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37 Beiträge mit Schlagwort 'Branntwein'

Gin, Capuns und Schweinerücken

So sieht's in der Küche aus: Chefkoch Peter Kappel mit rechter Hand Jose Pereira

So sieht’s in der Küche aus: Chefkoch Peter Kappel mit rechter Hand Jose Pereira

Von der Wand grüßt der junge Bob Dylan. Gegenüber leuchtet eine Reminiszenz an John Coltrane. Und im Sortiment befinden sich ein paar Dutzend Gin-Varianten. Alles klar, hier sind wir richtig. Beim Boudier Saffron Gin aus Dijon, mit Zitrusschalen, Schwertlilie und Fenchel, begutachten wir die stimmungshebende Speisekarte und ordern entsprechend lüstern. Alsdann erhalten wir als Vorspiel eine schmucke Portion Leckerbrot mit Salbe. Doch dann wird’s ernst. Eine helle Spargelsuppe mit Einlage lässt uns herzhaft schlürfen. Ein Etwas, dessen Namen wir vor lauter Begeisterung vergessen zu notiern, ist irgendwas mit Ziegenfrischkäse und lässt uns schmatzen. Schlag auf Schlag geht’s köstlich weiter. Auberginen-Mousse und Strauchtomaten-Soße mit Erbsen-Basilikum-Creme umranken feine Parmesanknödel. Zarte Rinderfiletspitzen werden erfolgreich vom Wildkräutersalat sekundiert. Dann gönnen wir uns einen Abstecher ins Schweizer Kanton Graubünden, indem wir uns schmackhafte Capuns servieren lassen, garniert mit leichtem Kartoffelschaum, gebratenen Pilzen und Kirschtomaten. Entzücken weckt der Rücken vom Duke-of-Berkshire-Schwein mit Mangold, Rhabarber und Kartoffelrösti.

Nach diesem menschenfreundlichen Abendmahl bitten wir Wirt Agustin Amor Ramos zu uns. Willig gibt der nette Mann Auskunft von der langen Renovierung des Greenwich, dabei sei schöner alter Deckenstuck zum Vorschein gekommen. Auch habe man im Keller verstaubte Lampen entdeckt und sogleich beschlossen, sie hier aufzuhängen. Ein guter Entschluss, denn Stuck und Lampen verleihen der Gaststube ein prima Ambiente. Auch lassen wir uns die Kegelbahn präsentieren. Zahlreiche alte Wimpel sind Zeugen von Jahrzehnten des fröhlichen Kegelns in der Vorgängereinrichtung. Besonders viel Liebe zum Details verrät eine Keglerliste, die akribisch alle Acht um’s Vorderholz von 1961 bis 1978 notiert hat. Ein Besuch in der Küche rundet unseren Begehung ab. Schön zu hören, dass Wirt Agustin Amor Ramos und Koch Peter Kappel sich seit 25 Jahren kennen und als (Zitat:) “Freunde für’s Leben” nun erstmals ein gemeinsames Gasthaus eröffnet haben.

—> Greenwich, Arndtstraße 45, 33615 Bielefeld

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Schätze der türkischen Küche

Vorbildliche Kellner: Die netten Brüder Wassim und Bassam Ziad Khudaida

Vorbildliche Kellner: Die netten Brüder Wassim und Bassam Ziad Khudaida

Wir haben Pansensuppe gegessen. Wenn auch nur eine Probe. Aber sie hat – ehrlich! – köstlich geschmeckt. Kein Wunder, denn für Köstliches ist das Urfa Kebab am Kesselbrink zuständig. Die elegant eingerichtete Gaststube besitzt breite Fensterfronten mit Blick auf den feschen Großstadtplatz. Wenn der Sommer regiert, umrankt eine vitale Außengastronomie das Haus. Aber was das Wichtigste ist: Der Koch leistet Großes. Auch über die Pansensuppe hinaus. Selbstlos testen wir für Sie: Karisik Kizartma, ein Grillgemüsegedicht mit Joghurt, das so schmeckt wie es ausschaut. Dazu wird eine Fladenbrotvariante gereicht, die uns bisher unbekannt war, aber auf Anhieb unser Herz gewinnt. Interessiert lassen wir uns demonstrieren, wie das Fladenbrot im hauseigenen Kesselofen täglich frisch gebacken wird. Großartig auch die Lammfleischwürfel mit Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Peperoni plus Bulgur, genannt Saç Kavurma. Dazu wird ein erfrischender Salat gereicht. Alsdann lassen wir uns herrliche Spinatschiffchen mit Schafskäsebröcken zuführen, Arbeitstitel: Ispanakli Pide. Ein weiterer Höhepunkt sind die Dönersegmente, veredelt mit Wundersoße und Leckerjoghurt, Name: Döner Beyti. Unser abschließendes Urteil: Der Koch ist ein großer Künstler – hoch lebe Ömer Yolcu!

Zu diesem paradiesischen Abendmahl passt natürlich am besten eine Riege kühles Efes. Außerdem machen wir die Entdeckung, dass niemand in Bielefeld den Raki derart elegant kühlt wie das Urfa Kebab. Im eigens dafür in der Türkei gefertigten Kühlbehältern aus Messing verschwinden die 4-cl-Raki-Langgläser fast vollständig im Eismantel. Wer mag, schwämmt die edle Spirituose mit Wasser auf und nippt dann versonnen am dauerhaft gekühlten Getränk. Genusskultur auf hohem Niveau. Selbstredend hat Chefkellner Bassam Ziad Khudaida ein multiples Raki-Sortiment im Angebot, so dass es uns hier an rein gar nichts mangelt. Auch nicht am Duftwässerchen nach dem Abendmahl.

