6 Beiträge mit Schlagwort 'Branntwein'
Eine schöne Abendtränke mit Niveau
Offenbar hat sich die Trinkstube “Wall 3″ schon kurz nach ihrer Eröffnung zu einem Geheimtipp entwickelt. Jedenfalls haben uns verschiedene Genusstrinker unabhängig voneinander zu einem Besuch geraten. Und heute ist es endlich soweit. Wir betreten eine kleine Abendtränke mit eleganter Clubatmosphäre und angenehm temperierter Musik. Schon nach der ersten Getränkelieferung wissen wir Wirt Michael Gurschinskis väterliche Fürsorge zu schätzen – flottweg, aber freundlich und dabei völlig unaufdringlich erfüllt er uns jeden Wunsch. Aus seinem ausgewogenen Biersortiment entscheiden wir uns für Staropramen, denn immerhin ist es extra aus Prag für uns herbeigeschafft worden. Und außerdem sieht es ziemlich erotisch aus, in diesem eleganten Abendkleid.
Aber Michael Gurschinski hält auch eine wunderbare Batterie erfrischender Abendgetränke in Bereitschaft. Natürlich wollen wir sie alle haben! Doch leider müssen wir einsehen, dass die Zeit für einen Komplett-Test nicht ausreichen würde, zu umfangreich ist Michael Gurschinskis Œuvre. Frohgemut lassen wir uns also verschiedene Flüssigkeiten zuführen, doch dann stellt uns Michael Gurschinski die erstaunlichen Produkte aus dem Hause Cluesener vor die Nasen. Diese Brennerei wohnt bekanntlich in Hollen, also nördlich von Isselhorst, und ist berühmt für ihr seltenes Kunsthandwerk. Vorsichtig genießen wir die feinen Tropfen, bis wir spontan einen großen Lobgesang anstimmen. Und so rundet sich schon kurz nach Mitternacht unser unbestechliches Gesamturteil vollends ab: Kein Zweifel, “Wall 3″ ist eine schöne Abendtränke mit Niveau!
—> Wall 3, Oberntorwall 3, 33602 Bielefeld
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Test einer Bielefelder Innenstadtweisheit
“Die August-Bebel-Straße hat’s gut, sie hat das Buena Vista”, lautet eine vielgehörte Bielefelder Innenstadtweisheit. Heute wollen wir ihr auf den Grund gehen und kehren selbst im Buena Vista ein. Uns empfängt eine solide Trinkstube mit reichlich Gästen, die mit netten Getränken bei einer fröhlichen Plauderei sitzen. Besser geht’s nicht. Positiv stellen wir fest, dass hier zwei interessante Sorten Zapfpils angeboten werden: Veltins und Astra. Ausführlich testen wir beide Getränke und entscheiden uns schließlich dauerhaft für die Hamburger Flüssigkeit. Wir hören, das Buena Vista sei Bielefelds einzige Trinkstube, die gezapftes Astra anbietet. Das gibt Pluspunkte.
Nun erkundigen wir uns bei den Gästen, was sie zum Buena Vista sagen. Frau Tanja zeigt sich sehr zufrieden mit der breiten Getränkeauswahl. Die Freundinnen Bea und Anna loben die Wirtsleute, und Stammgast Polly findet es hier sehr gemütlich. “Super Kneipe! Bettina und Christian sind toll!” legt uns Herr Ulrich eine einleuchtende objektive Gesamteinschätzung dar. Nun begeben wir uns einen Raum weiter. Am Kicker, der den Gästen übrigens gratis zur Verfügung gestellt wird, tobt ein energischer sportlicher Wettkampf. Lobenswert: Im Kickerraum werden die Grundlagen der Zahnheilkunde per Wandaushang präsentiert. Nicht minder gefällt uns die Wandmalerei auf der Herrentoilette. Aber am besten gefällt uns, dass das Buena Vista 30 verschiedene Rumsorten im Angebot hat. Kennen Sie eine Bielefelder Gaststube, die dabei mithalten kann? Genau. In diesem Sinne: Prösterchen, Buena Vista!
