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42 Beiträge mit Schlagwort 'Bratkartoffeln'

Das Herz von Ubbedissen

Lebt hier in 13. Generation: Wirt Gustav Frormann vor seinem Stammbaum

Lebt hier in 13. Generation: Wirt Gustav Frormann vor seinem Stammbaum

Sehr weit nach Osten führt uns die Detmolder Straße. Kurz vor der lippischen Staatsgrenze erreichen wir Ubbedissen. Hier leben gut 6.000 Menschen, die auf nichts verzichten müssen: Sportverein, Kirche, Friedhof – alles da. Und die Gastätte Frormann ist das Dorfzentrum. Genau hier kehren wir ein und werden von beherztem Gesang empfangen: “Freude, schöner Götterfunken!” Voller Inbrunst übt hier ein gemischter Chor mit dem traditionsreichen Namen “Liedertafel 03 Ubbedissen”. Nach erfolgreicher Gesangsübung versammeln sich die Durstigen unter den Aktivisten in der Gaststube und prosten uns fröhlich zu. Sehr gastfreundlich, dieses Ubbedissen!

Unseren Beschluss, dass heute Schnitzeltag sein soll, leitet Wirt Gustav Frormann mit einem lieben Vorsüppchen ein. Dergestalt gut eingestimmt fallen wir anschließend über die üppigen Schnitzelvarianten mit Leckerbeilagen her. Dazu gibt es köstliche Bratkartoffeln. Wirtin Renate Frormann hat solide Arbeit geleistet. Nach vollbrachter Sättigung überredet uns Wirt Gustav Frormann zu einem Kräuterlikörchen: “Alter Dessauer” aus dem Kreis Gütersloh – ein feiner Tropfen, an dem man sich prima festtrinken kann.

Ein Jubiläumsgeschenk der Herforder Brauerei berichtet von der langen Geschichte des Hauses. Kein Wunder, dass hier sogar mal ein Pferd vor der Theke gestanden hat, schwört jedenfalls Gustav Frormann. Er ist hier Wirt in fünfter Generation und lebt in 13. Generation auf diesem Grund und Boden. Noch immer hat sein Haus viel Zuspruch, doch früher, so weiß er zu berichten, war deutlich mehr los. Da fand im Gasthaus nach jedem Fußballspiel die dritte Halbzeit des heimschen Vereins statt. Ein alter Trinkspruch an der Wand lässt ahnen, was darunter zu verstehen ist. Freundlich führen uns die Eheleute Frormann durch’s Haus. Die hintere Gaststube ist modern renoviert und der geräumige Biergarten ist zugleich Renate Frormanns Kräutergarten: z.B. Zitronenmelisse wächst hier. Obwohl sie hier viel Arbeit hat, pflegt sie noch ein Hobby – Marmelade kochen. Zum Abschied schenkt uns Gustav Frormann eine etwa 30 Jahre alte Ansichtskarte. Super, die bekommt einen Sonderplatz in unserer Sammlung gastronomischer Ansichtskarten.

—> Gastätte Frormann, Detmolder Straße 687, 33699 Bielefeld-Ubbedissen

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Brennpunkt Klosterplatz (2)

Bielefelder Wohltäter: Wirt und Koch Patrik Mowwe (rechts) und Chefzapfer Guido

Bielefelder Wohltäter: Wirt und Koch Patrik Mowwe (rechts) und Chefzapfer Guido

Nach erfolgreichem Tagwerk queren wir den Klosterplatz. Stumm macht sich ein bräsiger Abend auf dem beschaulichen Flecken breit. Die einzigen Geräusche, die man hier hören kann, stammen von den Gebrüdern Fleischhunger und Pilsdurst, denn sie rumoren seit einiger Zeit in uns. Da trifft es sich gut, dass wir das Lächeln einer Gaststube entdecken. Irishrock heißt die Oase für Abendwanderer. Uns empfängt ein geräumiger Hafen mit zwei Etagen. Junges Volk sitzt an den Tischen und futtert begeistert großformatige Speisen in sich rein. Andere stehen am Tresen und beplauderen sich engagiert.

