11 Beiträge mit Schlagwort 'Brathahn'
Zu Besuch im Leckerland
Seit ewigen Zeiten ruht eine kleine Traditionsfutterkrippe an der Heeper Straße. Treu und zuverlässig versorgt Die Grill-Stube ihre Nachbarschaft mit Leckereien. Kein Wunder also, dass die Stammgäste voll des Lobes sind über ihre liebe Grillwirtin Christa Bartsch. Fast täglich lassen sich hier Peter und Helmut ein schönes Abendmahl auftischen. Aber auch Thomas Kaiser, Wirt der verflossenen Trinkstube Zum Wilden Mann, geht es hier sichtlich gut. Mit Sympathie notieren wir, dass in der Grill-Stube einer der letzten Sparvereine aktiv ist und beobachten den Vorstand bei der wöchentlichen Zählung der Taler.
Aber nun wird uns aufgetischt. Currywurst spezial mit Pommes und Salbe sehen sexy aus und schmecken auch so. Gut im Volumen und bestens in der Würze ist außerdem das Zigeunerschnitzel. Köstlich sind obendrein die Tagesgerichte – natürlich hausgemacht von Christa Bartsch persönlich. Heute heißt das Tagesgericht Kohlrabi mit Bratwurst und Kartoffelpüree. Urteil: Gelungen! Und nun Obacht, verehrte Leser: Wer in der Grill-Stube einkehrt, darf auf keinen Fall den schönen Brathahn mit Brötchen verpassen.
Nach dieser klugen Regel handelt auch Erika Mustermann. Wir beobachten die nette Dame beim Erwerb eines braven Grilltieres, das sie sich als Abendspeise für daheim mitnehmen möchte. Spontan verraten wir ihr unsere Mobiltelefonnummer und bitten sie, uns nach dem Vollzug des Abendmahls eine kleine Bewertung per Kurznachricht zu senden. Und tatsächlich – noch während wir in froher Runde in der Grill-Stube sitzen, sendet uns Erika Mustermann den gewünschten SMS-Kommentar: “Fleisch: zart, Haut: knusprig, wenig Fett und gut gewürzt” sowie als Beweis der erfolgreichen Mahlzeit ein bezauberndes Foto von den Knochenresten ihres Brathahns. Auf ein solch schönes Urteil stoßen wir gern mit Branntwein aus Lemgo an und rufen: “Ein Prosit unserer vorbildlichen Köchin Christa Bartsch!”
—> Die Grill-Stube, Heeper Straße 212, 33607 Bielefeld
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Unsere Imbissengel Lisa & Lisa
Ab sofort kümmern wir uns um den Nachwuchs: Flanieren als Lehrstelle – der Traum eines jeden jungen Burschen von Format. Nach ausführlichem Bewerbungsverfahren haben wir uns für Flaneur-Lehrling Leonard entschieden. Seine Ausbildung starten wir mit einem Besuch im Imbiss Fritz und sogleich ist unser Stift mit großer Freude bei der Sache. Flaneur-Lehrling Leonard serviert uns nicht nur auftragsgewmäß die Speisen, sondern beweist auch als Bierbeibringer echtes Naturtalent.
Hinter der Theke haben die hochsympathischen Imbissengel Lisa & Lisa derweil ernorm viel zu tun. Es ist ein ständiges Kommen (graue Gesichter) und Gehen (frohe Gesichter). Kein Wunder, dass Imbiss Fritz so stark heimgesucht wird, denn wohin man schaut, erblickt man solide Ware. Zum Beispiel Currywurst und Pommes mit der extra satten Portion Mayo (die Mayo wird, so verraten uns Lisa & Lisa, von der Chefin in Heimarbeit veredelt). Außerdem gibt es hier, zur großen Freude unseres lieben Stahlbarons, hausgemachte Frikadellen. Mit Applaus honorieren wir die Tatsache, dass Imbiss Fritz den guten alten Brathahn in Ehren hält. Ausdrücklich weisen wir Sie, verehrte Leser, auf die Tatsache hin, dass alle 15 Fritz-Salate hausgemacht sind. Von der Chefin persönlich. Nach alten überlieferten Fritz-Rezepturen. Wenn man, wie wir es sind, besonders lieb ist, geben Lisa & Lisa Probeprotionen aus, damit man sich von der Köstlichkeit aller Salate überzeugen kann.
Klar ist, dass wir noch einmal wiederkommen müssen, allein schon, um die arg verlockend angepriesenen Zigeunerschnitzel zu erleben. Unser vorbildlicher Flaneur-Lehrling räumt nun die Tische ab und bekommt als Lohn ein Tütchen Capri-Sonne extra. Dann fahren wir heim, um die Abendruhe zu genießen. Nur Lehrling Leonard hat noch zu tun, er muss das Berichtsheft führen. Und das kann dauern, denn viel hat er heute von uns gelernt.
—> Imbiss Fritz, Sudbrackstraße 98, 33611 Bielefeld
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Nur für kurze Zeit: Geschenkt!
