Juwelen der Frittierkunst (inzwischen Geschichte)
Wo die Schelpsheide auf die Jöllenbecker Straße stößt, da wohnt der Belgier. Sein Pommeswagen (belgisch: Friterie) ist gar nicht zu übersehen, denn er ist signalgrün angemalt. Zur Begrüßung schenkt uns der Belgier eine kluge philosophische Beweisführung, warum Cola light kein geeignetes Fast Food-Begleitgetränk sein kann. Alsdann absolvieren wir einen Soßenlehrgang, denn hier gibt es eine bestens sortierte Soßenbar. Von allen Sößchen – eine aufregender als die andere – reicht er uns liebe Kostproben über den Tresen. Diese Leckereien, so erfahren wir interessiert, kauft er regelmäßig selbst in Belgien ein.
Schließlich gönnen wir uns schöne Gedecke: Pommes mit individueller Soße plus Frikandel spezial – und sofort vergeben wir Bestnoten. Dabei fallen Sätze wie “So müssen Pommes schmecken” oder “Dass ich sowas noch erleben darf”. Spontan knien wir für einen stillen Moment nieder und danken dem Meister für das große Glück. Beim Belgier sind Pommes reine Handarbeit. Vor unseren Augen packt er eine Kartoffel in die Pommesmaschine und ratsch! – fällt die Pommesrohware in seine Hand. Nach eigenen Berechnungen hat Daniel Mobers auf diese Weise schon 10 t Kartoffeln verarbeitet.
Wenn Sie beim Belgier die köstliche Frikandel spezial ordern, dann scheuen Sie sich bitte nicht, nach der artgerechten Essweise zu fragen. Nur soviel sei verraten: Messer sind überflüssig, man isst sie völlig unfallfrei nur mit der Gabel. Anerkennend beobachten wir, wie eine fürsorgliche Mutter ihr liebes Kindchen mit belgischen Nahrungsmitteln füttert. Gern öffnet Madeleine ihr Schnäbelchen, um die guten Pommes-Goldstückchen verabreicht zu bekommen. Kein Wunder, denn das Kindchen spürt: Cuisine belge – très bon!
—> Friterie vom Belgier, Jöllenbecker Straße 220, 33613 Bielefeld
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Die Wahrheit über Cook-Mahl
In Bielefeld haben TV-Kochshows à la Lanz & Co. keine Chance, denn Bielefeld hat Björn Sassenroth. Schon seit Jahren beschenkt der agile Mann unsere Stadt mit Live-Kochshows, bei denen man nicht nur hübsch was auf die Ohren bekommt (eloquente Gäste), sondern auch lecker was auf die Gabel (kochbegabte Gäste). Und weil er seine Veranstaltungen “Cook-Mahl” nennt, haben wir uns gedacht, (Obacht, dicker Wortwitz:) wir cooken mahl rein, und zwar in seine 45. Show – denn diesmal hat er ganz besondere Gäste eingeladen: Das Dream Team Marcus Langer und Henner Zimmat!
Als hätten die drei sympathischen Herren nie etwas anderes gemacht, begeben sie sich sogleich an die Arbeit, und so ganz nebenher bezaubern sie uns Zuschauer mit ihrer guten Laune. Wie im Handumdrehn ist auch schon die Vorspeise fertig. Artig futtern wir auf, was uns die Herren liefern. Einstimmiges Urteil: Astrein! Die Begeisterung im Publikum über das gelungene Mahl ist so groß, dass es zu einem spontanen Handstand auf offener Bühne kommt. Wir halten diese Reaktion für angemessen und applaudieren frenetisch.
Doch die drei Herren gönnen sich keine Atempause, schon wird weiter geschnitten (Finger unverletzt!) und gewürzt (mit Schwarzbier!), so dass schon nach kurzer Plauderzeit ein sensationelles Hauptgericht vor uns steht. Sorgfältig lecken wir die Teller blank, so göttlich ist die Speise. Und in der gleichen Liga spielt der Nachtisch, der uns endgültig den Rest gibt. Glatt und rund sind unsere Bäuche. Glück und Seligkeit strahlen unsere Gesichter ab. Ein gelungener Abend. Von ganzen Herzen danken wir unseren Gastgebern. Übrigens ist die ganze Veranstaltung filmisch dokumentiert worden. Gewiss wird der Film bald im Cinemaxx laufen. Dafür bekommt jetzt schon ein ganz großes Lob: Kamerakind Tobi!
Für Sie notiert: Die Speisen des Abends
Vorspeise: Pastarouladen auf Blattspinat mit Käse und Parmaschinken
Hauptgericht: Schweinebäckchen in Schwarzbiersoße mit Vanille-Karotten und Polenta
Nachtisch: Apfeltörtchen auf Calvados-Zabaglione mit Walnusseis
Dazu gab es Weine, Biere und für Herrn Sölter gelegentlich eine Interimszigarette.