P.S.: Als wir schließlich sturzzufrieden den Heimweg antreten wollen, stellen wir interessiert fest, dass es junge Männer gibt, die sich vor lauter Begeisterung für’s Buena Vista vor die Gaststubentür niederlegen. Eine schöne Geste.
—> Buena Vista, August-Bebel-Straße 207 (Ecke Luisenstraße), 33602 Bielefeld
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Freitag ist Jordantag
Eine der großen Bielefelder Traditionsgaststuben ist fraglos das Jordan. Diese schöne Bierschwemme wohnt an der munteren Stapenhorststraße (Ecke Siechenmarschstraße) und kann auf eine lange Bewirtungsgeschichte zurückblicken. Bereitwillig gibt Rolf Morchner, der weise Hobbybiertrinker vom Siegfriedplatz, sein historisches Wissen preis. Vom Brüderschafttrinken mit westfälischem Kornbrand, das die Wirtin jedem neuen Gast bescherte, weiß er amüsant zu erzählen. Oder von den Außenlampen, die in den Werkstätten eines Bielefelder Metallbetriebes gefertigt wurden. Allerdings habe die Werksleitung, ergänzt Morchner mit ernster Mine, nichts von dem Engagement ihrer Mitarbeiter geahnt, doch offenbare diese handwerkliche Hilfe eine tiefe Verbundenheit der Gäste mit ihrer Trinkstube. Und was macht das Jordan heute?
Schon 2003 hat ein Inhaber- und Generationswechsel stattgefunden. Der neue Wirt ist Ecki und der schildert auf Wunsch gern, wie er hier damals alles durchrenoviert hat. Sogar der rustikale Holzfußboden (kein Laminatscheiß!) ist sein mühsames Werk. Dabei hat er innenarchitektonische Umsicht bewiesen und der alten Wirtsstube die gute Seele erhalten. Seit einigen Jahren öffnet er das Jordan nur noch freitags. Während der Woche verkauft Ecki Profi-Espressomaschinen, aber der Freitag gehört dem Jordan. Flott und zielsicher serviert uns Ecki eine hübsche Lage Rheder Bier (nein, nicht Rheda Bier!). Die schlanken braunen Flaschen haben unsere volle Sympathie, denn sie enthalten ein schmackhaftes regionales Produkt und außerdem kann man am nächsten Morgen damit vielsagend kalauern (“Bin gestern unter die Rheder gekommen” – haha). Erdnüsse, die vollkommene Bierergänzung, ziehen wir mit kleiner Münze aus einem wunderschönen uralten Automaten, der die Gaststube schmückt und sogar meistens funktioniert. Defekte behebt Ecki sofort, und zwar unter beherztem Einsatz seines Korkenziehers.
An der Theke haben es sich Frau Barbara und der Bielefelder Volksschriftsteller Volker Backes bequem gemacht. Zufrieden schauen sie in die Welt und bestätigen uns, dass sie “immer wieder gerne” im Jordan einkehren. Gegen 23 Uhr trifft eine Schar junger Menschen ein, die unter fröhlichem Geplauder grüne Bierflaschen leert, um dann im Kickerraum ein engagiertes Turnier zu eröffnen. Und dann lernen wir Eckis „Leslie Nielsen“ kennen. Ein Minicocktail auf Jägermeister-Basis, von dem Herrr Backes weiß, dass er vor Erkältungskrankheiten schützt – und tatsächlich, wir fühlen auch Stunden später noch keine Erkältungsanzeichen. Zu fortgeschrittener Stunde testen wir den Espresso. Dazu bitten wir Rolf Grotegut um ein Fachvotum. Der stadtbekannte Erfinder des Miner’s Coffee (jetzt M Kaffee) hat keine Zweifel: “Sehr gut!” urteilt er begeistert und ordert sogleich weitere Tässchen Leckerespresso. So rundet sich ein schöner Abend bestens ab, und wir freuen uns schon auf den nächsten Freitag, wenn es heißt: Freitag ist Jordantag.
