Blog

15. Okt 2007

Ein guter Platz am Ende der Nahrungskette (inzwischen Geschichte)

meistergrill
Meister-Wirtin Stavroula Pappa und Meister-Sohn Michalis kennen nur Qualitiät

Der Speisesaal ist eindeutig eine Wohnstube. Niemand gabelt sich einsam was zum Futtern in den Schnabel, sondern in kleinen und größeren Grüppchen sitzen die Esser frohgemut beisammen und beplaudern sich beim großen Abendmahl im Meister-Grill. Stammgäste, die hier zur Bestellung schreiten, erkennt man am entrückt-glücklichen Gesichtsausdruck. Stammgast Wolfgang, der gerade seine große Cola light und einen Fleischberg nach Art des Hauses geordert hat, bestätigt uns ausdrücklich, dass der Besuch im Meister-Grill seinen Zufriedenheitsfaktor deutlich erhöht. Woran liegt das? An der flotten Bedienung durch Familie Pappa, die im Sekundentakt ansehnliche Fleischteller produziert? Oder an der Freundlichkeit, mit der das Gastgespräch geführt wird? Wahrscheinlich ist hier alles von Bedeutung. Beeindruckend ist auch die kreative Speisekarte, z.B.: „Schweinchen Dick“ finden Sie weltweit vermutlich nur hier als eine Speise, die nicht für Kinder gedacht ist. Ein Meister-Grill-Teller könnte eh einen ganzen Kindergarten sättigen. Was ebenfalls Vorbildcharakter haben dürfte: Das Gyros lässt sich Familie Pappa nicht im Schutze der Dunkelheit von dubiosen Billighändler rankarren, sondern wird von Vater Pappa eigenhändig erschaffen. Als sein Sohn Michalis (das „ch“ bitte wie in „Dach“ aussprechen – so viel Griechisch muss sein) uns darauf hinweist, strahlen die Augen des fleißigen Seniors stolz in die Gaststube hinein.

Bielefeld hat es übrigens Mutter Pappa zu verdanken, dass sich ein Meister-Grill seit elf Jahren um die würzige Ernährung der Bewohner der besonders langen Voltmannstraße sowie ihrer hungrigen Durchreisenden kümmert. Vorher hatte Frau Stavroula Pappa sieben Jahre im Akkord Wattepolster für Jacketts gefertigt. Als man ihre flinken Hände dort nicht mehr haben wollte, hat Frau Pappa dieselben nicht in den Schoß gelegt, sondern sich für die engagierte Fleischgastronomie entschieden. Ihren Sohn Michalis hat sie extra aus Griechenland herbeizitiert, damit der seine Eltern bei der harten Arbeit unterstützt.

90% der Gäste sind Stammgäste. Viele kommen zwei- oder dreimal die Woche, um sich schmackhaft abfüllen zu lassen. Bemerkenswert ist dabei, dass viele Gäste nach einem hungrigen Gruß sogleich ihren Sitzplatz aufsuchen, aber keine Bestellung aufgeben. Die versierten Wirtsleutchen wissen schon, wonach es wem gelüstet. Viele haben halt ihre ganz spezielle Lieblingskost, die sie immer wieder an diesen guten Platz am Ende der Nahrungskette lockt.

Zum Abschluss beschenkt uns Wirtssohn Michalis mit einer gutmütigen Runde Pilavas. Dieser überraschend milde Anisschnaps ist vornehmlich – so lehrt uns der kluge Gastronom – an der griechischen Westküste beheimatet. Als wir den herzlichen Meister-Grill verlassen, lesen wir mit Schreck, dass montags Ruhetag ist. Aber was machen dann bloß die hungrigen Bewohner der besonders langen Voltmannstraße?? Springt dann die UNO mit Hilfskonvois ein?

—> Meister-Grill, Voltmannstraße 173, 33613 Bielefeld

3 Comments

  1. CANABBAIA (Gast)

    Dass man in Bielefeld mittlerweile gut essen kann, freut mich; wir waren zuletzt vor etwa 20 Jahren dort (bevor meine Eltern starben), und damals sah es weniger gut aus (selbst beim Chinesen hat es nicht geschmeckt). Aber um Weihnachten herum bin ich mit meiner Frau traditionell zu Karstadt gegangen: Schweinebauch mit Kartoffeln und Grünkohl. Hat immer prima geschmeckt [ist uns allerdings nie besonders gut bekommen :-)].

  2. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Da haben wir also, Canabbaia sei Dank, einen kleinen Bericht über die Kaufhaus-Gastronomie: Vor 20 Jahren zum Weihnachtsessen bei Karstadt. Klasse! Bitte weitere historische Details und Bonmots!

  3. sean

    Ja, bei den Pappas kann man sehr gut essen. Hier heisst es jedoch: Montags Ruhetags; und als ich das las, habe ich mich auch erschrocken;-)

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.