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Eine Stadtteilkneipe der Sorte Bielefelder Goldstück

Manda und Stjepan Jularić mit zufriedenen Gästen: Wilbrand’s Krug im 1a Normalzustand
Den heutigen Tipp verdanken wir Thomas Niekamp. Der begnadete Hobby-Koch (“Für das Heilbutteis kocht man Sahne und Milch kurz auf …”) ist nebenher Generalstabschef des Sozial- und Kriminalpräventiven Rates der Stadt Bielefeld. Dieser glücklichen Doppelfunktion ist es zu verdanken, dass er die präventive Kraft guter Speisen erkannt hat: “Wer satt ist, sündigt nicht!” lautet seine wegweisende These. Außerdem lobt er mit überzeugender Mimik den Räuberspieß (sic!) im Wilbrand’s Krug. Auch die Bratkartoffeln sollen wir bloß nicht verpassen, trägt uns der stattliche Mann eindringlich auf. Machen wir doch glatt, und zwar heute.
Mit freundlich geöffneter Tür empfängt uns das Gasthaus. Kaum haben wir Platz genommen, trifft Ingo Wittenborn ein. Der sympathische Radsportfreund (Deutscher Meister & Olympia-Mann!) hat ein neues Fahrrad – und wie weiht er das ein? Natürlich mit einer Fahrt zum Wilbrand’s Krug. “Das ist die beste Kneipe Bielefelds” klärt uns der schnelle Mann auf und liebkost dann engagiert sein Hefeweizen. Und schon sind auch wir an der Reihe, Stjepan Jularić bringt unsere erste Lage Abendpils. Zufrieden notieren wir, dass der Wirt ein Handwerksmeister ist. Der Pilstulpenschaum ist bildhübsch und zeigt deutlich seine Minutenringe.
Und nun zum Essen. Als Starter gibt’s den kleinen gemischten Salat der Sorte “War früher gut – ist auch heute gut”. Modischer Firlefanz fällt also aus. Sodann bestaunen wir unsere Räuberspieße mit Bratkartoffeln und einem alarmroten Klecks Paste. Meingott, sieht das schrecklich super aus! Unser Lieblingsgast Henner hat sich für drei kesse Schnitzelchen entschieden, natürlich mit Bratkartoffeln. Auch sein Teller betört durch seidigen Anblick. Und nun: Anbiss frei! Aaah, sanft drücken wir die Zähne ins Qualitätsfleisch. Konzentriert mümmeln wir Bratkartoffeln. Verzückt lutschen wir Saftzwiebeln. Und in arhythmischen Intervallen fügen wir den Gabelportiönchen dezent die alarmrote Paste hinzu. Eine akustische Glocke aus Schnurren und Schmatzen ruht über unserem Tisch der wahren Glückseligkeit. Wir haben einen Leistungsstützpunkt der Bielefelder Kulinaristik ausfindig gemacht, das ist klar.
Manda und Stjepan Jularić lenken den Wilbrand’s Krug schon seit 16 Jahren. Morgens um 10:00 Uhr wird für die ersten Rentner geöffnet, die manchmal 12 Stunden am Tag hier in ihrem Wohnzimmer verweilen. Ja, zufriedene Stammgäste wo man hinhört. Einer ist seit einem Jahr Rentner und hat sogleich seinen Wohnsitz nach Moskau verlegt. Aber alle paar Monate ist er wieder in Bielefeld – und wo kehrt er dann sofort ein? Dreimal dürfen wir raten. Und Stammgast Hans-Jürgen fällt uns positiv auf, weil er die richtigen Radiosendungen hört: “Die Flaneure”, ruft er, “die kenn’ ich aus dem Radio!” Doch, gute Leute verkehren hier. Neben Essen & Trinken gibt’s regelmäßig, so wird uns berichtet, kollektive Sportwetten, die stets in ein großes Sommerfest münden. Und wenn Arminia spielt, dann funkelt das Sport-TV so groß über die Mega-Leinwand, als sei man live dabei. Ach, wir könnten noch stundenlang erzählen, was wir hier alles erfahren durften. Aber soviel Zeit haben Sie ja nicht mehr, denn Sie wollen doch jetzt los, zum Wilbrand’s Krug, oder? Kann gut sein, dass Sie uns dann dort treffen.
