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04. Feb 2016

Wirtshaus mit zwei Gaststuben

Zapfer Marcel Weber, Wirtin Nasrin Haideri, Koch Marco Hennebaum, Azubine Vivien Rüdiger

Zapfer Marcel Weber, Wirtin Nasrin Haideri, Koch Marco Hennebaum, Azubine Vivien Rüdiger

Das Haus am Anfang der Jöllenbecker Straße ist mehr als ein Jahrhundert alt. Als erster zog hier 1899 der Rossschlächter Heinrich Niedieck ein und verkaufte Fleisch und Wurst an die Nachbarschaft. Aber schon nach wenigen Jahren verwandelten die Eheleute Wilhelm und Amanda Drewing die Metzgerei in ein Gasthaus – und das ist es bis heute geblieben. Von Anfang an lautete der Name „Zur neuen Börse“, wenn auch bald sanft verkürzt zum bis heute noch aktuellen „Neue Börse“.

Soviel zur Historie, aber was ist mit der Gegenwart? Heute besteht die Gasthaus gleich aus zwei Gaststuben. Die vordere Stube ist klein und rustikal und die hintere groß und modern. In der hinteren Gaststube leuchten Sinnsprüche von den Wänden, von Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe oder von Soziologieguru Niklas Luhmann. Wir lassen uns in der vorderen Stube nieder und studieren die Speisekarte. Sie ist löblicherweise nicht überladen, bietet aber trotzdem divergente Speisegattungen an. So wird der aktuelle Burger-Bedarf ebenso bedient wie der traditionelle Pizza-Wunsch. Wer hier eine Pizza ordert, sollte Hunger mitbringen, denn sie wird im Wagenradformat geliefert, Beispiel: Pizza Olympia mit papierdünnem Knusperboden. Auch wird der Fleischhunger effektiv bedient, etwa durch den Bauernspieß mit Bratkartoffeln (Obacht: Unser Dokufoto entstand erst nach Beginn der Nahrungsaufnahme) oder durch die Bielefelder Krüstchen mit Spiegelei (dito).

Nach vollzogenem Sättigungsvorgang wird parallel zum nächsten Frischpils biergleitendes Knabberzeug gereicht, was immer eine schöne Geste ist. So voll beide Gaststuben noch vor kurzer Zeit gewesen sind, so schnell und quasi komplett haben sie sich jetzt geleert. Das Volk ist satt und hat sich heim getrollt. Also bitten wir Wirtin Nasrin Haideri nun zu uns und lassen sie aus ihrem Leben erzählen. Wir hören einer offenbar mutigen Frau zu, die 2001 als Aushilfe in der Neuen Börse zu arbeiten begann und schon seit 2013 das Gasthaus in Eigenregie führt. Mit Koch Marco Hennebaum kann man übrigens bestens über Pickert fachsimpeln, denn der Mann ist gebürtiger Lipper. Außerdem weist er uns darauf hin, dass er hier nur einmal die Woche die Leute versorgt. Also müssen wir wohl noch einmal einkehren, wenn der Chefkoch Dienst tut. Am besten zur Biergartenzeit, denn die Neue Börse hat einen üppigen Innenstadt-Biergarten, der sogar regentauglich ist. Als uns Nasrin Haideri auf einen Kurzen einlädt, notieren wir wohlwollend, dass die Neue Börse einen ausgesuchten Branntweinvorrat pflegt. Nun wandert die Uhr auf Mitternacht zu und wir wollen uns endlich verabschieden, aber vorher erfüllen wir Nasrin Haideris Wunsch, uns ins Gästebuch einzutragen.

—> Neue Börse, Jöllenbecker Straße 32, 33613 Bielefeld

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