Weil Bielefeld gequengelt hat (“Kann man eure schönen Brathahnaufkleber irgendwo kaufen?“), erbarmte sich ein großzügiger Sponsor und stellte uns 100 Exemplare gratis zur Verfügung. Wer uns bei den Streifzügen durch die Bielefelder Gastronomie antrifft, dem schenken wir gern einen Aufkleber. Alle anderen senden einen an sich selbst adressierten und akurat frankierten Rückumschlag an unsere Postadresse, dann gibt es GRATIS einen Aufkleber – aus Plastik, in Farbe und rund vorgestanzt. Gut? Also schnell einen Brief an:
Bielefelder Flaneure c/o Grill-Pizzeria Olympia, Detmolder Straße 51, 33607 Bielefeld
Aber Obacht: Wir melden genau hier, wenn der Bestand aufgebraucht ist.
Wer danach einen Umschlag sendet, hat Pech gehabt.
—> Achtung, Achtung, eine Durchsage: Die Aufkleber sind alle verteilt.
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Chicken Nuggets als Brückentechnologie
Neuerungen im Nahrungsmittelsektor werden oftmals von langer Hand vorbereitet, doch das bedeutet nicht, dass sie immer Erfolg haben. So floppte die Einführung des Biosprits E10, weil den Leuten natürlich klar ist, dass Alkohol nicht in den Tank gehört, sondern in den Fahrer. Deutlich erfolgreicher operierten Schnellfutterketten aus Übersee.
Betrachten wir hierzu das Beispiel der beliebten Industrieware “Chicken Nuggets”, also Huhn-Goldklumpen. Schon die Namensgebung gibt Anlass zu Skepsis, denn hier sollen Formfleischbrocken in kulinarisch sinnlos überhöhtem Panadeanpanzeranteil offenbar schöngeredet werden. Ein Tölpel, wer sie dem “vollständigen Tier” (Jake Blues), also dem lieben Brathahn, vorzöge. Selbstredend wohnt dem kompletten Tier ein deutlich kundenfreundlicheres Preis-Fleisch-Verhältnis inne, was die große Schar der Paniermehl-Freunde aber nicht davon abhält, die Brocken kontinuierlich nachzufragen. Inzwischen gart jede Autobahnraststätte die simulierten Goldklumpen im siedenden Fett, und im Sauerland haben sie sogar, wie wir an einem heiligen Ostermontag feststellen durften, den Kultstatus einer offiziellen Osterspeise erreicht.
Wir gehen davon aus, dass dieses Zeug nichts weiter als eine subtile Brücktechnologie hin zum Vegetarismus ist. Jedenfalls lassen Erkenntnisse der Stiftung Warentest keinen anderen Schluss zu: Die frisch servierten Brocken bestehen zu 45% aus Maispanade und zu 28% aus Fett. Die paar Prozente Restfleisch könnte man also auch noch locker runterfahren. Seltsame Welt, der sowas gefällt.
In diesem Sinne: Mahlzeit!
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Vom Sterben der Speisen
Sorglos scherzte man bis tief in die 1980er Jahre hinein, der Deutschen liebstes Haustier sei das halbe Hähnchen. Das galt natürlich auch für Bielefeld. Mit dem Kosenamen Gummiadler wurde der Brathahn verehrt, was ahnen lässt, wie groß die Liebe zu dem nahrhaften Imbisstier gewesen sein muss. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass der schmackhafte Grillvogel einmal die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Imbissgerichte anführen würde. Doch heute fristet er ein Nieschendasein in den letzten tapferen Enklaven alter Hähnchengrillkunst.
Noch düsterer sieht es für das Schaschlik aus. Ein Exot, wer auf Anhieb zwei Bielefelder Schaschlik-Quellen nennen kann. Und erinnert sich noch jemand, wie eine Ochsenschwanzsuppe schmeckt? In aller Stille wurde sie von der Gulaschsuppe verdrängt, und inzwischen muss auch diese ernsthaft um ihre Existenz fürchten. Selbst “die gute alte Currywurst” (Rolf Grotegut) hat in der letzten Dekade erheblich an Bielefelder Terrain verloren.
Aussterbende Speisen haben keine Lobby. Zum Glück, denn allen ist eine Zeitspanne beschieden, und wenn die abgelaufen ist, dann heißt es, Abschied nehmen. An ihre Stelle treten neue Gaumenereignisse, die uns mit den Jahren lieb und vertraut werden. So sind Döner, Gyros & Co. wesentliche Säulen unserer zivilisatorischen Sättigungsroutine geworden, ja “unsere guten Freunde” (Sauerland-Karl). Menschen mit offenem Geist und neugierigem Magen freuen sich schon jetzt auf kulinarische Innovationen, die uns die Zukunft servieren wird. Allerdings stellen wir nicht ohne gewisse Erleichterung fest, dass sich frittierte Taranteln und gefüllte Kakerlaken als Neuerung nicht so richtig durchsetzen können. Ist es der Preis (100 Taler pro Tier), der den Appetit ausbremst? Großes Vergnügen hätten wir hingegen an einer kleinen Retrowelle, sie könnte zum Beispiel die Wiedergeburt der Ochsenschwanzsuppe als coole In-Speise inszenieren. Da würde die Jugend staunen, wovon sich ihre Vorfahren einst voller Wonne ernährt haben. Ochsenschwanzsuppe, Schweinskopfsülze, Lungenhaschee – allein die Namen sind doch schon goldig, oder?
In diesem Sinne: Mahlzeit!