—> Jordan, Siechenmarschstraße 2, 33615 Bielefeld
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Das Braker Feierabendbierchen bei Stavros
Wem in Brake der Sinn nach einem Feierabendbierchen steht, der kehrt in Stavros Karakatsanis’ Bierschwemme “Zur Brücke” ein. Freundlicherweise hat der nette Wirt einen großen Flachbildschirm unter die Decke seines Schankraumes montiert, so können alle wichtigen Fußballspiele live verfolgt werden. Der Schankraum ist heute gut gefüllt und alle Augen blicken gebannt auf den Bildschirm – wird Arminia heute… Ohhh, ein schweres Aufstöhnen: Der Ball war drin. Kopfschütteln, kurze Kommentare und dann der Vergeblichkeit des Seins als philosophische Kategorie nachspüren. Zum Glück kann Stavros schnell nachzapfen.
Was Wirt Stavros ebenfalls gut kann, das ist das Servieren, dabei zählt das Ergbnis, z.B. beim Hausgetränk mit feiner Wermutnote, einem von Stavros selbst elaborierten Bitterling, der den Magen sanft durchsortiert. Wir danken dem fürsorglichen Wirt für diese liebe Gabe und schauen uns um. Unter den Gästen findet man nur zufriedenen Gesichter, z.B. gegen 23 Uhr Mike und Björn (Kommentar: “Super angenehm hier. Schöne familiäre Atmosphäre.”) oder eine Stunde später am anderen Ende der Theke Björn, Anna und Hannes. Schon 13 Jahre arbeitet Wirt Stavros hier, anfangs unter Regie seines Onkels, aber seit vielen Jahren in Eigenregie. Wir wünschen Brake, dass das noch lang so weitergeht. Jamas, Stavros!
—> Zur Brücke, Braker Straße 46, 33729 Bielefeld
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Sieker hat’s gut – Sieker hat Biggis Taubenstübchen

Gibt alles für ihre kleine Kneipe & ihre treuen Gäste: Biggi, gut gelaunt an der Zapfanlage
The Mavericks mit ihrem Megaohrwurmsmashhit Dance the night away quillen unüberhörbar aus der weit geöffneten Tür dieser kleinen Quartierskneipe. Ein guter akustischer Magnet für Ausgehwillige. Wir sind allerdings nicht durch die kräftige Musik auf das Taubenstübchen aufmerksam geworden, uns hat das Hochglanzmagazin Wir in Sieker den Weg gewiesen. Bild und Text überzeugen uns sofort, und zackzack machen wir uns kühn auf den Weg nach Sieker. Allerdings schickt uns unser Navi kurz vor dem Ziel einmal ahnungslos quer durchs Revier. Sie können sich das sparen, schauen Sie einfach hinter der riesigen Videothek mit der offenbar gut sortierten Pornoabteilung nach dem Taubenstübchen. Dann sehen sie es schon.
Im Wirtsraum finden wir eine launige Truppe vor, die aktiv im Tresengespräch verschmolzen ist. Schnell hat man hier Kontakt, zum Beispiel zu Stammgast Jürgen. Er führt uns gern sein lustiges Leuchtturmfeuerzeug vor. Musikalisch unterfüttert wird die gesellige Einraumkneipenakustik durch bewährte Hits von YouTube. Rechts hinter der Theke stehen der PC und sein Bildschirm, und von dort ruft Wirtin Biggi mit zielsicherem Mausklick all das ab, was die Gäste hören wollen. Dance the night away wollen sie offenbar allein in der ersten halben Stunde dreimal hören. Der Ohrwurm freut sich. Aber auch Credence Clearwater Revival (Bad Moon Rising) und Slatko (Ich vermiss dich wie die Hölle) werden aktiviert. Biggi weiß, was das Gästeohr braucht, denn Biggi ist eine alte Häsin im Gastrogeschäft. Auf 20 Jahre Berufserfahrung kann sie zurückblicken, und seit Mai gehört ihr endlich das Taubenstübchen. Wir sind sicher, dass sie den Laden mit goldener Hand führen wird. Darauf stoßen wir schließlich mit einem gemischten Abschiedsschluck fröhlich an und rufen dabei aus: “Sieker hat’s gut – Sieker hat Biggis Taubenstübchen!”
—> Taubenstübchen, Taubenstraße 1, 33607 Bielefeld





