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30. Jan 2017

Der Dorf-Reiniger

Der Dorf-Reiniger: Sefer Bakir

Der Dorf-Reiniger: Sefer Bakir

In der Altstadt kennt Sefer Bakir jeden Stein. Denn seit 27 Jahren macht er dort alles sauber. Im Fachterminus heißt es „maschinensauber“, was er und seine Kollegen jeden Morgen von 6 bis 9 Uhr in der Altstadt leisten. Danach wird Papier aufgelesen. Weihnachtsmarkt oder Weinfest benötigen Extraschichten. Die Zuständigkeit des 52-Jährigen geht allerdings weit über die Altstadt hinaus. Mit seinen acht Kollegen reinigt er den Kesselbrink ebenso wie den Siegfriedplatz sowie alle umliegenden Straßen. Jeden Samstag von 16 bis 19 Uhr leeren sie die Papierkörbe der ganzen Innenstadt. In Sondereinsätzen beseitigt er tote Tiere oder Ölspuren von den Straßen. Von November bis März ist Urlaubssperre. Fällt die Temperatur unter 3 Grad, dann rücken Sefer Bakir und sein Kollege Lothar Möller um 3 Uhr nachts aus und suchen die Bergstraßen nach Eis und Schnee ab. Wenn sie fündig werden, beseitigen sie gemeinsam mit anderen Kollegen die Gefahrenquellen. Schnee und Eis in der Altstadt sind allein Sefer Bakirs Job. Mit einem kleinen Wagen – vorn der Pflug, hinten der Salzstreuer – fährt er jede Straße ab. Bei Dauerschnee fängt er vorn wieder an, wenn er hinten fertig geworden ist. Es gibt Winter, berichtet Sefer Bakir, da arbeitet er 15 Stunden am Stück. Ohne zu jammern fügt der stets freundliche Mann hinzu: „2010 ging uns sogar das Salz aus.“ Schön ist, dass er von Leuten berichten kann, die diese Arbeit wahrnehmen und loben. Wenn sie ihm dann von einer versteckten Müllecke berichten, geht er dem Hinweis gern nach.

Angefangen hat Sefer Bakir als „Reiniger“, so die offizielle Bezeichnung im städtischen Umweltbetrieb. Heute ist er Vorarbeiter, muss also bei Dienstbeginn die Kollegen einteilen oder bei Krankmeldungen Ersatz beschaffen. Die Vorarbeiterprüfung hat er damals als einziger Nichtdeutscher seiner Gruppe bestanden, erzählt er zwar verhalten, aber mit erkennbarer Freude. Die ist durchaus berechtigt, denn er lebt seit seinem 15. Lebensjahr in Deutschland und hat hier keine Schule besucht. Im Privatleben ist Sefer Bakir verheiratet, hat ein Kind und drei Enkel. Über seine Kollegen und seine Vorgesetzten spricht er nur positiv, ja geradezu liebevoll. Und über seinen Job sowieso: „Die Arbeit macht mir Spaß“, betont er glaubwürdig. Nach 27 Jahren, bei jedem Wetter? Das nennen wir vorbildlich und beneidenswert zugleich.

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