(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)
(Bild)

4 Beiträge mit Schlagwort 'Begegnungen'

Bielefelder Begegnungen, heute: Nils Ehnert

Französische Atlantikküste oder Bielefelder Klosterplatz: Nils Ehnert ist überall daheim

Französische Atlantikküste oder Bielefelder Klosterplatz: Nils Ehnert ist überall daheim

Alle kennen Norbert Blüm, den TV-Star der Kohl-Ära. Doch nur wenige wissen, dass Blüm auch Bundesarbeitsminister gewesen ist. Und fast niemand weiß, dass Blüms Leute einen Bielefelder holen mussten, damit das Ministerium nicht völlig den Anschluss an die neue Zeit verpasste. Es ging um den allerersten Internetauftritt des Ministeriums und um eine megafette Datenbank (Stichwort: HAL 9000). Für Blüm war nur der beste Programmierer Deutschlands gut genug. Und seine Leute fanden ihn – sie fanden Nils Ehnert aus Bielefeld. Sofort stellte Ehnert eine Task-Force zusammen, die aus 15 hochbegabten Nerds bestand. Tag und Nacht programmierten sie nun bei Fertigpizza und Filterzigaretten, was Rudi Carrells Alter Ego brauchte. Sonderwünsche wurden sofort erledigt, Wunder dauerten etwas länger.

Ehnerts Erfolg sprach sich schnell rum in der Bundeshauptstadt und schon bald zog das nächste Ministerium die Notbremse und rief Ehnert zu Hilfe. So ging es Jahr für Jahr, bis Ehnert spürte, dass die Zeit gekommen war, etwas ganz anderes zu machen. Kurzerhand verkaufte er seine Firma und kümmert sich heute auf der französischen Atlantikinsel Ile de Ré mit Liebe zum Detail um sein prächtiges Ferienhaus. Typisch Ehnert: Gegen kleines Geld vermietet er das romantische Haus am Meer sogar an Fremde. Viel Zeit im Jahr verbringt er dort, aber manchmal trifft man ihn auch in Bielefeld, wo er hoch über dem Klosterplatz eine kleine, aber feine Programmierwerkstatt betreibt. Just for fun, aber hocheffektiv. Wir sind Zeugen: Bielefelds erste App, unsere inzwischen legendäre App iFlaneur, hat kein Geringerer als Nils Ehnert programmiert. Er konnte es einfach nicht mehr mit ansehen, dass Bielefeld als einzige Großstadt Deutschlands keine sinnvolle Service-App haben sollte. Seither hat er viele andere Kleinodien der gehobenen digitalen Lebensart erschaffen, und ein Ende ist nicht in Sicht. Geboren ist Ehnert in Finnland. Vielleicht ist das der Grund, warum er nicht über Bielefelder Unzulänglichkeiten mault, sondern selbst Hand anlegt, wenn es etwas zu verbessern gilt. Eine der vielen netten Eigenschaften dieses bescheidenen Giganten der Programmierkunst.

Einen Kommentar schreiben

Bielefelder Begegnungen, heute: Daniela Beckmann

Stets agil und hoch sympathisch: Daniela Beckmann an der Pforte von Starfriseur Ahmet

Stets agil und hoch sympathisch: Daniela Beckmann an der Pforte von Starfriseur Ahmet

Daniela Beckmann haben wir im Haarstudio von Starfriseur Ahmet kennengelernt. Schon seit Jahren lassen wir uns hier das Haupthaar scheren oder das Barthaar schaben, aber erst jetzt haben wir uns zum ersten Mal von der netten Dame mit dem blonden Lockenkopf frisieren lassen – und bei dieser Gelegenheit haben wir sie vorsichtig ausgefragt.

