20 Beiträge mit Schlagwort 'Fisch'
Wenn’s mal richtig gut sein soll
Ein Restaurant am Klosterplatz? Das ist immer ein Wagnis, also genau das richtige Ziel für uns. Die Gaststube ist nicht groß, aber auch nicht klein. Die Einrichtung ist modern und Schnickschnack-frei. Uns begrüßt Erdal Gül, der seinen Job als Chef de rang souverän versieht. Soeben verabschiedet sich ein Gast, aber statt mit freundlichem Gruß zu gehen, muss er Erdal Gül noch eben ungefragt seine gesamte Weltsicht darlegen. Kellner haben es nicht immmer leicht.
Aber nun werden unsere Biere serviert und kurz darauf erhalten wir einen Vorspeisenteller der Extraklasse. Hausgemachte Kleinigkeiten, die wir komplett wegputzen. Ein feiner Starter! Jetzt noch ein Bierchen, dann kommt auch schon das herrliche Zanderfilet in Zitronensauce. Ebenso köstlich ist der Wolfsbarsch in Zitronensauce. Zu beiden lieben Tierchen erhalten wir frisches Gemüse, schmackhaft angebraten wurde. Gute Sache. Nicht minder froh stimmen uns die Penne rigate mit Tomatenpesto und gebratenen Rinderfiletstreifen. Selbstredend verzichten wir auch nicht auf den Pizzatest. Eine Pizza Rucola mit Bürffelmozzarella und frischen Kirschtomaten bekommt beste Noten von uns.
Nach dieser edlen Vollsättigung lässt uns Erdal Gül Grappa testen. In diesen schönen Vorgang schaltet sich auch Wirt Khalifa Abdelhag ein und rät uns zu seiner Lieblingsgrappa – mmh, auf Proseccobasis! Dabei ist gut plaudern, und so berichtet uns Khalifa Abdelhag von seinen Jahren in Italien, wo er viele seiner gastronomischen Kunststücke erlent hat. Als uns Erdal Gül schließlich wohltuenden Espresso serviert, beratschlagen wir erneut unsere Eingangsfrage: Ein Restaurant am Klosterplatz? Das ist immer ein Wagnis. Man braucht Mut, Fachwissen und eine gute Portion Glück. Offensichtlich erfüllt Khalifa Abdelhag die ersten beiden Voraussetzungen. Und für das Glück wünschen wir ihm und seiner Truppe alles Gute!
—> Capriccio, Mauerstraße 46, 33602 Bielefeld
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Abschied einer Bielefelder Institution
Heute machen wir einen Abschiedsbesuch. Die Bielefelder Traditionsfischküche Kleine Plötze wird am 30. April 2013 ihren Dienst einstellen. Danach ist unwiderruflich Schluss. Wir kehren schon heute dort ein, um ein letztes Mal Ursula und Constantin Schöne zu begrüßen. Um ein letztes Mal Störfilet mit Krabbensoße auf Mangold und andere Fischlichkeiten zu verspeisen. Und um ein letztes Mal mit Constantin Schöne ein feines Fläschen Sauwohl zu leeren.
So. Und nun kommt die gute Nachricht. Constantin Schöne hat uns in die Hand versprochen, Sauwohl, den ebenso wohltuenden wie exklusiven Kräuter-Halbbitter, der in Lemgo für die Plötze erschaffen wird, weiterhin zu vertreiben. Das ist Artenschutz, der unsere ganze Sympathie verdient. Daher rufen wir dazu auf, einmal die Woche eine Plötze-Gedenkminute einzulegen und dabei ein feines Gläschen Sauwohl zu genießen. Dürfen auch zwei sein. Aber immer auf das Wohl von Ursula und Constantin Schöne. In diesem Sinne: Adieu und alles Gute!
—> Kleine Plötze, Langenhagen 26, 33617 Bielefeld
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Der Bielefelder Jämmerling
Der Bielefelder Jämmerling ist ein kleiner Fisch aus der Familie der Sardellen. Sein Lebensraum ist ein mit Korn gefülltes Schnapsglas. Wahlweise auch Aquavit oder Linie. Bisher wurde sein Vorkommen nur im Heimathafen an der Stapenhorststraße nachgewiesen. Seine norddeutschen Verwandten bevölkern in Schwärmen die Gasthäuser an Nord- und Ostsee.
Kontaktaufnahme: Das Fischchen mit der Zunge in den Mund saugen, anschließend genussvoll kauen. Alsdann den Korn laaangsam nachfließen lassen. Sofort gehen Mineralien, Eiweißkorpuskel und Ölpartikel eine erstaunliche Geschmackssymbiose mit dem kühlen Branntwein ein. Für manche Landratten eine echte Herausforderung, für Bielefelder Flaneure eine der schönsten Varianten Fisch zu essen.
Wir danken Rouven Westmann Ridder für seinen wertvollen Hinweis.
