kalpakidou eine Lage zweifach destillierten Pilavas ein und dann erfahren wir auch noch, was “Rempetiko” bedeutet. Das ist ein griechischer Musikstil, der von den Sorgen der einfachen Leute handelt. Er wird daher auch als der “griechische Blues” bezeichnet. Kein Wunder also, dass hier ein Musiker, in Form eines Wandgemäldes, über das Geschehen im Gastraum wacht. Denn ein paar Sorgen wird man hier ganz sicher los: Hunger, Durst und Einsamkeit.
—> Café Rempetiko, Stapenhorststraße 84, 33615 Bielefeld
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Infos für Auswärtige: Was ist Bielefeld?
Bielefeld ist eine kreisfreie Stadt im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Sie wurde 1214 erstmals schriftlich erwähnt und hat inzwischen 323.270 Einwohner. Viele davon besitzen einen Pkw, um schnell aus der Stadt verschwinden zu können. Doch wer das tatsächlich versucht hat, kommt immer wieder zurück (Ferienrückreiseverkehr). Stets verzichtete Bielefeld auf Prunkbauten (vgl. Schloss Neuschwanstein oder Wolfsschanze), sondern überzeugte stattdessen durch kulturelle Leistungen (viele Redakteure der Zeitschrift Titanic stammten aus Bielefeld). Die Stadt ist flächengrößer als Paris und beherbergt Europas größten Knast des offenen Strafvollzuges. Bielefelds erfolgreichster Fußballclub ist der DSC Arminia Bielefeld. Ewigen Ruhm erlangte er durch siebenmaligen Bundesliga-Aufstieg. 1994 enthüllte der Kieler Informatiker Achim Held die Bielefeld-Verschwörung, nach ihr ist die Existenz der Stadt eine großangelegte Täuschung durch Außerirdische (2010 mit überirdischem Erfolg verfilmt). Typische Bielefelder sind der Slam Poet Mischael-Sarim Verollet (Bonmot: “Wenn eine Stadt Berlin ist, dann ja wohl Bielefeld”), Après-Ski-Gott Henner Zimmat (Volksmund: “Der Mann, der Ostwestfalen das Feiern beigebracht hat”) sowie die Bielefelder Flaneure (Westfalen-Blatt: „Ein bundesweit einzigartiges Projekt“). Schon seit 2007 erforschen diese Flaneure die Gastronomie ihrer Stadt, doch verzichten sie in ihrem entzückenden Weblog konsequent auf’s Nölen und Stänkern. Für Außenstehende Beweis genug, dass Bielefeld eine ungewöhnliche Stadt sein muss.
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Teutoburger Bergparadies Rosenhof
Heute weht uns der Abendhunger hinaus nach Dornberg. Als wir am schönen Rosenhof eintreffen, verabschiedet sich eine ambitionierte Abendsonne mit großer Geste von Bielefeld. Sofort drängt sich uns die Frage auf: Kann es auf dieser Welt einen schöneren Teutoburger Terrassenausblick geben? Verständlich, dass sich hier halb Bielefeld versammelt hat, um das Nachtmahl einzunehmen.
Wir starten mit einem goldenen Pizzadreisprung. Zuerst eine Pizza Romana (Flaneur-Gutachten: “Großartig!”), gefolgt von der Pizza Italia (Flaneur-Gutachten: “Wunderbar!”), und dann die Pizza Capri (Flaneur-Gutachten: “Gelungen!”). Unser Pizzatest wird abgerundet durch eine leckere Calzone, die sogar unseren lieben Stahlbaron zu sättigen vermag. Natürlich beachten wir auch, was der Backofen hergibt. Der Lachsauflauf mit hausgemachter Pasta erhält beste Noten. Zum großen Finale munden uns göttliche Schweinefiletmedaillons in exelenter Pilzsauce dazu liebe Kroketten und ein gemischter Salat von seltener Güte. Das Abendmahl erhält die Gesamtnote: 1a mit Sternchen.
Heute haben wir übrigens die Ehre, Bielefelds freundlichsten Pizzataxifahrer als Gast in unserer Runde begrüßen zu dürfen. Ioannis Koukotsikas hat sich extra frei genommen, um uns begleiten zu können. Natürlich lässt er es sich nicht nehmen, mit Wirt Francesco Calamita über die Geheimnisse der Gastrowelt zu philosophieren. Und mit unserem lieben Henner tauscht er sich erfolgreich über Fragen aktiven Grappa-Genusses aus. In hohen Tönen lobpreisen sie, was Chefkellner Bedri Cakar serviert hat. Im Gespräch mit den Brüdern Calamita erfahren wir, dass die Familie aus der apulischen Stadt Bitonto stammt. Doch schon seit 1986 verwöhnt sie mit ihrem Rosenhof Bielefelder Gaumen. Mit herzlichem Gläserklang bedanken wir uns am Ende eines langen Abends für die vorbildliche Gastfreundschaft.
—> Rosenhof, Wiegandweg 49, 33619 Bielefeld
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Wir testen das 30 Jahre-Pizzarezept
Freundlich lächelt die Salento-eigene Raucherecke in den jungen Abend. Wir stehen vor dem Ristorante Salento und der Frage: Gaststube oder Biergarten? Natürlich wählen wir den Biergarten. Kaum haben wir unseren Tisch bezogen, fällt uns auch schon der sympathische Wirtssohn Gianpaolo Greco als nachgerade unermüdlicher Getränketransporteur auf. Den weiten Weg von der Indoorzapfanlage bis zu unserer Outdoortrinkzone legt er trotz Windstille eindeutig mit Rückenwind zurück. Wir müssen uns also keine Gedanken machen, dass unsere Durstlöschkette unterbrochen werden könnte.
Als amüsantes Unterhaltungsprogramm rollen uns alsbald einige würzige Vorspeisekugeln zu. Ein prima Warm-up für unsere Kauapparate. Dabei plaudern wir mit Gianpaolo Greco über die gastronomische Tradition seiner Familie. Bewährte 30 Jahre alt, erklärt er uns nicht ohne Stolz, sei das Pizzarezept seines Vaters. Also ist klar, dass wir uns heute auf diese Backware konzentrieren werden. Und unser Vertrauen wird belohnt. Hauchdünner Teig, sanft belegt, eine rundum klasse Angelegenheit: Pizza Thunfisch, dito: Pizza Sardellen und Kapern, ebenso: Pizza Schinken, sowieso: Pizza Salami, gelungener Abschluss: Pizza Formaggi. Am Ende applaudieren wir stehend für diese schmackhaften Pizzascheiben und gratulieren Babenhausen Süd zu der großartigen Pizzeria. Anschließend gibt es für unseren lieben Henner als Bonusträck einen Thunfischsalat. Der ist knackig und erfrischend, passt also bestens zu unserem Hennerlein.
Als uns Gianpaolo Greco die letzte Fuhre des späten Abends bringt, danken wir ihm und seiner Familie für die gute Bewirtung. Sodann schicken wir den jungen Vater zu Bett. In wenigen Stunden wird die dritte Generation Greco seine Nacht beenden. Wir hingegen drehen uns dann noch einmal um und träumen weiter von Pizza, Grappa und Bier im Salento.
—> Il Salento, Voltmannstraße 285, 33613 Bielefeld