“Ich soll bei Türken arbeiten? Ich bin ja noch nicht mal in der Türkei in Urlaub gewesen.” Lachend schildert uns Daniela Beckmann ihre erste Reaktion auf den Vorschlag des Arbeitsamtes, sich bei Starfrisör Ahmet vorzustellen. Schon einige Zeit war sie damals arbeitslos und suchte händeringend einen vernünftigen Job, daher begab sie sich – wenn auch mit Zweifeln, so doch mit offenen Augen – zum Vorstellungsgespräch bei Ahmet Kulata. Schnell war sie angetan von dem, was sie dort erfahren durfte, und inzwischen arbeitet sie schon fast vier Jahre hier. Und zwar mit unverkennbarer Zufriedenheit. „Die Kollegen tragen mich auf Händen“, sagt sie heute und ergänzt: “Sie sind wie meine Brüder zu mir.” Inzwischen habe sich ihre Einstellung Türken gegenüber sehr geändert. Den Fleiß und die Gastfreundschaft, die sie hier erlebt, lobt sie nachdrücklich.

Was ihren Job betrifft, braucht sie sich wahrlich nicht zu verstecken. Seit 1992 ist Daniela Beckmann Friseurmeisterin. Ganz offenkundig mit Leib und Seele. Außerdem ist sie Kosmetikerin und hat in diesem Fach nicht nur den Pokal als Westfalen-Meisterin geholt. In ihrer Freizeit engagiert sie sich beim Amtsgericht Bielefeld als ehrenamtliche Schöffin. Jugendstrafsachen, das ist ihr Ding, betont die Mutter eines langsam flügge werdenden Sohnes. Es sei schon vorgekommen, schmunzelt sie, dass ein junger Kunde sie plötzlich – und für ihn natürlich völlig unerwartet – als die Schöffin seiner letzten Hauptverhandlung wiedererkannt hat. Das Interesse für die Strafrechtspflege muss sie wohl irgendwie von ihrem Vater geerbt haben, denn der war in den 80er Jahren lange Zeit Polizist in Baumheide, also Dorfsheriff (übrigens kein leichter Job damals).

Leider sind wir nun fertig frisiert und haben somit keinen Grund mehr, Daniela Beckmann weiter auszufragen. Aber das können wir ja nachholen, denn die Haare wachsen ja wieder, und dann ist klar, wo wir unsere Haarfrisuren renovieren lassen.

Einen Kommentar schreiben

Bielefelder Begegnungen, heute: Johanna Falk

Kontrolleurin
Bielefeld bei Nacht: Vorn Johanna Falk, im Hintergrund eine vorbeihuschende Straßenbahn

Wir Bielefelder lieben unseren öffentlichen Nahverkehr. Seit ihm vor neun Jahren der launige Name moBiel angeklebt wurde, ist unsere Begeisterung nicht mehr – Achtung, Wortspiel! – zu bremsen. Allein im vergangenen Jahr haben sich erstaunliche 43 Millionen Fahrgäste durch unser ruheloses Bielefeld rollen lassen. So viel zum Thema Großstadt Bielefeld. Entspannt erwerben die Fahrgäste im Jahnplatztunnel ihre neuen Fahrausweise, wohlwissend, dass ihre Psyche hier nicht durch ein möglichst absurdes Tarifgestrüpp geplagt wird. Denn moBiel ist gottlob nicht die Bahn AG, die den Fahrgast zu ihrem natürlichen Feind erklärt hat.

Sanft rumpelt unsere Straßenbahn durch die mild beleuchtete Herbstabendstadt, und wir lauschen gebannt den Berichten unserer Begleiterin. Johanna Falk, außen nett und innen tough, hat ihr Studium mit dem bizarren Job einer Fahrscheinkontrolleurin finanziert und konnte dabei mehr Lebensweisheit tanken, als jedes Psychologie-Grundstudium zu bieten hat. Welche Linie ihr besonders leidig gewesen sei, wollen wir von der Kontrolleursveteranin wissen und erwarten Tadel in Richtung Stieghorst oder Baumheide. Ach, seufzt die junge Frau, die einzige Problemlinie sei die Linie 4, Richtung Universität. Hier gedeihe eine sehr spezielle Klugscheißer-Sorte Mensch, zu der das BWL- oder Jura-Studium ebenso gehöre wie die schnippisch vorgetragene Weigerung, zum Semesterticket auch den Personalausweis vorzuzeigen. Diverse Vorträge in Besserwisserdeutsch habe sie ertragen müssen, um zu erfahren, dass sie eine besonders miese Kreatur sei, die sich rechtswidrig aufspiele.