Mit flotter Hand liefert uns Chefserviererin Verena liebe Biere, so dass der Abend unser Freund wird. Alsdann erklären wir den Abend zum Schnitzelabend. Das Irishrock, so erfahren wir interessiert, lässt sich Schnitzelfleisch von der Landfleischerei Beermann in Bad Laer liefern. Das will möglichst umfangreich überprüft werden. Ein wienerisches Schnitzel lächelt uns an, und wir lächeln lüstern zurück. Die Pommes sind XXL, was die Schnitzel auf den ersten Blick harmloser erscheinen lässt, als sie tatsächlich sind. Das Schnitzel Westfalen besteht ebenfalls die Geschmacksprobe und korrespondiert bestens sowhl mit Bratkartoffeln als auch mit Leckerpommes. Ebenfalls gute Laune verbreitet das Schnitzel Holstein, so dass wir uns schließlich zufrieden zurücklehnen, um auf Schnapsbringer Guido zu warten, der uns einen karamellisierten Wodkatropfen reicht. Dieser wohlgeratene Tropfen, so erfahren wir von Wirt und Koch Patrik Mowwe, ist ein hausgemachtes Getränk, das in langwierigen Selbstversuchen entwickelt wurde.

Neben allerlei Live-Musikveranstaltungen, von denen Patrik Mowwe mit leuchtenden Augen berichtet, soll es hier donnerstags zu Karaoke-Exzessen kommen. Interessant. Sowas hatten wir noch nicht. Vielleicht schleusen wir uns dort mal unangemeldet ein? Bis dahin können wir aber festhalten: Patrik Mowwe, den wir natürlich aus dem alten Rock Café kennen, und sein Ko-Wirt Dave Doherty, den wir natürlich aus dem alten Rathaus-Irishpub kennen, haben hier eine 1a Gaststube etabliert. Sie ist bestens dafür geeignet, der alten Problemzone Klosterplatz zu mehr Blutdruck und Herzklopfen zu verhelfen. Dazu wünschen wir ganz viel Glück.

—> Irishrock, Klosterplatz 9, 33602 Bielefeld

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Futtern an historischer Stätte

Sympathische Brenner-Kohorte: Irina Hemsen, Marcel Becker, Ronahi

Sympathische Brenner-Kohorte: Irina Hemsen, Marcel Becker, Ronahi Mutlu, Frank Kroll

Gern tauchen wir in die Geschichte der Bielefelder Gastronomie ein, daher bewundern wir mit Stauneaugen den gepflegten 1980er-Saal des Brenner Hotels. Passende Musik von Benny Hill oder Ricky King erfüllt den Raum, entzückender Raumschmuck flankiert unseren Tisch und wir beschließen begeistert, die Wirtsleute um eine Hausführung zu bitten – allerdings erst nach vollzogener Sättigung. Denn merke: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Bevor wir das Buffet mit einem kleinen Salatteller eröffnen, notieren wir dankbar, was es bedeutet, von Profiwirtsleuten betreut zu werden. Sowas trifft man für gewöhnlich nur in kleinen, rein familiär geführten Futterkrippen. Doch nun ans Werk. Wir stellen Buffet-Teller Numero 1 zusammen, der sogleich mit Buffet-Teller Numero 2 konkurrieren muss, um aus der Flanke von Buffet-Teller Numero 3 hart angegangen zu werden. Am Ende erhalten sie aber eine Siegermedaille. Dann geht’s à la carte weiter. Als äußerst schmackhaft und bekömmlich umgarnt uns der Grünkohl mit Doppelwurst. und das schöne Schnitzel wird von schönen Bratkartoffeln und einem schönen Spiegelei sekundiert. Als wir uns schließlich zum Nachtisch durchgearbeitet haben, sind wir satt, glatt und rund.

Als Wiederbelebungsmaßnahme lassen wir uns ein prima Abschlussschnäpschen zuführen, um hernach Irina Hemsen und Frank Kroll um eine Hausführung anzubetteln. Unser Wunsch wird erfüllt und in den Brenner Kellergewölben sehen wir variantenreichen Wandschmuck wie ein stolzes Tier oder langläufige Waffen. In Vitrinen werden historische Schätze bewahrt, die Devotionalien eines Gesangsvereins hergezeigt oder einem echten Schützenadler – zerschossen und zerzaust – Unterkunft geboten. Als wir annehmen, dass die ausgedehnten Wanddekorationen kein Ende mehr nehmen wollen, stehen wir vor einer der drei Doppel-Bundeskegelbahnen des Hauses und beschließen: Hier müssen wir noch einmal hin, zum Kegeln. Denn eine ruhige Kugel zu schieben, das war doch immer schon unsere Sache.

