10 Beiträge mit Schlagwort 'Brathahn'
Das gastronomische Herz der Schlosshofstraße

Blümchen auf der Vitrine: Imbiss-Dame Kornelia Büscher und Stammgast Antje Maschmann
Am 1. November wird Friteusen-Fee Kornelia Büscher den achten Geburtstag ihrer schnuckeligen Imbiss-Stube feiern. Wir sind heute dort eingekehrt, um noch rechtzeitig vor dem Jubeltag nach dem Rechten zu schauen. Schon an der Tür geht’s hübsch umsichtig los: Ein unübersehbarer Hinweis mahnt den Verzehr von lecker Hähnchen an. Und in der Gaststube wird der Schlosshof-Hahn sogar zum eindringlichen Angebot für Ihre Feier. Sowas muss man natürlich ernst nehmen, daher lassen wir uns einen halben Hahn servieren (heute leider ohne unser unbestechliches Fotodokument). Darüber hinaus folgen wir der bekannten Weisheit von Professor Binsen „Wer die Currywurst nicht ehrt, ist der Spezialwurst nicht wert”. Jaha, wir sind im Leckerhaus! Dazu empfehlen wir heute als Primär-Zischer ein stark gekühltes Vita-Malz (beugt latentem Kalorienmangel vor) und danach ein, zwei oder gar drei abendliche Pilskannen aus dem Hause Schlosshof-Imbiss. So wird das Abendmahl rund.
Während wir dergestalt wollüstig schlemmen und nuckeln, ist Stammgast Antje Maschmann eingetroffen. Daheim hat sie ihr Fleischgericht schon fertig zubereitet, aber auf die guten Büscher-Pommes will sie nicht verzichten. Also lässt sie sich eine herzliche Familienportion einpacken und trägt sie frohgemut nach Hause.
Ganz lieb: Am Ende schenkt Kornelia Büscher jedem von uns einen süßen Nachtisch, versehen mit dem Kommentar, dass sie leider keinen Schnaps im Kühlschrank habe. Aber wer braucht Schnaps, wenn er einen bunten Lutscher hat?
Im Rahmen unserer technischen Inspektion stellen wir fest: Die gepflegte Damentoilette überrascht mit erstaunlichen Hinweisen und der hauseigene Parkplatz offeriert ausreichend Fläche. Insgesamt dürfen wir resümieren, dass Kornelia Büscher mit ihrer ausgezeichneten Versorgungseinrichtung das gastronomische Herz der mittleren Schlosshofstraße darstellt. „Alles Gute zum achten Geburtstag!“ rufen wir ihr gern zu.
—> Schlosshof-Imbiss-Stube, Schlosshofstraße 73, 33615 Bielefeld
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Alexa heißt jetzt „ess“ GRILL HENDL

Dies Foto hat nix mit dem Text zu tun, sondern zeigt eine echte Bielefelder Impression.
Unser Fotoapparat ist in der Werkstatt, daher greifen wir auf Archivbestände zurück.
Wir kennen alle den Alexa-Grill, die ambulante Brathahnbrutzelstube also, die seit ewigen Zeiten vor dem real-Markt an der Teutoburger Straße residierte. Alexa-Grill war stadtbekannt für seine olfaktorische Lustpeitsche, die den nördlichen Teil des real-Parkplatzes erfolgreich dominierte und auch uns gelegentlich gefügig machte. Und nun ist Alexa weg. Nach Jahren und Jahrzehnten einfach weg. Wir durften allerdings sogleich feststellen, dass Alexas Nachfolger den Brutzelbetrieb schon aufgenommen hat. Von Versorgungsengpass kann also keine Rede sein. Doch als wir uns zur ersten Brathahnverköstigung begeben, entdecken wir den Werbeslogan des Neugrills: „Frisch ist doch besser!“ Und nun fragen wir uns besorgt: Was weiß der Neue über Alexa, was wir nicht wissen?