—> Wilbrand’s Krug, Wilbrandstraße 97, 33604 Bielefeld
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Und über allem schwebt Warsteiner: Der Römer-Grill

Die fleißigen Frauen von Babenhausen-Süd: Kornelia Kosionovski und Evangelia Koukotsika
Sie erinnern sich: Die Frau mit dem längsten Nachnamen der Welt hatte uns beim Besuch am Set von My Big Fat Greek Wedding aufgetragen, unbedingt der Imbiss-Stube ihres Bruders einen Prüfbesuch abzustatten. Heute ist es endlich soweit. Der griechische Grill liegt unweit der Stadtbahn-Endstation Babenhausen Süd, also reisen wir elegant mit der Straßenbahn an. Dabei erklären wir unserem Lieblingsgast Henner, der als passionierter Motorist Weltruhm erlangt hat, die Funktionsweise dieses großartigen Verkehrsmittels. Mit großen Kinderaugen stellt er begeistert fest, dass sich das Fahrzeug vorwärts bewegt, ohne dass man den Bleifuß einsetzen muss. Auch dass sich die Türen auf Knopfdruck öffnen, erstaunt ihn sehr. Am Ende der Fahrt beschließt er, sich eine Monatskarte zuzulegen.
Und nun sind wir auch schon angekommen. Der Gastraum bietet viel Platz und wir lassen uns rechts und links von einem antiken Helden nieder, der uns sogleich in eine griechisch-römische Hunger-Stimmung versetzt. Heute machen wir es uns einfach: Wir bestellen die Fleischportion, die am teuersten ist – also Athenteller für alle. Und wir müssen sagen: Ja, der kann sich sehen lassen. Natürlich ordern wir auch Salatteller und zu den Pommes eine schöne Portion Salbe extra. Lieb ist zweifellos, dass hier kein Flaschenbier ausgeteilt wird (sowas kann man auch daheim nuckeln), sondern eine intakte Zapfanlage zum Einsatz kommt. Zahlreiche Arbeitsmänner treffen hier ein, die sich mit einem Gläschen Zapfbier die Zeit vertreiben, bis der XXL-Grillteller zubereitet und für die Heimfahrt verpackt ist. Motto: Das Angenehme mit dem Guten verbinden. Wirtin Evangelia Koukotsika und ihre hyperflotte Mitarbeiterin Kornelia Kosionovski servieren gekonnt und zielsicher, stellen wir mit fachmännischem Blick fest.
Nach dem schmackhaften Mahl lassen wir uns Abschluss-Ouzo servieren. Evangelia Koukotsika serviert derart elegant, dass wir sie spontan fotografieren müssen. Und was macht sie? Sie fragt uns, ob wir “auf Empfehlung der Frau mit dem längsten Nachnamen der Welt” gekommen seien? Hallo! Das ist doch ein Zitat aus unserem Bericht vom Besuch am Set von My Big Fat Greek Wedding. Oho, wir sind also erkannt! Ja, der Fotoapparat, schmunzelt die nette Wirtin, der habe uns verraten. Komisch, fotografieren denn die anderen Gäste gar nicht? Und wo ist überhaupt der Bruder der Frau mit dem längsten Nachnamen der Welt? Der Wirt sei heute zu Hause, erfahren wir, er müsse die Kinderchen ins Bettchen bringen. Aber seine Frau führt den Laden auch ohne ihn top. Können wir bestätigen. Als wir am Ende Bedarf auf Nachtisch (“Irgendwas Süßes!”) anmelden, greift die Wirtin sogar in ihre privaten Bestände und schenkt uns voller Mitleid eine feine Tafel Diätschokolade. Wenn das kein Service ist!
—> Römer-Grill bei Corfu, Babenhauser Straße 16, 33613 Bielefeld
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Motto: “Hast Du Hunger oder Durst, geht zu Baki …”

Vater & Sohn Hand in Hand: Baki und Alper Göçer füttern den real-Markt-Parkplatz
Wir schlendern über den gigantischen Parkplatz am real-Markt. In den Bäumen zur Teutoburger Straße bauen Elstern ein Nest. Der Frühling wird also auch hier erwartet, sicher drücken die Eier schon ordentlich. Uns drückt was anderes. Wir haben einen Mordshunger, da trifft es sich gut, dass wir eine schmucke, kleinen Imbissbude entdecken. An der Eingangstür empfängt uns ein Schild mit interessantem Motto: “Hast Du Hunger oder Durst, geh zu Baki, trink ne Cola und ess ne Wurst.” Im Innern des lichtdurchfluteten Futterkastens sehen wir zwei sehr beschäftigte Männer, denn es ist Abendbrotzeit. Viele Parkplatzkunden fallen jetzt hier ein, aber nicht alle wollen essen: “Drei Kaffee und einen großen Aschenbecher!” bestellen drei handfeste Handwerker und lassen sich an einen der Rundtischchen nieder. Ihr Feierabend soll also mit einer Entspannungszigarette begrüßt werden. Wir hingegen bestellen beißfeste Hausmannskost. Einmal Gyros mit alles, aber auch die Currywurst mit wohlig gesalzenen Pommes und nicht zu letzt den feinen Klassiker Zigeunerschnitzel ohne Beilagen. Schnelle Zubereitung, solide Ware, gute Preise, lautet unser Beschluss, als wir nach vollzogener Nahrungsaufnahme kolletiv und zärtlich aufstoßen.
