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115 Beiträge in 'Alle Futterkrippen'

Wie wir zu Thalis-Männern wurden

Indien in Bielefeld: Koch Jaman Singh und Geschäftsführer Karamjeet Singh

Indien in Bielefeld: Koch Jaman Singh und Geschäftsführer Karamjeet Singh

Sollten wir Zweifel haben, wo wir heute eingekehrt sind – der indische Wandschmuck mit den fröhlichen Göttern ist eindeutig. Kaum haben wir dankbar das erste Abendpils angetrunken, steht auch schon ein Knusperteller mit 3-Farben-Tunken vor uns. Mutig wenden wir uns ihm zu und lernen dies Ensemble als nettes Unterhaltungsprogramm kennen. Als wir dann die Vorspeisenteller erhalten, bestaunen wir sogleich die symbolträchtigen Formen dieser fremden Speise. Die Kernmasse besteht aus verschiedenen Gemüsen, die im Teigmantel gesotten wurden und uns effektiv sättigen. Bis der Auftritt der Thalis-Platten erfolgt.

Selbstverständlich ist Ihnen bekannt, dass “Thali” in der indischen Gastronomie eine Mahlzeit bezeichnet, die aus verschiedenen Bestandteilen zusammengestellt ist. Thalis werden meist mit kleinen Metallschälchen serviert, die Fleisch, Gemüse und allerlei Beilagen enthalten. Daher erhalten wir unsere Thalis-Varianten auf einer edelstahlblitzenden Metallplatte, die verschiedene Auffangbecken besitzt. Unser heutiges Hauptgericht setzt sich zusammen aus den drei Abteilungen Fleisch-Thalis (herzhaft gewürzt), Fisch-Thalis (freundlich gewürzt) sowie Vege-Thalis (auch gewürzt). Alle Speisen munden uns sehr und verwandeln uns in zufriedene Thalis-Männer mit prall gefüllten Bäuchen. Gibt es einen schöneren Zustand? Zum Abschied erhalten wir einen goldgelben Mangolikör, mit dem wir auf eine gute Zukunft von ganz Bombay anstoßen.

—> Bombay, Herforder Straße 42, 33602 Bielefeld

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Juwelen der Frittierkunst

Großes Pommesglück: Daniel Mobers (Der Belgier) umsorgt Marcel Schulz (Der Hungrige)

Großes Pommesglück: Daniel Mobers (Der Belgier) umsorgt Marcel Schulz (Der Hungrige)

Wo die Schelpsheide auf die Jöllenbecker Straße stößt, da wohnt der Belgier. Sein Pommeswagen (belgisch: Friterie) ist gar nicht zu übersehen, denn er ist signalgrün angemalt. Zur Begrüßung schenkt uns der Belgier eine kluge philosophische Beweisführung, warum Cola light kein geeignetes Fast Food-Begleitgetränk sein kann. Alsdann absolvieren wir einen Soßenlehrgang, denn hier gibt es eine bestens sortierte Soßenbar. Von allen Sößchen – eine aufregender als die andere – reicht er uns liebe Kostproben über den Tresen. Diese Leckereien, so erfahren wir interessiert, kauft er regelmäßig selbst in Belgien ein.

Schließlich gönnen wir uns schöne Gedecke: Pommes mit individueller Soße plus Frikandel spezial – und sofort vergeben wir Bestnoten. Dabei fallen Sätze wie “So müssen Pommes schmecken” oder “Dass ich sowas noch erleben darf”. Spontan knien wir für einen stillen Moment nieder und danken dem Meister für das große Glück. Beim Belgier sind Pommes reine Handarbeit. Vor unseren Augen packt er eine Kartoffel in die Pommesmaschine und ratsch! – fällt die Pommesrohware in seine Hand. Nach eigenen Berechnungen hat Daniel Mobers auf diese Weise schon 10 t Kartoffeln verarbeitet.

Wenn Sie beim Belgier die köstliche Frikandel spezial ordern, dann scheuen Sie sich bitte nicht, nach der artgerechten Essweise zu fragen. Nur soviel sei verraten: Messer sind überflüssig, man isst sie völlig unfallfrei nur mit der Gabel. Anerkennend beobachten wir, wie eine fürsorgliche Mutter ihr liebes Kindchen mit belgischen Nahrungsmitteln füttert. Gern öffnet Madeleine ihr Schnäbelchen, um die guten Pommes-Goldstückchen verabreicht zu bekommen. Kein Wunder, denn das Kindchen spürt: Cuisine belge – très bon!

