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25.03.2011

Freitag ist Jordantag (inzwischen Geschichte)

Zwei, die super zusammenpassen: Jordan-Chef Ecki und unser seriöses Flaneurlogo

Zwei, die super zusammenpassen: Jordan-Chef Ecki und unser seriöses Flaneurlogo

Eine der großen Bielefelder Traditionsgaststuben ist fraglos das Jordan. Diese schöne Bierschwemme wohnt an der munteren Stapenhorststraße (Ecke Siechenmarschstraße) und kann auf eine lange Bewirtungsgeschichte zurückblicken. Bereitwillig gibt Rolf Morchner, der weise Hobbybiertrinker vom Siegfriedplatz, sein historisches Wissen preis. Vom Brüderschafttrinken mit westfälischem Kornbrand, das die Wirtin jedem neuen Gast bescherte, weiß er amüsant zu erzählen. Oder von den Außenlampen, die in den Werkstätten eines Bielefelder Metallbetriebes gefertigt wurden. Allerdings habe die Werksleitung, ergänzt Morchner mit ernster Mine, nichts von dem Engagement ihrer Mitarbeiter geahnt, doch offenbare diese handwerkliche Hilfe eine tiefe Verbundenheit der Gäste mit ihrer Trinkstube. Und was macht das Jordan heute?

Schon 2003 hat ein Inhaber- und Generationswechsel stattgefunden. Der neue Wirt ist Ecki und der schildert auf Wunsch gern, wie er hier damals alles durchrenoviert hat. Sogar der rustikale Holzfußboden (kein Laminatscheiß!) ist sein mühsames Werk. Dabei hat er innenarchitektonische Umsicht bewiesen und der alten Wirtsstube die gute Seele erhalten. Seit einigen Jahren öffnet er das Jordan nur noch freitags. Während der Woche verkauft Ecki Profi-Espressomaschinen, aber der Freitag gehört dem Jordan. Flott und zielsicher serviert uns Ecki eine hübsche Lage Rheder Bier (nein, nicht Rheda Bier!). Die schlanken braunen Flaschen haben unsere volle Sympathie, denn sie enthalten ein schmackhaftes regionales Produkt und außerdem kann man am nächsten Morgen damit vielsagend kalauern („Bin gestern unter die Rheder gekommen“ – haha). Erdnüsse, die vollkommene Bierergänzung, ziehen wir mit kleiner Münze aus einem wunderschönen uralten Automaten, der die Gaststube schmückt und sogar meistens funktioniert. Defekte behebt Ecki sofort, und zwar unter beherztem Einsatz seines Korkenziehers.

An der Theke haben es sich Frau Barbara und der Bielefelder Volksschriftsteller Volker Backes bequem gemacht. Zufrieden schauen sie in die Welt und bestätigen uns, dass sie „immer wieder gerne“ im Jordan einkehren. Gegen 23 Uhr trifft eine Schar junger Menschen ein, die unter fröhlichem Geplauder grüne Bierflaschen leert, um dann im Kickerraum ein engagiertes Turnier zu eröffnen. Und dann lernen wir Eckis „Leslie Nielsen“ kennen. Ein Minicocktail auf Jägermeister-Basis, von dem Herrr Backes weiß, dass er vor Erkältungskrankheiten schützt – und tatsächlich, wir fühlen auch Stunden später noch keine Erkältungsanzeichen. Zu fortgeschrittener Stunde testen wir den Espresso. Dazu bitten wir Rolf Grotegut um ein Fachvotum. Der stadtbekannte Erfinder des Miner’s Coffee (jetzt M Kaffee) hat keine Zweifel: „Sehr gut!“ urteilt er begeistert und ordert sogleich weitere Tässchen Leckerespresso. So rundet sich ein schöner Abend bestens ab, und wir freuen uns schon auf den nächsten Freitag, wenn es heißt: Freitag ist Jordantag.

—> Jordan, Siechenmarschstraße 2, 33615 Bielefeld

13 Comments

  1. diete

    schade das nur freitags offen ist :-(

  2. M.M.

    DANKE für den tip! im jordan bin ich schon ewig nicht mehr gewesen

  3. jan

    Sieht total nett aus. Gehe ich diesen freitag mal hin.

  4. olav

    Hallo Ecki.
    wir, Nik und ich, wollten vielleicht mal die Kneipe mieten. Was kostet der Spass und was muß man alles in eignleistung vollbringen.
    Ne antwort wäre nett, ansonsten schaue ich mal vorbei. LG Olav

  5. Bielefelder Flaneure

    Das Jordan ist geschlossen. Ein Bauzaun umgibt das schöne Haus, das alsbald abgerissen werden soll. Im Februar 2014 soll dann dort ein Bestattungsunternehmen einziehen. Ein herbes Omen für den Bielefelder Westen…

    1. olaf

      Bedauerlich was aus dem JORDAN geworden ist.Bin selbst dort aufgewachsen.
      Schade das dieses alte Gemäuer einem Friedhofsgebäude weichen musste…….
      Salam Aleikum

    2. olaf

      Da hat Ecki sich soviel Mühe gegeben und versucht was echtes ordentliches draus zu machen.Das ist ihm auch allemal gelungengen.Schade das es so geendet hat.
      Möchte noch mal anmerken: ich kenn das Haus und „Wände sprechen Bände“.

  6. Arno

    Schade, dass ausgerechnet im Bielefelder Westen die Partei so gerne gewählt wird, die mit ihren Maßnahmen in der NRW-Landesregierung dafür sorgt, dass man bald anstelle jeder Kneipe ein Bestattungsinstitut errichten kann!

    1. Bielefelder Flaneure

      :-)

    2. olaf

      Dem kann ich nur beistimmen.

    3. olaf

      Nachsatz: Tja mit dem Tod lässt sich ne Menge Geld verdienen so die Gedanken anscheinend auch der Landesregierung.!!

  7. uschi

    es gibt dinge im leben die man nicht ändern kann!

  8. Olli

    Schade um das ganze Haus, das dort nun nicht mehr steht.
    Schade um die ganze Kneipenmeile: Tinneff, Fidibus, Adee!
    Schade auch um Jordans besten Koch: R.I.P.

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