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3 Beiträge in 'Nahrungsmittelkunde'

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Chicken Nuggets als Brückentechnologie

Ostern im Sauerland, Fundort: Kiosk am Hennesee in Meschede

Ostern im Sauerland, Fundort: Kiosk am Hennesee in Meschede

Neuerungen im Nahrungsmittelsektor werden oftmals von langer Hand vorbereitet, doch das bedeutet nicht, dass sie immer Erfolg haben. So floppte die Einführung des Biosprits E10, weil den Leuten natürlich klar ist, dass Alkohol nicht in den Tank gehört, sondern in den Fahrer. Deutlich erfolgreicher operierten Schnellfutterketten aus Übersee.

Betrachten wir hierzu das Beispiel der beliebten Industrieware “Chicken Nuggets”, also Huhn-Goldklumpen. Schon die Namensgebung gibt Anlass zu Skepsis, denn hier sollen Formfleischbrocken in kulinarisch sinnlos überhöhtem Panadeanpanzeranteil offenbar schöngeredet werden. Ein Tölpel, wer sie dem “vollständigen Tier” (Jake Blues), also dem lieben Brathahn, vorzöge. Selbstredend wohnt dem kompletten Tier ein deutlich kundenfreundlicheres Preis-Fleisch-Verhältnis inne, was die große Schar der Paniermehl-Freunde aber nicht davon abhält, die Brocken kontinuierlich nachzufragen. Inzwischen gart jede Autobahnraststätte die simulierten Goldklumpen im siedenden Fett, und im Sauerland haben sie sogar, wie wir an einem heiligen Ostermontag feststellen durften, den Kultstatus einer offiziellen Osterspeise erreicht.

Wir gehen davon aus, dass dieses Zeug nichts weiter als eine subtile Brücktechnologie hin zum Vegetarismus ist. Jedenfalls lassen Erkenntnisse der Stiftung Warentest keinen anderen Schluss zu: Die frisch servierten Brocken bestehen zu 45% aus Maispanade und zu 28% aus Fett. Die paar Prozente Restfleisch könnte man also auch noch locker runterfahren. Seltsame Welt, der sowas gefällt.

In diesem Sinne: Mahlzeit!

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Vom Sterben der Speisen

Sorglos scherzte man bis tief in die 1980er Jahre hinein, der Deutschen liebstes Haustier sei das halbe Hähnchen. Das galt natürlich auch für Bielefeld. Mit dem Kosenamen Gummiadler wurde der Brathahn verehrt, was ahnen lässt, wie groß die Liebe zu dem nahrhaften Imbisstier gewesen sein muss. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass der schmackhafte Grillvogel einmal die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Imbissgerichte anführen würde. Doch heute fristet er ein Nieschendasein in den letzten tapferen Enklaven alter Hähnchengrillkunst.

Noch düsterer sieht es für das Schaschlik aus. Ein Exot, wer auf Anhieb zwei Bielefelder Schaschlik-Quellen nennen kann. Und erinnert sich noch jemand, wie eine Ochsenschwanzsuppe schmeckt? In aller Stille wurde sie von der Gulaschsuppe verdrängt, und inzwischen muss auch diese ernsthaft um ihre Existenz fürchten. Selbst “die gute alte Currywurst” (Rolf Grotegut) hat in der letzten Dekade erheblich an Bielefelder Terrain verloren.

Aussterbende Speisen haben keine Lobby. Zum Glück, denn allen ist eine Zeitspanne beschieden, und wenn die abgelaufen ist, dann heißt es, Abschied nehmen. An ihre Stelle treten neue Gaumenereignisse, die uns mit den Jahren lieb und vertraut werden. So sind Döner, Gyros & Co. wesentliche Säulen unserer zivilisatorischen Sättigungsroutine geworden, ja “unsere guten Freunde” (Sauerland-Karl). Menschen mit offenem Geist und neugierigem Magen freuen sich schon jetzt auf kulinarische Innovationen, die uns die Zukunft servieren wird. Allerdings stellen wir nicht ohne gewisse Erleichterung fest, dass sich frittierte Taranteln und gefüllte Kakerlaken als Neuerung nicht so richtig durchsetzen können. Ist es der Preis (100 Taler pro Tier), der den Appetit ausbremst? Großes Vergnügen hätten wir hingegen an einer kleinen Retrowelle, sie könnte zum Beispiel die Wiedergeburt der Ochsenschwanzsuppe als coole In-Speise inszenieren. Da würde die Jugend staunen, wovon sich ihre Vorfahren einst voller Wonne ernährt haben. Ochsenschwanzsuppe, Schweinskopfsülze, Lungenhaschee – allein die Namen sind doch schon goldig, oder?

In diesem Sinne: Mahlzeit!

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