—> Friterie vom Belgier, Jöllenbecker Straße 220, 33613 Bielefeld

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Seltene Gemültlichkeit verflossener Zeiten

Sorgen wie Eltern für ihre Gäste: Koch Peter Strate und Zapferin Kerstin Geßler

Sorgen wie Eltern für ihre Gäste: Koch Peter Strate und Zapferin Kerstin Geßler

Ein fieser Dauerregen peitscht durch die abendliche Arndtstraße. Fluchend retten wir uns in die Gaststätte Kochsiek – und schon geht die Sonne auf! Jedenfalls mental. Denn in der schmucken Gaststube ist es muckelig (Heizung auf volle Kanone), gemütlich (Stammgäste bei legerer Freizeitlektüre) und menschenfreundlich (Pilslieferung in Nullkommanix). Wohlgestimmt schauen wir uns um. Die Gaststube verströmt die seltene Gemültlichkeit verflossener Zeiten. In solchem Ambiente zechten einst unseren Großväter. An den Wänden bewundern wir die Werke alter Meister, und an Theke und Tischen sehen wir ausschließlich männliche Gäste. Besteht da ein Zusammenhang? Bevor wir dies Rätsel lösen können, liefert uns die grundsympathische Kerstin Geßler (Migrationshintergrund: Saarland) die Köstlichkeiten der Küche.

Gleich doppelt müsssen wir die Note “lecker” vergeben, sowohl für das Schnitzel mit einseitig gebratenem Spiegelei als auch für das Schnitzel mit doppelseitig gebratenem Spiegelei. Als erfreulich erfrischend erweisen sich die hierzu gereichten lieben Beilagensalate. Und auch der Grühnkohl ist so, wie er sein muss: abgrundtief schmackhaft. Außerdem ist das Kotelett mit Kräuterbutter und Bratkartoffeln zu loben. Und dann widerfährt uns auch noch das ganz große Kochsiek-Filetglück. Am Ende ist die logische Folge alldessen, dass unsere Teller alle hübsch blankgeleckt sind. Dafür belohnt uns Kerstin Geßler mit einer astreinen Getränkemischung, bei der ein heimischer Wacholderbrand eine bedeutende, um nicht zu sagen: nachhaltige Rolle spielt. Am frohen Ende stellen wir einstimmig fest: Bielefeld hat Glück, dass es das Kochsiek gibt!

Übrigens verlässt man das Kochsiek nicht, ohne bemerkenswertes Zusatzwissen erworben zu haben, als da wäre:
Stammgäste, die die Syllogismen des rumänischen Aphoristikers Emil Cioran mögen, bevorzugen solche Bierdeckel.

—> Gaststätte Kochsiek, Arndtstraße 45, 33615 Bielefeld

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Persisch futtern? Natürlich in Bielefeld!

Nettes Pers-Team: Wirtsleute Mehrdad und Shima Sadeghi mit Mutter Fahimeh Gharmani

Nettes Pers-Team: Wirtsleute Mehrdad und Shima Sadeghi mit Mutter Fahimeh Gharmani

Beim Berliner Platz, hoch über dem stadtbekannten Cheers, verstaubte zwei Jahre lang die ehemalige Gaststube einer vergessenen Glutamatausgabe. Doch endlich haben kluge Gastronomen zugegriffen und die prima Räumlichkeiten komplett durchrenoviert. Daher präsentiert uns nunmehr eine riesige Fensterfront einen relaxten 180°-Blick auf den hochurbanen Kern Bielefelds. Zu verdanken haben wir das der sympathischen Familie Sadeghi. Sie stammt aus Persien (genauer: aus der Stadt Shiraz), hat jedoch bei der Gastraumgestaltung fast vollständig auf persisches Ambiente verzichtet. Motto: Modern und aufgeräumt, statt Folkloreoverload. Lediglich ein Gemälde weist unzweifelhaft auf den lukullischen Schwerpunkt hin. Vermutlicher Titel dieses Wandschmucks: “Die Kellnerin reicht dem durstigen Gast ein nettes Gläschen“.