—> „ess“ GRILL HENDL, Teutoburger Straße 98, 33607 Bielefeld
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Die drei Damen vom Generotzki-Grill

Von diesem vorbildlichen Betriebsklima träumen Millionen:
Conny und Barbara mit ihrer Chefin Gudula Wenzel, geb. Generotzki
Die appetitfördernste TV-Serie der Welt war natürlich “Drei Damen vom Grill”. Damit verschafften uns Brigitte Mira, Brigitte Grothum und Gabriele Schramm viele unvergessene Fernsehstunden mit würzigem Imbissbudenambiente. Noch heute schwärmt jede After-Grimmepreis-Party davon. Völlig vergessen ist hingegen, dass die weiblichen TV-Figuren nach original Bielefelder Vorbildern geschaffen wurden – nach der Belegschaft unseres heimischen Generotzki-Grills!
So jedenfalls glauben wir uns sogleich zu erinnern, als wir in der kleinen Imbissstation an der Herforder Straße zu Gast sein dürfen. Fensterfronten umwickeln geschickt dies Kleinod traditioneller Gockelzurichtung. Und am Tresen dann drei Frauen, die wissen, wie die Welt tickt und vor allem wie man zack-zack-zügig das zusammenstellt, was sich König Gast heut’ am liebsten wünscht. “Einmal Halber mit große Pommes rotweiß!” erschallt auch schon die schnörkellose Abholaufforderung. Und König Gast greift lüstern zu, zahlt seinen Taler und trägt die schmackhaft dünstende Speise im blickdichten Plastiktütchen zum familiären Kleinwagen.
Merkwürdig: Die zu dieser Abendstunde in großer Zahl eintreffenden Gäste tragen unisono ernste Gesichtszüge zur sommerlichen Streetwear. Sorgenschwer wirkt die Gastseele, wenn der Blick über die Generotzki-Warteschlage und dann über die Generotzki-Speisetafel gleitet. Was sind die Gründe für das ernste Starren? Wir befragen unseren Flaneur-Psychologen, und der weiß Rat.
Das Betreten einer Imbissstube, analysiert der kluge Kollege fundiert, wecke zwangsläufig Archaisches in uns. Vor der Grillpforte noch Einwohner des 21. Jahrhunderts, mutiere der Gast hinter der Pforte sogleich zum Neadertaler, der die Höhle der Sippe betrete und großen Hunger mit sich führe. Zwar sehe er das Feuer mit dem garenden Mamutfleisch, doziert der Herr Psychologe weiter, aber dann erblicke er auch die vielen anderen Höhlenbewohner, die ebenso wie er Anspruch auf ein Mamutkotelett erheben – und schon wuchere seine Sorge, er könne heute leer ausgehen. Unter diesen herben Bedingungen habe sich übrigens, wechselt der Psychomann noch kurz ins Germanistische, schon zu Urzeiten das heute noch viel gelobte Imbissdeutsch entwickelt. Markenzeichen: Floskelfrei auf das Wesentlich reduziert und für jedermann, den Hunger plagt, verständlich: “Einmal Rotweiß und einmal Curry ohne.”
Und nun sind auch unsere Brattiere gabelfertig. Reinstechen, Fetzen abzerren, zum Mund hebeln und Kauvorgang starten. Ah, endlich lecker! Auch Schnitzel, die nicht auf den Teller passen, lassen wir uns zuführen. Doch, doch, fein satt wird man bei Generotzki. Und staunt dabei nicht schlecht über die kernige und ehrliche Fröhlichkeit der Grillköniginnen im weißen Kittel. Ein Betriebsklima de luxe ist hier sicht- und hörbar, woran auch die Chefin ganz offenbar nicht unbeteiligt ist. Immerhin ist Gudula Wenzel eine geborene Generotzki. Sie hat also einen alten Bielefelder Grilladel weiterzutragen; das verpflichtet.