Urfa Kebab, Friedrich-Ebert-Straße 7, 33602 Bielefeld

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Mit der Linie 3 in den Feierabend (inzwischen Geschichte)

Mann mit Herz und Wacholder: Wirt Roland Berlau im Dienst am Gast

Mann mit Herz und Wacholder: Wirt Roland Berlau im Dienst am Gast

Sie erinnern sich an das Eckstübchen? Ja genau, die kleine Trinkstube an der Jöllenbecker Straße, Ecke Heisenbergweg. Im Sommer 2013 übernahm hier Roland Berlau das Ruder, änderte sogleich den Namen in Linie 3 und machte sich erstmal an die Modernisierung. Ob in der Gaststube oder bei den Toiletten, die Renovierung war ein Kraftakt, den er tipptopp bewältigt hat. Alles in Eigenregie, betont der gelernte Zerspanungsmechaniker nicht ohne Stolz, sogar die Kuemmerling-Uhr hat er in kreativer Kleinarbeit selbst erschaffen.

Es ist Feierabendzeit und an der Theke regiert die gute Laune. Wir widmen uns erstmal dem vorbildlichen Getränkesortiment – Beschluss: Start mit lecker Wacholder, und zwar in zwei Geschmacksrichtungen. Zum Pils gönnen wir uns den Nussgenuss, den man für kleinen Taler am freundlichen Automaten ziehen kann. Weil wir so lieb sind, wird uns die schöne Trinksitte Turmbau zu Bielefeld vorgeführt und anschließend schenkt uns Roland Berlau ein Live-Konzert. Inzwischen sind Motorradfahrer eingetroffen, deren Kutten wir natürlich bestaunen. Die netten Herren haben ihre netten Ehefrauen mitgebracht, so dass sich die gute Stube langsam füllt. Seit Jahren schon ist die Institution Eckkneipe ein aussterbendes Biotop, doch an der Jöllenbecker Straße lebt sie offensichtlich fröhlich weiter. Somit wünschen wir weiterhin viel Lebenskraft. Prösterchen!

—> Linie 3, Jöllenbecker Straße 103, 33613 Bielefeld

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Schöne Bierschwemme am Kesselbrink

Haben uns vor dem Verdursten gerettet: Eva und Julian

Haben uns vor dem Verdursten gerettet: Eva und Julian

Der Nachtwind weht uns Richtung Kesselbrink. Mit einer Punktlandung schlagen wir schließlich im Potemkin auf. Sofort erinnern wir uns an die Vergangenheit dieser interessanten Trinkstube. Viele Jahre residierte hier eine schwule Nachtbar, die selbst werktags – einer Großstadt würdig – erst um 23 Uhr öffnete. Damals lautete ihr Name Rolandseck, und noch heute ist der so manchem Taxifahrer bekannt. Nach einem kurzen Intermezzo unter dem neuen Namen Potemkin folgte ein ewig langer Leerstand. Doch jetzt herrscht hier neues Leben in einer durchrenovierten Gaststube.

Wir trinken möglichst viel Zapfpils, doch eine bunte Trinkstimmung an der Theke macht uns neugierig. Hier gibt es Kurze in fröhlichen Farben. Im Selbstversuch stellen wir fest, dass sie gut schmecken. Auch tragen sie überzeugende Namen wie “Kettenöl” oder “Panzerkreuzer“. Für wichtige Kulturhinweise hält das Potemkin eine schöne Plakatwand bereit. Daneben entdecken wir einen astreinen Spielautomaten, der offenbar aus Star Wars IV stammt. Ansonsten laden prima Sitznischen zum Plaudern ein, und draußen überrascht ein gemütlicher Biergarten. Großes Plus: Das Potemkin bietet eigene Kulturveranstaltungen an. Dazu gibt es eine kleine Bühne, die regelmäßig für sympathische Kapellen freigeräumt wird. Also beschließen wir, unbedingt noch einmal wiederzukommen.

—> Potemkin, Heeper Straße 28, Bielefeld

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Mallorca – mitten in Bielefeld

Mallorcas Botschafter in Bielefeld: Cesar, Daniel, Fernando und Jesica

Mallorcas Botschafter in Bielefeld: Cesar, Daniel, Fernando und Jesica

Was viele nicht wissen: In Bielefeld gibt es eine diplomatische Vertretung der Insel Mallorca. Chefbotschafter ist Fernando Calderon. Zu seinen konsularischen Aufgaben zählt die Bereitstellung mallorquinischer Reisedokumente, die sämtlich so tadellos sind wie sie ausschauen. Außerdem vermittelt er Wissenswertes über Land und Leute dieser schönen Insel. Achtung, Rätselfrage: Was ist die meistverkaufte Spirituose am Flughafen von Mallorca? Richtig, der hübsche grüne Túnel. Daher fügt Fernando Calderon in seine Mallorca-Unterweisung immer auch ein sanftes Túnel-Training ein. Zum diplomatischen Corps zählen außerdem Fernando Calderons Ehefrau Jesica Picornell, sein Schwager Daniel Vallado sowie Cesar Morosini als Küchenattaché. Noch in der Attachéausbildung befinden sich die Söhne Bruno und Fernando.

Unser erster Eindruck ist zweifellos sehr gut. Auch unsere Befragung unter den Besuchern der Botschaft bestätigt diesen Befund. Besonders großes Lob kommt dabei von den Fachleuten an Tisch zwei. Doch um ganz sicher zu gehen, werden wir unseren Besuch in unregelmäßigen Abständen wiederholen. Allein schon, weil wir so gern mit Botschafterin Jesica Picornell fachsimpeln.

—> Café Mallorca, Hagenbruchstraße 3, 33602 Bielefeld

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