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22. Dez 2015

Wunderbare Meierwelt

Die Ravensberger Straße hat viel zu bieten: Norbert Meier vor seinem Schaufenster

Die Ravensberger Straße hat viel zu bieten: Norbert Meier vor seinem Schaufenster

Heute wollen wir Norbert Meier besuchen. In der lauschigen Ravensberger Straße führt der umtriebige Mann einen erstaunlichen Laden für Modellbaubogen aus Karton. Aber: Was genau sind eigentlich Modellbaubogen? Schon 1990 erregte Norbert Meier Aufsehen, als er den kühnen Entwurf einer Brunnenskulptur für den Stadthallenneubau präsentierte: Vor dem Stadthallenkreuzer sollte eine Walfischschwanzflosse in die Höhe ragen.

Nun betreten wir sein sorgfältig arangiertes Ladenlokal und lassen unsere Stauneaugen schweifen: Überall stehen und hängen filigrane und pompöse Papiermodelle. Darunter entdecken wir den Zeppelin namens Der fliegende Musketier, einst ein dicker Werbegag der Wicküler-Brauerei. Beim Stichwort Zeppelin beginnt Norbert Meier zu schwärmen und verrät uns, wie er als Knabe im heimatlichen Tonnenheide (bei Rahden) einen Zeppelin am Himmel entdeckte. Fortan gehörte sein Herz der großen Familie Luftschiff. Mit Unverständnis musste er feststellen, dass es keine Bastelbogen für Luftschiffe gab, also entwickelte der gelernte Modelltischler und diplomierte Foto-Designer kurzerhand selbst einen. Dabei ist maßstabgerechte Präzision gefragt, die das Original von der 3. Dimension in die 2. Dimension übersetzt. Der Bastler verwandelt den Modellbogen anschließend wieder zurück in die 3. Dimension. Heute ist Norbert Meier ein Fachmann für Modellbaubogen, der seine Schätze in verschiedene Erdteile liefert. Sein Internetladen ist 24 Stunden am Tag geöffnet. Außerdem ist er ein vielgefragter Experte für Auftragsarbeiten. So baten ihn die Basler Verkehrsbetriebe um das Modell ihrer neuen Straßenbahn. Und das Stiftmuseums im österreichischen Klosterneuburg wünschte sich einen Modellbogen des Gasballons von Wilhelmine Reichard, bekanntlich Deutschlands erste Ballonfahrerin. Noch unvollendet ist seine Arbeit an einer neuen Papiervariante des Hermannsdenkmals. Auch erfahren wir, was ein Papierautomat ist. Norbert Meier demonstriert uns das am Beispiel von Wimbledon-Zuschauern, die ihre Köpfe stoisch hin und her drehen.

Weil wir so nett sind, stellt uns Norbert Meier sogar seine zahlreichen Mitbewohner vor. Die er natürlich alle selbst gefertig hat – bis auf die Chinchilla-Damen Gisela und Kati. Die weiteren Mitbewohner gehören zur Gattung der Viecher und heißen Phönix und Oskar und Günter. Besonders gern widmen wir uns der blaue Ratte, denn sie wollte in den 1990er-Jahren in eine der damals sehr angesagten Bielefelder Tanzclubs einziehen: „Die Blaue Ratte“, Mauerstraße 36, wo heute das Irish Pub residiert. Aber der Inhaber zeigte kein gebührendes Interesse an dem entzückenden Viech – was sich schnell als Fehler herausstellte, denn mit diesem attraktiven Maskottchen als Türsteher wäre die Gaststube sicher noch heute vital. Aber nun verabschieden wir uns, denn der nimmermüde Mann hat noch zu tun. Eine umfangreiche Auftragsarbeit muss heute noch fertig werden. Zum Abschied schenkt uns Norbert Meier bezauberndes Lakritzkonfekt. Allerdings – wie könnte es anders sein – müssen wir es erst ausschneiden und zusammenkleben. Wunderbare Meierwelt.

—> Norbert Meier, Ravensberger Straße 49, 33602 Bielefeld

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