—> Imbiss-Stube Generotzki, Herforder Straße 166, 33609 Bielefeld
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Helmut macht ganz Quelle satt

Hat gut lachen und um 20 Uhr endlich Feierabend:
Helmut im roten Queller Knusperhäuschen
Wir steuern Quelle an; womit unsere Abenteuerlust hinreichend angedeutet ist. Ein erstaunlich umfangreiches Straßenknäuel bildet – wenn man aus Bielefeld-Kernstadt anreist – das Entrée dieser weitläufigen Ansiedlung. Wir rollen mutig von der pompösen Asphaltkreuzung geradeaus weiter und entdecken linker Hand ein hölzernes Kleingebäude in kirschrot, das sich als Grill-Imbiss tituliert. Rechts und links davon locken Parkplätze unser Automobil zur Rast, also nix wie stop. Unser Abendhunger hat einen Wohltäter gefunden.
Höflich betreten wir das Holzhäuschen und staunen nicht schlecht: Innen ist es viel größer als außen! Zwei Eckbänke und ihre Tische bieten viel Platz zum stationären Verzehr, doch mindestens die Hälfte der Einwohner von Quelle will hier nicht sitzen, sondern steht geduldig Schlange, um sich ambulant mit Schnellfoodprodukten versorgen zu lassen. Beim Wirt-Gast-Kontakt wird kein rudimentäres Imbissdeutsch praktiziert, sondern Helmut, der Fürst der Friteuse, hat für jeden seiner Gäste einen fröhlichen Satz parat. Ob es um’s Erstaunen über Helmuts flinkes Zubereiten geht (“Wenn ihr noch keinen Hunger habt, kann ich die Schnitzel ja ‘ne Weile warm halten.”) oder ob es um den großen Themperaturunterschied geht, der Quelle und Berlin derzeit unterscheidet (“Das liegt am Wetter!”) - Helmut hält für jeden Gast ein passendes Bonmot bereit. Ganz Quelle weiß das zu schätzen, denn die Menschenkette der Nahrungssucher sprengt inzwischen die Maße der kleinen Behausung, und Helmut hat derbe was zu tun. Doch um 19:45 Uhr ist wie auf ein geheimes Queller Abkommen hin urplötzlich Schluss damit. Nun haben sich alle mit Schnitzel, Currywurst oder Brathahn in ihre Queller Musterwohnungen zurückgezogen und zerkauen lustvoll am heimischen Tisch, was Helmut ihnen gebrutzelt hat.
Seit 1970 residiert Quelles Helmut in diesem selbst errichteten Gebäude, erklärt er uns trotz Feierabend gern und freundlich. Auch berichtet der gelernte Koch schmunzelnd, wie er als Lehrling die Löcher seiner durchgelaufenen Schuhe mit Bierdeckeln geflickt habe. Trotzdem habe ihm nix gefehlt, lacht er und wir glauben es sofort. 1989 sei er erstmals durch Tibet gereist, das sei klasse gewesen. Davon zeugen zahlreiche Bilder und Fotos, mit denen Helmut die kleinen Wände seiner Grillstube komplett durchdekoriert hat. Deko sind im Grunde auch seine Nahrungsbeschreibungen: “Currywurst ‘Spezial’ – echt lecker”, “Unser Renner: Jägerschnitzel – sehr gustiös”, “Fleisch am Stiel – in pikanter Sauce” rufen bunte Schilder von den hölzernen Wänden.
Später treffen wir Henner und der entpuppt sich als Kenner, und zwar von Helmuts frühen Imbissjahren. Nicht ohne Grund, denn Henners juveniles Wachstum war in den 70ern vor allem auf eine konsequente und regelmäßige Bei-Helmut-Ernährung zurückzuführen. “Helmuts Pommes galten damals als die besten in ganz Bielefeld!” schwärmt der sportliche Mann noch heute, um dann beim nostalgischen Bericht über die Currywurst von 1979 völlig ins Träumen zu geraten. Auch munkelt Freund Henner kenntnisreich, dass unser Grill-Helmut Fallschirmspringer sei sowie Alpinist. Womit ja wohl endgültig bewiesen ist, dass 37 Jahre Queller Grillinstitution einem Original zu verdanken sind. Hoffentlich bleibt das den Queller Hungermäulern noch lang erhalten.