Auf Qualität legt Baki Göçer wert. Der Hähnchenbratwagen gleich nebenan (darüber hatten wir früher schon kurz berichtet) gehört ihm auch. Hier dürfen nur die Wiesenhof-Qualitäts-Tiere zu 900 Gramm auf den Spieß. Dubiose Billigware hat Hausverbot, betont Herr Göçer ernst. Seit fünf Jahren führt er sein Imbisshaus, Sohn Alper ist fleißig mit von der Partie. Mit Interesse stellen wir fest, dass der Apotheker von nebenan und ein Krankenwagenfahrer hier als Stammgäste begrüßt werden. “Mein Zahnarzt”, lacht Herr Göçer, “kommt auch regelmäßig hier essen.” Ein Imbissbetrieb mit so guter medizinischer Infrastruktur – das ist zweifellos vorbildlich!
—> Imbiss bei Baki, Teutoburger Straße 98, 33607 Bielefeld
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Unser Abend am Set von “My Big Fat Greek Wedding”

Lustig & nett: Wirtin Anna Strymponi und die Frau mit dem längsten Nachnamen der Welt
Alle kennen die liebe kleine Komödie My Big Fat Greek Wedding, und wir haben herausgefunden: Das Set dieses Erfolgsfilms befindet sich in Bielefeld! Jeden Abend treffen sich hier alle Komparsen und verhalten sich genau so fröhlich, quirlig und familiär wie in dem lustigen Film.
Aber erstmal gibt’s ordentlich was auf die Gabel für uns. Nix da Olympia-Boykott, sondern Olympia-Teller für alle! Mit Pommes und Krautsalat und Tsatsiki und Getränken. Eine wunderbare Völlerei bricht los, die wir noch dadurch steigern, dass wir als Nachtisch eine Pizza für alle ordern. Ganz große Pizzabackkunst wird uns gereicht! Am Nebentisch sitzen die Wirtleute Anna Strymponi und Ioannis Koukotsikas mit griechischen Freunden. Eine superlustige Runde, mit der bestens zu plaudern ist. Pachalia Papatriautalyllou, die Frau mit dem längsten Nachnamen der Welt und Cousine von Wirtin Anna, verrät uns ihren Gastro-Geheimtipp: “Mein Bruder macht in Babenhausen den Römer-Grill – da müsst ihr unbedingt mal hin!” Ioannis Koukotsikas, Fahrer des Olympia-Home-Service, beeindruckt uns mit einem Bericht aus seinem früheren Arbeitsleben: 15 Jahre Kopfschlächter in Werther/Westfalen. Trotzdem hat er sich seinen Sinn für Süßes nicht nehmen lassen. Als er von der letzten Pizzaauslieferung zurückkommt, hat er für die ganze turbulente Gesellschaft süßen Kuchen aus einem griechischen Café mitgebracht. Sogar wir bekommen ein Törtchen kredenzt – köstlich!
Zu später Stunde bereichert Milos Ukena, ein Freund der Familie, unsere fidele Runde. Der sympathische Mann hat in seinem Tattoo-Studio den letzten Kunden optisch veredelt und will nun den Abend gemütlich abrunden. Sogleich outet er sich als Freund unseres Weblogs, so dass wir ihm automatisch einen Flaneur-Aufkleber für sein Auto überreichen. Milos Ukena revanchiert sich mit einem top Angebot für alle Flaneure-Fans: Er garantiert das Flaneur-Logo als Tattoo zum Super-Dumping-Sonderpreis. Wir sind begeistert und vereinbaren sofort einen Termin bei dem Tattoo-Künstler. Und als er uns dann noch verrät, dass er Mitglied im Bielefelder Tabakskollegium ist (Mitgliedsausweis-Nr. 21), schließen wir ihn vollends in unser großes Herz. – Für diesen insgesamt wunderschönen Abend erklären wir den Grill Olympia einstimmig zu unserem Lieblings-Grill des Monats. Ja mas!