Großes Ahh! und Ohh! löst der attraktiv gestaltete Vorspeisenteller aus. Was so hübsch sortiert ist, löst außerdem eine kleine Diskussionen aus, wem denn nun was besser mundet – die Gürkchen, die Würzsalbe, der Fleisch-Pflanzen-Fladen? Man kann sich nicht einigen und isst alles hübsch auf. Und dann geht’s nahtlos weiter mit dem Hauptgericht. Als Erstes wird ein dermaßen luftig-lockerer Reis gereicht, wie er uns bisher noch nicht untergekommen ist (mit niedlichem Safran-Top). Aber dann wuchtet Servierer Nima Sadeghi die Pers-Grill-Platte auf unseren Tisch. Was die Pers-Grill-Platte beinhaltet? Ganz einfach: Vier Kubideh, ein Bakhtiary sowie einen Barg. Noch Fragen? Am Ende haben wir alles schmatzend aufgefuttert und sind glücklich & satt.

Doch das Sättigungsgefühl vergessen wir gleich wieder, denn Fahimeh Gharmani beschenkt uns mit einem köstlichen Dessert. Datteln, gefüllt mit Walnüssen und veredelt mit Rosenöl – schmeckt nicht nur super, sieht auch edel aus. Dazu reicht Shima Sadeghi feinen Tee, der mit Blütenblättern aus Shiraz veredelt wurde. Als überraschend geschmeidig offenbart sich übrigens das von Shima Sadeghi zu späterer Stunde empfohlene Maisgetränk aus Kentucky. Weil es mit Zitrönchen und Salz gereicht wird, sehen wir uns zu fröhlichen Experimenten veranlasst, die unser heutiger Begleiter Dr. Michael Neu mit einem ebenso fröhlichen Prösterchen gekonnt sekundiert.

—> Pers, Herforder Straße 29, 33602 Bielefeld

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Unter notarieller Aufsicht: Flaneure in Sieker

Restaurant Hollmann in guten neuen Händen: Wirt Zejlko Facko mit unserem Prüfsiegel

Restaurant Hollmann in guten neuen Händen: Wirt Zejlko Facko mit unserem Prüfsiegel

Heute betreten wir Neuland, heute lassen wir unseren Prüfgang erstmals notariell begleiten. Hierzu begrüßen wir als Gast keinen Geringeren als den allgemein hochgeschätzen Notar Volker Küpperbusch (links, beim Prösterchen mit unserem lieben Henner). Extra für ihn haben wir eine gastro-historisch bedeutsame Lokalität ausgewählt: Das Restaurant Hollmann! Jahrzehnte hat hier Heinrich Hollmann ganz Sieker glücklich gemacht. Inzwischen hat er das Wirtszepter an Zejlko Facko weitergereicht – und wie wir alsbald feststellen dürfen: Der neue Wirt wacht erfolgreich über die gute Hollmann-Qualität.

Üppig, süffig, große Sache, so deklarieren wir das Schweineschnitzel Teutoburg. Hierbei gilt natürlich die ostwestfälische Volksweisheit: Wer die Bratkartoffel nicht ehrt, ist des Schnitzels nicht wert. Das Bauernschnitzel erfreut nicht nur den Landmann, sondern auch uns hungrige Stadtstrolche. Nett, erfrischend und belebend macht sich dabei der Hollmann-Beilagensalat. Extra großes Seelenglück verursacht der extra schöne Grünkohl mit Fleisch und Wurst. Vollbeladen und bester Stimmung präsentiert sich daher schon bald unsere Tafel im wunderbaren Restaurant Hollmann.

Zur weiteren Stimmungseskaltion trägt der fürsorgliche Wirt bei, weil er keinen Mangel an lieben Getränken aufkommen lässt. Viel Anklang findet dabei der Alte Dessauer, immer ein schöner Gruß aus Rietberg. Auch gefällt uns die Führung durch die verschiedenen Räumlichkeiten, die uns Wirt Zejlko Facko zu später Stunde spendiert. Enorme Raumkapazitäten werden uns dabei offenbart sowie Trophäen erfolgreicher Taubenzucht, ein Hobby, das Heinrich Hollmann noch heute liebevoll pflegt. Am Ende kürt unser treuer Herr Sölter seine eindeutige Lieblingstrophäe: Eine goldene Zapfanlage. So findet ein goldener Abend seinen goldenen Abschluss.

—> Restaurant Hollmann, Otto-Brenner-Straße 77, 33607 Bielefeld

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Die Bielefelder Flaneure freuen sich über die Hilfe von:


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