—> Brenner Hotel, Otto-Brenner-Straße 135, 33607 Bielefeld

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Im Grenzgebiet nach Lippe

Wirtin Rita Smart (Mitte) mit Chefkellnerin Jenny und Stammgast Franzisco

Wirtin Rita Smart (Mitte) mit Chefkellnerin Jenny und Stammgast Franzisco

Wo Bielefeld im Osten ans Lipperland stößt, im Niemandsland zwischen den Kulturen, da finden wir den Meerkotten. Seine gemütliche Gaststube bietet Platz für viele hungrige Gäste, und jeden zweiten Donnerstag im Monat, so erfahren wir erstaunt, ist hier sogar Hundestammtisch. Die Grenznähe zu Lippe demonstriert eine Vier-Wappen-Wand, sie zeigt die Wappen von Preußen und Lippe, aber auch die von Frischluft und Weltzeit. Wir beziehen einen rustikalen Tisch mit gemütlichen Sitzgelegenheiten und lassen uns anfüttern. Als Starter gibt’s Thunfischsalat sowie delikate Fish and Chips. Alsdann bewundern wir das Bauernfrühstück à la Meerkotten, um uns schließlich einem schönen Schnitzelsortiment zu widmen. Mit Freuden verfuttern wir das Zwiebel-Schnitzel und das Puszta-Schnitzel sowie das Schnitzel mit Spiegelei und stöhnen dabei lustvoll auf. Auch die Bratkartoffeln sind sehr zu loben. Dazu wird Salat gereicht, der allerdings so lecker ist, dass er den Fototermin nicht erlebt.

Nach dem Essen wird uns die agile Wirtin Rita Smart noch sympathischer, denn sie stellt das Getränkesortiment des Hauses vor. Ein Branntwein lächelt lieblicher als der andere, so dass wir uns kurzerhand entschließen, alle zu genießen. Selbstverständlich unterziehen wir dem Branntwein einer Feuerprobe – und er besteht sie mit Bestnote. Dann lassen wir uns von Rita Smart durch den Kotten führen. Das historische Haus (errichtet 1755) verfügt über einen veritablen Lesesaal sowie gemütliche Nebenräume unterschiedlicher Größe. Rita Smart hat die Renovierung des Hauses mit eigener und Freundeskraft geleistet und dabei Hinterlassenschaften von Menschen gefunden, die einst hier gelebt haben. Einige dieser Fundstücke kann man in einer historischen Vitrine bewundern. Zu später Nachtstunde sagen wir dem Meerkotten Lebewohl und danken für die vorzügliche Gastfreundschaft am Rande des Bielefelder Universums.

—> Meerkotten, Bechterdisser Straße 147, 33699 Bielefeld

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Im Haus der Pfarrwitwen

Mit dem Wundertrunk Nordfeuer: Die Wirtsleute Flo und Herbert

Mit dem Wundertrunk Nordfeuer: Die Wirtsleute Flo und Herbert

In mildem Dunkel und fast farbenfroh präsentiert sich heute der Abend in Schildesche. Stumm führt uns eine Gasse zu einem Haus, das 1709 erbaut wurde. Einst sollen hier Pfarrwitwen und Holzschuhmacher gewohnt haben und einer davon, Johann-Dietrich Flachmann, besorgte sich 1857 eine Schankerlaubnis für dieses schöne Haus. Erbsenkrug nannte er seine Gaststube, und noch heute führen die Wirtsleute Flo und Herbert das Gasthaus unter diesem Namen. Auch bei den Innereien des Erbsenkrugs ist vieles beim Alten geblieben. In schönen Sitznischen entdecken wir zufriedene Gäste. Kein Wunder, denn Wirt Herbert Groß ist als Zapfer zweifellos ein Naturtalent.

Für die feste Nahrung ist Köchin Flo zuständig. Sie füttert uns mit zwei Süppchen an, mit einer Zwiebelsuppe und mit einer Huhnsuppe. Die tun gut und machen Lust auf gute Sülze und fröhlichen Wurstebrei. Auch Sonderwünsche werden perfekt erfüllt, wie das Spiegelei extra zur Sülze. Gut gebraten und gut gewürzt sind die Scheinelendchen, sekundiert von einem akuraten Mischsalat. Als Geschenk der Götter erweist sich der Grühnkohl mit Würsten, bereichert mit schönen Salzkartoffeln. Und irgendwie gab es auch noch astreine Bratkartoffeln, die wir aber vor lauter Verfressenheit vergessen haben, fotografisch zu bannen.

Nach dem Essen verwöhnt uns Köchin Floh weiter – mit wunderbarem Nordfeuer aus Lippetal-Hultrop. Der räumt den Magen auf und lässt uns den ganzen Abend nicht mehr los. Parallel müssen wir uns einer italienischen Flüssigkeit explorativ widmen, eine Prugna dolce wird im Holzschuh serviert und findet ebenfalls unser Gefallen. Der Erbsenkrug sei, so erklären uns Flo und Herbert lange nach Mitternacht, das älteste Gasthaus Bielefelds. Bei der Qualität – kein Wunder!

—> Erbsenkrug, Johannisstraße 11, 33611 Bielefeld

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