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Schildesche bei Nacht

Umgeben von glücklichen Gästen: Wirtin Gudrun Blechschmidt

Umgeben von glücklichen Gästen: Wirtin Gudrun Blechschmidt

Wir streifen durch menschenleere Gassen. Die Dunkelheit hat Schildesche fest im Griff. Offensichtlich wagt sich jetzt niemand mehr hinaus. Plötzlich – oh, Schreck! – befällt uns ein erheblicher Pilsdurst. Sind wir verloren? Nein, es gibt eine Retterin, ihr Name lautet Gudrun Blechschmidt. Herzlich nimmt uns die sympathische Frau in ihrer gemütliche Stube auf und mit frischem Zapfpils stillt sie unseren Durst. Außerdem steigert sie unseren Gemütlichkeitspegel mittels Musik, der durch entsprechende Bilder an den Wänden gehuldigt wird. Gut getroffen haben wir es hier, lautet unser Urteil und ordern entspannt die nächste Runde Frischpils.

Verführerisch lächeln bunte Münzautomaten durch den Raum, aber das interessiert heute niemanden. Die anwesenden Gäste stammen, so erfahren wir schnell, nicht aus dem Schildescher Biotop. Bayerische Mundart erkennen wir und stoßen gern an mit der netten Truppe von auswärts. Gudrun Blechschmidt führt ihre schöne Trinkstube nicht allein. Ihr zur Seite steht Bobby, der offensichtlich ein ganz Lieber ist. Als wir unser Wasser abschlagen müssen, werden wir am Urinal mit einem interessanten Sinnspruch unterhalten. Danach begutachten wir, was Gudrun Blechschmidts menschenfreundliches Flüssigkeitsreservoir sonst noch zu bieten hat. Unser Resümee: Diese Trinkstube hat Stil, Niveau und endlose Vorräte. Weshalb wir das Loblied anstimmen: “Schildescher Nächte sind lang!”

—> De Deele, Johannisstraße 36, 33611 Bielefeld

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Indien – mitten in Schildesche

Reiseleiter nach Indien: Wirt & Koch Tapan Dey mit Kopilot Punniyaratnam

Reiseleiter nach Indien: Wirt & Koch Tapan Dey mit Kopilot Punniyaratnam Nagrajah

Sanft breitet sich ein stiller Abend über Schildesche aus. Mit offenen Touristenaugen streifen wir durch das Bielefelder Dorf. Nicht ohne Staunen notieren wir, dass es hier recht viele Gaststuben gibt. Schließlich ködert uns der Eingang zum Namaste, denn hier werden indische Leckereien versprochen. Wir wählen einen Tisch in der Nähe eines gewissen Herrn Buddha, der möglicherweise eine gewisse Wächterfunktion innehat. Geräuschlos serviert Tapan Dey den drei belegten Tischen die gewünschten Getränke und verschwindet dann in die Küche, um mithilfe seines Kopiloten Punniyaratnam Nagrajah die gewünschten Speisen zu erschaffen. Hier wird alles frisch zubereitet, daher braucht es seine angemessene Zeit, bis uns die Speisen entgegenrollen.

Als Starter schlecken wir ein wohltemperiertes Tomatensüppchen mit Kokospüree. Danach treffen die Hauptgerichte ein, als da sind Palak Gosht, ein vorzügliches Lamm-Spinat-Gemisch sowie Murgh Masala, ein aromatisches Huhn-Ingwer-Konglomerat, aber auch Lamm Korma, das mild-cremige Kokos-Curry-Lamm-Gemenge und nicht zuletzt ein Reshmi Kabab, das in feiner Weise dem Huhn huldigt. Dazu erhalten wir Reis, der ausdrücklich als gelungen bezeichnet werden muss. Nach diesem prächtigen Abendmahl serviert uns Wirt und Koch Tapan Dey appetitliche Flüssigkeiten, die wohlklingende Namen tragen wie z.B. Linie Aquavit. Dabei entpuppt er sich als ebenso eloquenter wie interessanter Gesprächspartner zu den drei komplementären philosophischen Essenzen Gastfreundschaft, Gelassenheit und Nahrungsaufnahme. Am Ende verlassen wir das Namaste nicht nur körperlich gut gesättigt, sondern auch mental runderneuert. Schon seit 1992 führt Herr Tapan Dey sein Gasthaus – Schildesche hat’s richtig gut.