—> Jämmerling im Heimathafen, Stapenhorststraße 78, 33615 Bielefeld
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England – mitten in Bielefeld
Detmolder Straße, Ecke Fröbelstraße, hier wohnte für ewige Jahre das Bremer Eck – bis ihm eine Langzeitbaustelle das Genick brach. Inzwischen ist Lord Nelson hier eingezogen und lässt die englische Küche in Bielefeld erblühen. Wer die Gaststube betritt, wird von Lord Nelson persönlich begrüßt. Dann entdecken wir eine Kanone – ist das Lord Nelsons Lieblingskanone? Wirt Don erzählt uns die wahre Geschichte der Kanone. Wenn Sie sie auch wissen wollen, müssen Sie ihn schon selbst fragen. Sympathisch: Die formschöne Zapfanlage lässt auf Wunsch deutsches und englisches Bier sprudeln. Wir entscheiden uns mehrheitlich für englisches Bier, was Wirtin und Zapferin Christel den ganzen Abend fleißig und ohne Ermüdungserscheinungen herbei transportiert.
Aber nun wenden wir uns dem Abendmahl zu. Ein Hinweis auf die berühmteste Speise der englischen Küche ist nicht nötig, selbstredend ordern wir Fish & Chips. Die Chips sind hausgemacht und werden von liebem Erbsenpüree begleitet. Die schönen Portionen sättigen uns nicht nur erfolgreich, sondern schmecken auch astrein. Motto: Gerne wieder! Desweiteren kommt das Schnitzel Hawaii mit Pommes und einem kleinen Abendsalat gut an. In der gleichen Liga spielt ein großherziges Omelett mit reichlich Pilzen, aber extra wenig Pommes. Zu den Pommes, respektive Chips, erhalten wir natürlich nicht nur Mayo und Ketchup, sondern auch eine Flasche Essig, denn nur so werden die Chips richtig englisch. Schließlich füllt uns ein Kabeljau mit Bratkartoffeln final ab.
Zu vorgerückter Stunde laden uns Don und Christel zu fünfmal Saint Brendan’s Irish Cream Liqueur ein und erzählen uns dabei alles, was wir wissen wollen. Dass Don aus London stammt und einst The Fish Fryers Association angehörte. Dass Christel eine geborene Bielefelder ist, aber nach vielen Jahren in Thüringen nun in ihre alte Heimat zurückgekehrt ist. Dass im Lord Nelson oft Live Musik ertönt, denn Don ist Musiker und lädt gern Kollegen ein. Als wir am Ende Sir Peter Ustinov zitieren: “Die englische Küche ist ganz einfach: Wenn es kalt ist, ist es Suppe. Wenn es warm ist, ist es Bier.” verrät uns Don, dass da was dran ist, denn sein Bier packt er stets für wenige Sekunden in die Mikrowelle – damit sich der Geschmack besser entfaltet. Interessant. Das probieren wir auch mal aus. Wenn wir nächstes Mal bei Lord Nelson an Bord gehen. Bis dahin ein dreifaches herzliches Ahoi!
—> Lord Nelson, Detmolder Straße 123, 33604 Bielefeld
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Wozu Rach? Es gibt doch uns.
Jaja, wir haben es auch in der Heimatpresse gelesen: Restauranttester Christian Rach war in Bielefeld. Aber wozu braucht Bielefeld den Herrn Rach? Es gibt doch uns. Also suchen wir genau jene Gastwirtschaft auf, die von Herrn Rach beschnüffelt wurde. Oho, staunen wir sogleich, der Laden brummt aber bestens! Fast alle Plätze sind besetzt. Und das mitten in der Woche. Mit Lichtgeschwindigkeit muss die Bedienung durch den Saal fegen, um alle Gäste zu bedienen. Trotz Megastress bleibt sie dabei supernett. Das gibt Pluspunkte. Trotz Megastress steht ruckzuck frisches Pils vor uns. Das gibt weitere Pluspunkte.
Nun widmen wir uns dem Futter. Zwei schöne Thunfischschnitzelchen lächeln verführerisch – und halten was sie versprechen. Ebenso die schöne Lasagne. Sie ist saftig, fleischig und würzig zugleich. Jetzt ist die Abteilung Pizza dran. Tadellos schmeckt die Pizza Diavola mit scharfer Salami und Oliven wie auch die Pizza Tonno e Cipolla. Abschließend dürfen wir also festhalten, dass hier ein gutes Speiseregime herrscht. Inzwischen haben wir durch einen Langzeittest Bielefelds schnellste Kellnerin ermittelt. Sie heißt Marina Samardžić und ist obendrein von erfrischender Freundlichkeit.
Irgendwann sind alle Gäste pappsatt und die meisten haben sich heimgetrollt. Zeit für uns, Francesco Nastri, den Koch und Wirt, an unseren Tisch zu bitten. Der grundgütige Mann gesellt sich mit einer samtweichen Grappa an unseren Tisch und plaudert mit uns über alles, was wir wissen wollen. Über sein Ristorante (“Ist seit 36 Jahren im Familienbesitz. Ich bin seit 21 Jahren dabei.”), über Neapel (“Meine Heimatstadt.”) und Herrn Rach (“Netter Mann, hat mir seine Kochjacke geschenkt.”) Am Ende wird uns klar: Was Francesco Nastri fehlt, ist im Sommer eine lauschige Außengastronomie. Aber er und seine Speisen, die sollen bitte so bleiben wie sie sind.
—> Trattoria Ristorante da Franco, Niederwall 37, 33602 Bielefeld