—> Grill-Imbiss Bei Helmut, Carl-Severing-Straße 63a, 33649 Bielefeld
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Wo der Brackweder Hahn veredelt wird

Ali Josef Fouad führt das Lebenswerk des Vaters mit Erfolg weiter
Heute sind wir mit einer Dame verabredet. Sie heißt Rosmarin und überlässt der Welt in ihrem erstaunlichen Weblog bezaubernde Sätze wie diesen: “ich habe melvin gezwungen, den maybach für heute gegen einen wüstentauglichen jeep einzutauschen.” Doch damit nicht genug. Diese nette Dame hatte uns stilsicher einen knusprigen Gastrotipp überreicht: “by the way… das absolut beste grillhuhn gibt es in brackwede in der hauptstraße…” Wer könnte das missachten! Wir jedenfalls nicht, und daher sind wir nun – erfüllt von prickelnder Vorfreude – auf dem Weg nach Brackwede. Sicher und bequem trägt uns unser kleiner Automobil Richtung Süd-Südost, bis wir die Brackweder Hauptstraße erreicht haben. Nun fahnden unsere Blicke nach einem schrillgelben Signalschild. Und da ist es ja: Ein schwarzer Hahn auf gelbem Grund lädt keck zur Abendspeisung ein. Wir sind am Ziel.
Wir lassen uns draußen nieder, um das Getümmel auf Brackwedes Hauptverkehrsaorta dauerhaft und erstaunt in Augenschein nehmen zu können. Und nun kommt auch schon Frau Rosmarin und bereichert unseren Herrenclub. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich gottseidank aktuell ein kleines Sperrmülldepot, dort holen wir flink für unseren Gast einen Sonderstuhl, denn wir sind heute in voller Mannschaftstärke angereist, da kann die Alltags-Bestuhlung der Grillstube nicht mehr mithalten. Oh Schreck: Frau Rosmarin hat íhren lieben Hund nicht mitgebracht – wer soll denn nun am Ende all die Knochen essen! Aber vor die Knochen haben die Götter das Fleisch gesetzt. Also gilt es, tapfer die dampfheißen Tierhälften zu zerlegen und zu verschlucken. Was uns Servierer Bernhard Deimel – 2001 war er Kellner des Jahres! – mit feiner Aufmerksamkeit & gekonnter Routine serviert hat, sind jedoch keine schnöden Brathähne, sondern (O-Ton:) Masthähnchen. Format, Kauvergnügen und Aroma lassen uns die Bezeichnung ernst nehmen; hier streckt uns Qualitätsware selbstbewusst das feine Schenkelchen entgegen.
Gestern noch berichtete Freund Nico, dass es Mitte der 1960er Jahre zu den großen Freuden seiner frühen Kindheit zählte, alle 14 Tage freitags im kompletten Familenverbund mit dem Kleinwagen von Sennestadt nach Brackwede zu reisen, um im Hähnchen-Grill-Restaurant für jedes Familienmitglied einen halben Hahn zu erwerben. Die braven Tiere wurden jedoch nicht vorort vernascht, sondern zügig nach Sennestadt transportiert und dort alsbald im Kreis der glücklichen Familie als quasi rituelles Abendmahl genossen. Ja, bestätigt uns Wirt Ali Josef Fouad die Geschichte, denn er führe seinen duftenden Laden in der nunmehr zweiten Generation. Vater Fouad hatte schon in den 1950ern damit begonnen, Federvieh zu brutzeln. Ein Onkel, der damals als passionierter Geflügelzerleger tätig war, fungierte dabei als innerfamiliärer Ideenspender. Und so wurden daraus inzwischen 50 Jahre Brathahnverköstigung mit Familientradition. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
—> Hähnchen-Grill-Restaurant, Hauptstraße 86, 33647 Bielefeld