Wir steigen bei der brandneuen Sieker-Endstation aus (wo peinlicherweise vergessen wurde, eine Toilette zu installieren) und begeben uns zum köstlichen Abendmahl in die Taverna Attika. Hier hören wir weitere goldene Linie 4-Kuriosa, wie die mit dem reifen Herren im feinen Zwirn und mit edlem Aktenkoffer, der panisch die Straßenbahn verließ und im Laufschritt Reißaus nahm.

Einen Kommentar schreiben

Bielefelder Begegnungen, heute: Rainer Schubart

Rainer_und_Milos
Im Fachgespräch vereint: Tattoo-Träger Rainer Schubart und Tattoo-Meister Milos Ukena

Wir haben uns im angenehmen Mythos-Grill niedergelassen, um ein bezauberndes Abendmahl einzunehmen. Dabei werden wir Zufallszeugen einer bemerkenswerten Bielefelder Begegnung. Der stadtbekannte Tattoo-Meister Milos Ukena ist ebenfalls anwesend und soeben mit dem Mythos-Gast Rainer Schubart ins Gespräch geraten, und es stellt sich heraus, dass er Körperbemalungen besitzt, die noch aus Zeiten stammen, als man bei uns dazu nicht Tattoo sagte, sondern Tätowierung. (Kann sich noch jemand daran erinnern?) Und nun kommt die Sensation: Eine der Tätowierungen stammt von der Tattoo-Legende Herbert Hoffmann. Wir sind baff. Herbert Hoffmann. Diese historische Persönlichkeit steht inzwischen kurz vor ihrem 90. Geburtstag, hat vor ein paar Jahren den Altersruhesitz von Hamburg in die Schweiz verlegt und war noch vor kurzem in Bielefeld zu Gast. Milos Ukena hat ihm dabei alles Sehenswerte von Bielefeld gezeigt, und wir freuen uns noch heute, Herbert Hoffmann bei dieser Gelegenheit kennengelernt haben zu dürfen. Nie werden wir seine große Begeisterung für das Bielefelder Ich-Denkmal vergessen.

Und nun steht Rainer Schubart vor uns und zeigt uns seine original Hoffmann-Tätowierung, Motiv: Ein stolzer Dreimaster, der seine Bahnen durch die Wogen des Meeres zieht. Im Alter von 17 Jahren, so erzählt er uns nicht ohne Stolz, sei er aus Rietberg nach Hamburg gereist, um sich das schöne Bild stechen zu lassen. Drei Kumpels seien dabei gewesen, und alle drei mussten Herbert Hoffmann in die Hand schwören, dass er schon 18 Jahre alt sei. Und so kam er vor nunmehr 38 Jahren an ein Tattoo, um das ihn so mancher Kenner beneiden dürfte. 160 DM habe er damals für diese Arbeit bezahlt, weiß Rainer Schubart noch heute und zeigt uns dann eine weitere historische Arbeit, die ebenfalls ein maritimes Motiv zitiert. Sie ist ebenso alt, wurde aber von einem anderen Meister gestochen. Für diese gelunge Bilderschau laden wir Rainer Schubart gern auf einen schönen Ouzo ein.

—> Weiterführende Lektüre: Herbert Hoffmanns Bücher

Einen Kommentar schreiben

Die Bielefelder Flaneure freuen sich über die Hilfe von:


 π