—> Namaste, Johannisstraße 36, 33611 Bielefeld

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360 x 180 Grad: Eine Stadt wird dokumentiert

Begeistertes Starfriseur-Team: Panorama-Mann Eckart Schönlau ist zu Besuch

Begeistertes Starfriseur-Team: Panorama-Mann Eckart Schönlau ist zu Besuch

Eckart Schönlau macht Fotos, die begehbar sind. Jedenfalls fühlt man sich so, wenn man seine Komplett-rundum-Fotos auf Vollbild klickt und mittels Cursorbewegung darin umherschweift. Kein Wunder, dass seine Megafotos auch in der digitalen Ausgabe des SPIEGEL verwendet werden. Inzwischen hat der agile Mann schon viele Orte und Ereignisse in Bielefeld dokumentiert. Kürzlich ließ er sich von unseren Flaneur-Berichten inspirieren und suchte daher Starfriseur Ahmet auf, den ersten Flaneur-geprüften Friseur. Eckart Schönlaus Resümee: “Wenn Lou Reed einmal in Bielefeld gewesen wäre – er hätte sicher auch hier Platz genommen.”

Aber sehen Sie doch selbst: Bielefeld-Panorama bei Starfriseur Ahmet

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Brennpunkt Klosterplatz

So sehen Klosterplatz-Eroberer aus: Nicolas Geipel und Jonas Wittenborn

So sehen Klosterplatz-Eroberer aus: Nicolas Geipel und Jonas Wittenborn

Prima Atmosphäre auf zwei Etagen und Zapfbier aus Tschechien – das fängt ja gut an. “Zwanzig Dreizehn” heißt die Gaststube, die Leben in die Problemzone Klosterplatz bringt. Wir sind gespannt, wie hier das Abendmahl aussieht. Unser heutiger Gast ist Christian Schulz, und der fühlt sich sichtbar wohl, denn der Start mit drei Würzsalben zum fröhlichen Tunken erfreut sein Herz. Ein gütiges Lammcurry mit filigraner Deko in floraler Optik und die dicken Burger mit Speck, Zwiebeln und einer Salbe namens Guacamole sind einwandfrei. Es folgen ein gutes Schnitzelstück mit wertvollen Bratkartoffeln sowie eine sehr sahnig Pasta mit Scampi. Wir dürfen also notieren: Hier lässt sich gut leben.

Aber was macht unser verehrter Herr Sölter? Hochkonzentriert löffelt er ein Süppchen thailändischer Bauart, das ihm als Tom Kha Gai serviert wurde. Nun hat er den Teller geleert und schlägt dreimal mit dem Löffel an sein Glas. Alsdann erhebt er sich, räuspert in die Vorderpfote und spricht wie folgt: “Männer!” Kurze Pause. “Diese Suppe wird in der Speisekarte als ‘Tom Kha Gai’ bezeichnet, meint also Hühnersuppe mit Kokosmilch, Pilzen, Tomaten und – wichtig! – Zitronengras. Serviert wurde jedoch ‘Tom Kha Gung’. Was im Prinzip natürlich das gleiche Grundsüppchen ist, allerdings im Original nur mit Garnelen, sprich: kein Hühnerfleisch. In Europa beides. Ich sag immer: eingedeutscht. Im Original gehört etwas mehr Zitronengras und Ingwer rein, aber für ein deutsches Lokal: tiptop!” Konziliant lächelnd setzt er sich nieder und nimmt entspannt unseren dankbaren Applaus entgegen.

Plötzlich erscheint die freundliche Bedienung mit amerikanischem Mais-Whiskey, in den ein Hieb Honig eingeklemmt wurde. Portioniert im Goldbecher. Nach dem Prosit brummen die einen zufrieden, doch die anderen fürchten sich vor Karies. Danach notieren wir, dass rauchende Gäste nicht genötigt werden, wie Hunde vor einer Metzgerei zu lagern, sondern durch einen Lichthof behütet werden. Hier stöbern wir die “Zwanzig Dreizehn”-Wirte Nicolas Geipel und Jonas Wittenborn auf. Beim Tabaksplausch lassen wir sie von den Erfahrungen mit ihrer Disco in Steinhagen erzählen und von den Ideen, die sie ins “Zwanzig Dreizehn” gesteckt haben: Freundlichkeit, Leckerkeit, Bezahlbarkeit. Eine der Ideen kann man sogar trinken: Eine gelungene Mirabellenflüssigkeit, die unser Lob erntet. Sie entpuppt sich als handgemachter Likör aus Steinhagen. In diesem Gemütlichkeitsmodus lassen wir den Abend gern lang werden. Die freundliche Bedienung hat inzwischen Feierabend, macht aber nix, denn die Jungwirte servieren halt weiter bis alles gesagt und getrunken ist. Ja, so geht es gewiss gut voran mit dem Kosterplatz.