—> Björn Sassenroth ist COOK-MAHL
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Grosse Bielefelder Zweiradtradition

Bielefelds Spezialisten für alles, was zwei Räder hat: Dominik Janßen, Arno Spörke sowie Sabine und Friedrich Holtkämper
Einst bevölkerten diverse Fahrradfabriken die Bielefelder Innenstadt. Bis hinein in diese längst verflossene Zeit reichen die familiären Wurzeln von Zweirad Holtkämper. An der Bleichstraße gründete der Großvater vor gut 80 Jahren die Fahrradfabrik Preston, sie wurde zur Geburtsstätte des Fachgeschäfts mit Werkstatt, das inzwischen schon über 60 Jahre am Kesselbrink lebt. Hier hat vor einigen Jahren der Vater das Geschäft an den Sohn übergeben und dessen Frau passt auf’s Geld auf – ganz so wie es sich für einen Familienbetrieb gehört. Und natürlich ist Holtkamp senior weiterhin in den laufenden Betrieb integriert.
Das Familiäre bezieht sich offenkundig auch auf die anderen Beschäftigen, so haben die Zweiradmechaniker Dominik Janßen und Arno Spörke ihre berufliche Laufbahn als Lehrlinge bei Holtkämper begonnen und wurden nach erfolgreicher Lehre als Gesellen übernommen. Aber auch die Kunden fühlen sich hier wie zu Hause. Ob im Verkaufsgespräch bei der Suche nach einer geeigneten Lenkradtasche oder bei der Auswahl eines nagelneuen Pedalkraftfahrzeuges, immer erhält man eine persönliche Beratung, die kein Internetshop bieten könnte.
Wenn unsere Fahrräder mal malad sind, dann geben wir sie gern in die Hände der Notaufnahme Holtkämper. Zügig werden hier die notwendigen OPs durchgeführt und anschließend surren sie spürbar frischer und flotter durch die Stadt. Aber auch PS-getriebene Zweiräder werden hier operiert oder verkauft. Vielleicht legen wir uns ja mal einen schicken Vespa-Roller zu? Wer weiß …
—> Zweirad Holtkämper, Heeper Straße 26 (beim Kesselbrink), 33607 Bielefeld
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Seltene Gemültlichkeit verflossener Zeiten
Ein fieser Dauerregen peitscht durch die abendliche Arndtstraße. Fluchend retten wir uns in die Gaststätte Kochsiek – und schon geht die Sonne auf! Jedenfalls mental. Denn in der schmucken Gaststube ist es muckelig (Heizung auf volle Kanone), gemütlich (Stammgäste bei legerer Freizeitlektüre) und menschenfreundlich (Pilslieferung in Nullkommanix). Wohlgestimmt schauen wir uns um. Die Gaststube verströmt die seltene Gemültlichkeit verflossener Zeiten. In solchem Ambiente zechten einst unseren Großväter. An den Wänden bewundern wir die Werke alter Meister, und an Theke und Tischen sehen wir ausschließlich männliche Gäste. Besteht da ein Zusammenhang? Bevor wir dies Rätsel lösen können, liefert uns die grundsympathische Kerstin Geßler (Migrationshintergrund: Saarland) die Köstlichkeiten der Küche.
Gleich doppelt müsssen wir die Note “lecker” vergeben, sowohl für das Schnitzel mit einseitig gebratenem Spiegelei als auch für das Schnitzel mit doppelseitig gebratenem Spiegelei. Als erfreulich erfrischend erweisen sich die hierzu gereichten lieben Beilagensalate. Und auch der Grühnkohl ist so, wie er sein muss: abgrundtief schmackhaft. Außerdem ist das Kotelett mit Kräuterbutter und Bratkartoffeln zu loben. Und dann widerfährt uns auch noch das ganz große Kochsiek-Filetglück. Am Ende ist die logische Folge alldessen, dass unsere Teller alle hübsch blankgeleckt sind. Dafür belohnt uns Kerstin Geßler mit einer astreinen Getränkemischung, bei der ein heimischer Wacholderbrand eine bedeutende, um nicht zu sagen: nachhaltige Rolle spielt. Am frohen Ende stellen wir einstimmig fest: Bielefeld hat Glück, dass es das Kochsiek gibt!
Übrigens verlässt man das Kochsiek nicht, ohne bemerkenswertes Zusatzwissen erworben zu haben, als da wäre:
Stammgäste, die die Syllogismen des rumänischen Aphoristikers Emil Cioran mögen, bevorzugen solche Bierdeckel.
—> Gaststätte Kochsiek, Arndtstraße 45, 33615 Bielefeld





