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Bielefeld Ideengeber für Ruhr 2010

Nein, das ist nicht unser Ostwestfalen-Damm, sondern (nur) der Ruhrschnellweg
Wir haben einen Wochenendausflug gemacht. Ziel: Kulturhauptstadt Ruhr 2010, und zwar das Still-Leben Ruhrschnellweg. Die A40, Hauptverkehrsader des Ruhrgebiets, war heute für einen Tag autofrei. Millionen Fußgänger, Radfahrer und Rollschufahrer haben sie stattdessen bevölkert Und wir sind dabei gewesen. Unser Verdacht, dass mit diesem aufsehenerregenden Ereignis ein Plagiat unseres weltberühmten Run & Roll Day versucht wurde, hat sich voll bestätigt. Gelassen nehmen wir zur Kenntnis, dass Bielefeld immer wieder Ideengeber für andere Metropolenereignisse ist und gehen natürlich davon aus, dass demnächst Bielefeld Europas Kulturhauptstadt sein wird.
Plagiat hin oder her – es war trotzdem sehr nett. Alle Menschen waren bester Stimmung, und viele kleine und große Kulturbeiträge haben das ihre getan, um uns zu erfreuen. Zum Beispiel eine engagierte Dampfkapelle, die auf Höhe der Dortmunder Westfalenhalle dem Freizeitvolk mit wilden Klängen (Fiesta Mexicana, Walzer und Polka) einheizte. Willig folgten die Zuschauer den Anweisungen des Kapellmeisters, um im Rhythmus der Klänge fröhliche Popo- und Kreiselbewegungen zu vollziehen. Dieses hübsche Beispiel bundesdeutscher Tanzkultur haben wir als Anregung für Ostwestfalen hier in Bild und Ton dokumentiert.
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Futtern gehen in Nordholland – Ein Reisebericht

Unter stolzen Fahnen im Nordseewind: Nahrungsaufnahme in Bergen aan Zee
Ein paar launige Tage haben wir in Nordholland verbracht. Mit wunderbarem Wetter an wunderbaren Sandstränden wurden wir belohnt. Doch das eigentliche Ziel unserer Reisetätigkeit war natürlich die Begutachtung fremdländischer Speisegewohnheiten. Wenn von holländischer Küche die Rede ist, denken viele sogleich an Pommes oder an – wie sie hier gern gerufen werden – Fritjes. Und so sehen sie aus: Fritjes aus Heiloo bzw. Fritjes aus Bergen aan Zee. Aber der kreative Speisezettel der Küstenbewohner ist viel umfangreicher.
Ganz großes Bolschoi präsentiert zum Beispiel Marco Jongert aus Volendam mit “Marc’s Kibbelingexpress”, einer ambulanten Friteuse, die ganz Nordholland bereist und sich dem Kibbeling (Filetfetzen von Seelachs, Seehecht oder Kabeljau) verschrieben hat. In handgerechte Bröckchen zerbröselt werden die artigen Tiere in höllenheißes Fett gegeben, um anschließend mit remouladenähnlicher Salbe (“gratis saus!“) an erwartungsfrohe Fischfreude ausgeteilt zu werden. Gern isst hier das Auge mit.
Ebenfalls heißgeliebt wird Frikandel, ein Fleischbrätprodukt in Stangenform. Nach sorgfältiger Fettgarung wird es der Länge nach aufgetrennt, und in die so entstandene Längsnarbe füllt der Gastronom reichlich Frietsaus (holländisches Mayonnaisederivat) und Ketchup. Außerdem streut er gern frisch gehackte Zwiebel darüber – und fertig ist die weltberühmte „speciaal“-Variante! Für Deutsche ist die passgenaue Servierhilfe immer wieder ein echter Blickfang. Auch daher alles in allem ein sehr erfreulicher Anblick.
Im Status eines Nationalheiligtums befindet sich die Kroket. Im Gegensatz zu unserer Krokette handelt es sich hierbei nicht um frittiertes Kartoffelmus, sondern ist eine ganz eigene Schöpfung. Selbstbewusste Panade umgibt leichengrauen Schleim, der faserige Knubbels enthält und mit dem Geschmack von Gemüsebrühe überrascht. Ungeübte Esser verbrennen sich beim ersten Anbiss traditionell das Mäulchen, denn die Kroket wird friteuseheiß serviert. Beliebt ist die Serviervariante der Kroket im Brötchen. Eine bekannte amerikanische Fastfoodkette bietet ausschließlich in den Niederlanden den McKroket an und hat ihm sogar eine eigene Facebook-Seite spendiert (“52 Personen gefällt das”).
Wer eine Ferienwohnung angemietet hat, um in Selbstversorgung zu machen, kann sich im Supermarkt bei den Fertiggerichten umschauen. Dabei sollte man jedoch beachten, dass viele dieser Gerichte neben einem hochseltsamen Geschmack auch überraschende Nebenwirkungen entfalten können. So sorgt zum Beispiel die “Luxe Lasagne” von “Super deBoer” nach der Zubereitung dafür, dass die Kleidung der Esser für cirka zwei Stunden nach dem Schweiß alter Männer riecht. Wer’s mag.
Natürlich verfügt Nordholland auch über eine gediegene Restaurantgastronomie. Abends im beschaulichen Egmond aan Zee lohnt es sich, bei De Klok einzukehren. Hier erhält man zu jedem Kalbschnitzel oder zu jedem Schollenfilet ein erstaunlich ausgerüstetes Beilagensortiment. Da hat man richtig was zu tun. Bei De Klok ist es übrigens wie in vielen anderen holländischen Gaststuben auch – wenn Sie die Toiletten suchen: schauen Sie einfach nach der Königin.
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Hamburger-Schmaus in der Bergstadt Oerlinghausen