—> Zwanzig Dreizehn, Klosterplatz 13, 33602 Bielefeld

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Zum Essen in den Knast

Küchenchef Jürgen Richter, Küchenbeamtin Doris Schnitker, Azubi Max Mustermann

Küchenchef Jürgen Richter, Küchenbeamtin Doris Schnitker, Azubi Max Mustermann

Ein freundliches Gesicht hinter Panzerglas lächelt uns an: “Ihre Ausweise bitte.” Brav übergeben wir unsere Flaneur-Ausweise, dann öffnen sich Schleusentüren und es begrüßt uns Peter Beckmann. Der vertrauenerweckende Mann ist Leiter des Sozialdienstes der JVA Bielefeld-Brackwede und heute unser Reiseleiter. Vorsichtshalber haben wir die Vierte Gewalt mitgebracht, und zwar in Form von Bettina Wittemeier von Radio Bielefeld. Falls wir hier nicht rauskommen, soll die toughe Frau Bielefeld darüber informieren. Peter Beckmann führt uns durch endlose Gänge, lautstark fallen Stahltüren hinter uns ins Schloss, wir fühlen uns wie in einem Labyrinth aus Beton und Neonlicht. Doch unser keimendes Unbehagen nivelliert der Reiseleiter erfolgreich durch geduldige Erläuterungen. Dann betreten wir eine Zelle, die hier Haftraum heißt, blicken aus dem Zellenfenster und einer von uns murmelt: “Hier riecht’s wie Bundeswehr.” Auch führt uns Peter Beckmann nach draußen, wo wir einen Sportplatz sehen, gesäumt von hohen Mauern und einem Wachturm klingonischer Bauart. Links erstreckt sich ein Hafthaus, aus dem Stimmen zu uns herüberwehen.

Wer inhaftiert ist, hat Glück, wenn er die Zeit für eine solide Berufsausbildung nutzen kann. Das passiert derzeit drei Inhaftierten, die Auszubildende in der Lehrküche der JVA sind. Hier üben sie das Basteln filigraner Köstlichkeiten, die anschließend probeweise an Mitarbeiter oder Gäste verfüttert werden. Genau deshalb sind wir hier. Peter Beckmann öffnet uns die Tür zum Speiseraum der Lehrküche. Hier lächeln uns sogleich zufriedene Gesichter an: Besuch von der Fernuniversität Hagen. Als Starter erwartet uns schmackhafte Würzbutter mit hausgemachtem Brot. Und ruckzuck stehen herzlich dekorierte Miesmuscheln vor unseren Augen, lecker überbacken. Sofort aktiviert Bettina Wittemeier ihr Mikro und zeichnet unser Schmatzen auf. Als Hauptgericht fungiert Elsässer Flammkuchen mit Mischsalat. Ebenfalls sehr gelungen. Zum Nachtisch lässt uns köstlicher Blaubeerquark lustvoll aufstöhnen. Abgerundet wird die Völlerei durch einen finalen Espresso. Wir sind uns einig: Diese Lehrküche hat unser Flaneur-Siegel verdient. Hernach schenkt uns Küchenchef Jürgen Richter, ein Mann mit vorbildlichem Elan, eine beeindruckende Führung durch seine große Knastküche. Jeden Tag erschaffen hier unter seiner Leitung neun Bedienstete und 30 Inhaftierte Futter in diversen Varianten für 1.000 Menschen. Eine Herkulesaufgabe, wie wir anhand seiner Detailschilderungen staunend erkennen müssen.

—> JVA Bielefeld-Brackwede, Umlostraße 100, 33649 Bielefeld

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