Blog

19. Aug 2010

Wo die guten Gitarren herkommen

Ludger Wannenmacher

Ludger Wannenmacher im Schauraum seiner Werkstatt

Heute sind wir arg aufgeregt, denn wir sind in die Werkstatt des Gitarrenbaumeisters Ludger Wannenmacher eingeladen. Natürlich kommen wir nicht mit leeren Händen, sondern haben ausreichend Erfrischungsgetränke und gutes Futter mitgebracht: Extra dicke Portionen gebratene Nudeln – mmh, lecker! Bei einer guten und üppigen Abendspeise lässt sich gut plaudern. So erfahren wir, dass wir uns in einer ehemaligen Fabrik für Damenoberbekleidung befinden (im alten Chefzimmer könnte man sofort einen 50er-Jahre-Film drehen). Auch erhalten wir erste Infos über die Kunst des Gitarrenbaus im Speziellen (Fichte ist gut geeignet, wenn sie kurz vor der Baumgrenze gewachsen ist) und im Allgemeinen (die Herstellung einer Gitarre benötigt gern mal sechs Wochen).

Prall gesättigt folgen wir dem sympathischen Meister in seine Werkstatt. Sie empfängt uns mit passendem Ambiente und schaut doch an jeder Ecke anders aus. Hoch oben unter der Decke lagert das Holz, aus dem die Gitarren entstehen. Sorgfältig ist das Jahr notiert, an dem es hier eingelagert wurde (z.B. 1988). Detailiert und anschaulich beschreibt uns Ludger Wannenmacher jeden Arbeitsschritt seiner Handwerkskunst. Auch in die Geheimnisse des Innenraums einer Gitarre (Fächerbalken!) lassen wir uns mit Stauneaugen einweihen. Den schönen Glanz seiner Klangkörper erzeugt der Meister durch dreißigfaches Auftragen einer Schellackschicht. Ja, Sie haben richtig gelesen: 30mal wird der Lack von Hand aufgetragen und eingerieben. Den Grundstoff für den Schellack produziert eine Laus (kein Quatsch) und Ludger Wannenmacher bezieht ihn in fester Form. Aufgelöst in Alkohol hat er einen angenehmen Geruch, wovon sich unser heutiger Gast Georg Luibl gern selbst überzeugt. In einer schönen Vitrine kann sich der Kunde allerlei Accessoires für sein Schätzchen punktgenau auswählen.

Gitarrenspieler wie Toto Blanke, Reinhold Westerheide, Stefan Gwildis oder Willy Astor nutzen Ludger Wannenmachers Gitarren gern. Eine schöne Geschichte hören wir über eine Gitarre, die von einer Kundin bis nach Texas verschenkt wurde. Der Beschenkte hat dem Gitarrrenbaumeister anschließend eine CD zukommen lassen, die er mit der Gitarre eingespielt hatte. Aber Ludger Wannenmacher kümmert sich nicht nur um die Geburt neuer Gitarren. Man kann man sich auch vertrauensvoll an ihn wenden, wenn eine Gitarre erkrankt ist. Zahlreiche Reparaturen führt er jedes Jahr aus. Mal sind die Bünde abgenutzt oder durch einen Hausunfall ist der Korpus porös geworden – egal, der Meister heilt jede Gitarrenwunde. Am Ende dieses schönen Abends wird unser Erlebnis kulturell bestens abgerundet, denn Ludger Wannenmacher spielt uns schöne Weisen auf einem seiner Kinder vor.

—> Gitarrenbaumeister Ludger Wannenmacher, Buddestraße 9, 33602 Bielefeld

2 Comments

  1. Bohnenrolf (Gast)

    Es gibt sie noch, die guten Dinge. Das ist der bekannte Slogan eines Versandhandels für handwerklich hochqualitative Waren. Schön, dass die Flaneure so etwas auch mal in Bielefeld finden konnten.

  2. christian (Gast)

    Ein sehr lesenswerter und informativer kurzer Bericht.
    Viele Grüße, Christian

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.