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Bielefelder Begegnungen, heute: Johanna Falk

Kontrolleurin
Bielefeld bei Nacht: Vorn Johanna Falk, im Hintergrund eine vorbeihuschende Straßenbahn

Wir Bielefelder lieben unseren öffentlichen Nahverkehr. Seit ihm vor neun Jahren der launige Name moBiel angeklebt wurde, ist unsere Begeisterung nicht mehr – Achtung, Wortspiel! – zu bremsen. Allein im vergangenen Jahr haben sich erstaunliche 43 Millionen Fahrgäste durch unser ruheloses Bielefeld rollen lassen. So viel zum Thema Großstadt Bielefeld. Entspannt erwerben die Fahrgäste im Jahnplatztunnel ihre neuen Fahrausweise, wohlwissend, dass ihre Psyche hier nicht durch ein möglichst absurdes Tarifgestrüpp geplagt wird. Denn moBiel ist gottlob nicht die Bahn AG, die den Fahrgast zu ihrem natürlichen Feind erklärt hat.

Sanft rumpelt unsere Straßenbahn durch die mild beleuchtete Herbstabendstadt, und wir lauschen gebannt den Berichten unserer Begleiterin. Johanna Falk, außen nett und innen tough, hat ihr Studium mit dem bizarren Job einer Fahrscheinkontrolleurin finanziert und konnte dabei mehr Lebensweisheit tanken, als jedes Psychologie-Grundstudium zu bieten hat. Welche Linie ihr besonders leidig gewesen sei, wollen wir von der Kontrolleursveteranin wissen und erwarten Tadel in Richtung Stieghorst oder Baumheide. Ach, seufzt die junge Frau, die einzige Problemlinie sei die Linie 4, Richtung Universität. Hier gedeihe eine sehr spezielle Klugscheißer-Sorte Mensch, zu der das BWL- oder Jura-Studium ebenso gehöre wie die schnippisch vorgetragene Weigerung, zum Semesterticket auch den Personalausweis vorzuzeigen. Diverse Vorträge in Besserwisserdeutsch habe sie ertragen müssen, um zu erfahren, dass sie eine besonders miese Kreatur sei, die sich rechtswidrig aufspiele.

Wir steigen bei der brandneuen Sieker-Endstation aus (wo peinlicherweise vergessen wurde, eine Toilette zu installieren) und begeben uns zum köstlichen Abendmahl in die Taverna Attika. Hier hören wir weitere goldene Linie 4-Kuriosa, wie die mit dem reifen Herren im feinen Zwirn und mit edlem Aktenkoffer, der panisch die Straßenbahn verließ und im Laufschritt Reißaus nahm.

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