Smpathisches Oerlinghausen: Tobias, Katja und Lars Sommer
Wenn wir nicht ausgehen, sitzen wir gewöhnlich daheim und studieren eifrig die Systhemtheorie des großen Soziologen Niklas Luhmann. Bekanntlich definiert er die Gesellschaft nicht als bloße Ansammlung von Menschen, sondern als “operativ geschlossenen Prozess der Kommunikation” (Wikipedia). Um der Sache auf den Grund zu gehen, haben wir uns entschlossen, nach Lippe zu reisen, präzise: nach Oerlinghausen – was sich übrigens “Bergstadt” nennt, denn es befindet sich sagenhafte 334 m über dem Meeresspiegel. In dieser schwindelerregenden Höhe hat Niklas Luhmann viele Jahre gelebt, und es gibt hier sogar ein Niklas-Luhmann-Gymnasium.
Durch das Dunkel der Winternacht fräst sich unser Automobil seinen Weg. Im Dorfzentrum angekommen, entdecken wir das Gasthaus “Klappe30, Die II.” Hier kehren wir ein und stellen sogleich fest, dass es super passend ist, heute den fabelhaften Schauspieler Georg Luibl als Sondergast mitgenommen zu haben – denn diese Gaststätte ist komplett mit Filmplakaten durchdekoriert. Rappelvoll präsentiert sich der schmucke Innenraum. An einer enorm langen Tafel sitzen und schwatzen Eltern, deren brave Kinderchen, so erfahren wir mit großem Interesse, das Niklas-Luhmann-Gymnasium besuchen. Ab sofort schauen wir immer wieder verstohlen zu diesem Tisch hinüber, denn wo könnte man besser Luhmanns “operativ geschlossenen Prozess der Kommunikation” in Aktion zu bewundern!
Aah, jetzt servieren die freundlichen Wirtsleute unser Abendmahl. Es gibt Cheeseburger, die nicht nur einen akuraten Eindruck machen, sondern auch sehr schmackhaft sind. Nicht schlecht für eine “Bergstadt”! Aber wir kosten auch vom Flammkuchen, dem unser lieber Gast Georg Luibl beste Geschmacksnoten ausstellt. Nach gemütlich vollzogenem Sättigungsvorgang überrascht uns Wirt Tobias Sommer mit einer fulminanten Lage Melmerrotti. Ein milder Zerhacker, der unser Wohlbefinden dergestalt komplettiert, dass wir sogleich damit beginnen, Oerlinghausen zu besprayen respektive die schönste Ecke in der “Klappe30″. Tja, und so haben wir Tobias Sommer glücklich gemacht – sichtlich glücklich gemacht. Beste Grüße nach Oerlinghausen!
—> Klappe30, Die II., Hauptstraße 30, 33813 Oerlinghausen
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Ein Kleinod auf Mallorca: Unser Tusch für La Gloria!

Bäckerei, Museum, Schatzkästchen: Xisca Camps begrüßt uns in ihrem wunderbaren Laden
Ziellos stromern wir durch die herrliche Altstadt von Palma de Mallorca – und dann passiert es: wir entdecken ein verzaubertes Kleinod, die Bäckerei La Gloria. Seit mehr als 50 Jahren produziert und verkauft der sympathische Familienbetrieb in einer unscheinbaren Gasse seine schmackhaften Produkte. Am Verkaufstresen regiert Xisca Camps, die nette Junior-Chefin mit den feschen Sommersprossen. Flink verpackt sie mit solitärem Geschick die köstlichen Enseimadas und die aromatischen Puddingteilchen. Und um sie herum glänzt die Schönheit eines seit mindestens 50 Jahren unveränderten Verkaufsraumes. Herrlich.
Natürlich können Mallorca-Reisende weiterhin ihrem Reiseführer vertrauen und zum Beispiel in der nahegelegenen Bar Bosch einkehren, um eine Enseimada zu verspeisen. Klar, die Bar Bosch ist klasse und das Personal ist hochgradig kompetent – aber gegen einen Einkauf im La Gloria kommen auch die Bosch-Jungs nicht an. Einziges Manko: Vor der Bäckerei fehlen Tische und Stühle. Also müssen wir uns ganz auf den Akt des Einkaufens konzentrieren. Neben Backwaren gibt’s hier übrigens auch vieles andere: Mineralwasser, Feuerzeuge, Süßwaren etc. Aber vor allem gibt’s Ambiente. Doch Obacht, vergessen Sie nicht, einen Blick in die Hinterräume zu werfen. Hier werkeln Xisca Camps’ Mama und Papa, ohne die der Laden nicht laufen würde.
Sensationell: Die Gasse, in der die Bäckerei wohnt, ist nach der Bäckerei benannt. Kennen Sie einen Laden, der sowas von sich behaupten kann?
—> Forn la Gloria, Calle Forn de la Gloria 7, 07012 Palma de Mallorca, Spanien
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Was haben die Flaneure heute auf Mallorca erlebt?

Schlapp schwappt das Meer am Strand herum.
Ein Baum wirft lustlos Schatten.
Wir dösen uns von schlau nach dumm
und liegen matt auf Matten.
Das ist des Touris herbes Los:
Verdammt zu Nichtstun, Faulsein, Schwimmen.
Doch abends dann wird es famos,
wenn San Miguel & Carlos eins in unsre Gläsern springen.