—> Grill-Pizzeria Olympia, Detmolder Straße 51 (Ecke Bielsteinstraße), 33607 Bielefeld
—> Blitz-Lieferservice durch Ioannis Koukotsikas: 0521 – 61217
Hinweis am 01.09.2008: Lesen Sie auch unseren Update-Bericht
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Bio-Schnitzel mit Bio-Bier für Bielefeler Bio-Flaneure

Gutes Essen, gutes Bier und gute Laune gibt’s da, wo der Siegfriedplatz am schönsten ist:
(v.l.) Claudia di Nuzzo, Kathrin Gehring, Iris Korać und Fred Gehring kurz vor Mitternacht
“Wenn die Gattin und ich mal was Gutes essen wollen,” teilt uns Nico H. seinen familiären Geheimtipp mit, “dann gehen wir zum Koch am Siegfriedplatz.” Eine klasse Traditionsgaststätte sei das, und die Wirtsleute seien obendrein sehr nett. Solche Empfehlungen setzen uns natürlich sofort in Bewegung.
Moderne Bistro-Atmosphäre ohne überflüssigen Schnickschnack empfängt uns. Gut besucht, der Laden. Man plaudert bei Bier und Wein. Unser Lieblingsgast Henner kennt hier jeden zweiten Biertrinker und muss viele Hände schütteln. Das kann dauern. Wir lassen uns derweil das erste Bierchen servieren und spülen erleichtert den Straßenstaub eines langen Tages hinunter. Dann ziehen wir auch schon um in die hintere, ruhigere Gaststube. Durch einen Knick im Raum-Zeit-Kontinuum befinden wir uns plötzlich in den 80er Jahren: Die legendäre “Kajüte”, die damals für ihre Spätverköstigung geliebt wurde, scheint auferstanden. Ja, wir erinnern uns genau, hier haben wir seinerzeit um null Uhr lecker was auf die Gabel bekommen. Schön zu sehen, wie alte Elemente des Kajüten-Interieurs in das neue Konzept integriert wurden. Ein bisschen Hamburger Hafen schaut uns beim Essen zu – und das mitten in Bielefeld.
Den heutigen Tag haben wir zum Bio-Tag erklärt: Zum Bio-Schnitzel lassen wir uns Bio-Bier servieren. Das passt bestens zusammen und schaltet unser Stimmungsbarometer auf Hurra! Allerdings müsste unser Lieblingsgast Henner nun langsam den Heimweg antreten. Der gute Mann ist heute von einer turbulenten Messe in Heilbronn zurückgekehrt und ohne Umweg direkt bei uns aufgeschlagen. Doch daheim wartet seine Tanja. Also zeigt er schon nach einer guten Stunde mit ernster Mine auf das Zifferblatt seines sportlichen Chronometers und betont, dass wir ihn nun garantiert nicht mehr halten könnten. Das sehen wir sofort ein, und nach nur einer weiteren guten Stunde intensiver Beratung haben wir alle denkbaren Argumente zusammengetragen, warum er endgültig, sofort und ohne Umschweife gehen muss und entlassen den treuen Mann mit vielen Grüßen an seine liebe Tanja. Sie wird sicher verstehen, dass seine winzige Verspätung nicht zu vermeiden war. Henner trifft jedenfalls keine Schuld. Wir sind Zeugen.
Und dann gesellt sich Wirtin Kathrin Gehring zu uns. Ruckzuck hat sie uns gewonnen – eine patente Frau, mit der gut plaudern ist. Erst einmal bedanken wir uns für das köstliche Essen, doch dieses Lob reicht sie gleich an Ihren Mann Fred Gehring weiter, der zufrieden, aber durchaus geschafft nach vielen Stunden Arbeit endlich die Küche verlassen kann. Und dann beantwortet sie bereitwillig all unsere vielen Fragen zur Geschichte Ihres Traditionshauses oder zur brillianten Idee mit dem Straßenausschank per Straßenbahn auf dem Siggi und welche Hürden es dabei zu überwinden galt. Sie wollen das alles auch wissen? Dann werfen Sie einfach mal einen Blick in die Speisekarte, da steht zum historischen Warm Up schon eine ganze Menge drin. Den Rest erzählen Ihnen die Wirtsleute und deren außerordentlich fittes Personal sicher auch gern. Wenn es zu später Stunde im Gastraum etwas ruhiger geworden ist.
—> Der Koch, Rolandstraße 15, 33615 Bielefeld

