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05. Sep 2007

Die drei Damen vom Generotzki-Grill

generotzki
Von diesem vorbildlichen Betriebsklima träumen Millionen:
Conny und Barbara mit ihrer Chefin Gudula Wenzel, geb. Generotzki

Die appetitfördernste TV-Serie der Welt war natürlich „Drei Damen vom Grill“. Damit verschafften uns Brigitte Mira, Brigitte Grothum und Gabriele Schramm viele unvergessene Fernsehstunden mit würzigem Imbissbudenambiente. Noch heute schwärmt jede After-Grimmepreis-Party davon. Völlig vergessen ist hingegen, dass die weiblichen TV-Figuren nach original Bielefelder Vorbildern geschaffen wurden – nach der Belegschaft unseres heimischen Generotzki-Grills!

So jedenfalls glauben wir uns sogleich zu erinnern, als wir in der kleinen Imbissstation an der Herforder Straße zu Gast sein dürfen. Fensterfronten umwickeln geschickt dies Kleinod traditioneller Gockelzurichtung. Und am Tresen dann drei Frauen, die wissen, wie die Welt tickt und vor allem wie man zack-zack-zügig das zusammenstellt, was sich König Gast heut’ am liebsten wünscht. „Einmal Halber mit große Pommes rotweiß!“ erschallt auch schon die schnörkellose Abholaufforderung. Und König Gast greift lüstern zu, zahlt seinen Taler und trägt die schmackhaft dünstende Speise im blickdichten Plastiktütchen zum familiären Kleinwagen.

Merkwürdig: Die zu dieser Abendstunde in großer Zahl eintreffenden Gäste tragen unisono ernste Gesichtszüge zur sommerlichen Streetwear. Sorgenschwer wirkt die Gastseele, wenn der Blick über die Generotzki-Warteschlage und dann über die Generotzki-Speisetafel gleitet. Was sind die Gründe für das ernste Starren? Wir befragen unseren Flaneur-Psychologen, und der weiß Rat.

Das Betreten einer Imbissstube, analysiert der kluge Kollege fundiert, wecke zwangsläufig Archaisches in uns. Vor der Grillpforte noch Einwohner des 21. Jahrhunderts, mutiere der Gast hinter der Pforte sogleich zum Neadertaler, der die Höhle der Sippe betrete und großen Hunger mit sich führe. Zwar sehe er das Feuer mit dem garenden Mamutfleisch, doziert der Herr Psychologe weiter, aber dann erblicke er auch die vielen anderen Höhlenbewohner, die ebenso wie er Anspruch auf ein Mamutkotelett erheben – und schon wuchere seine Sorge, er könne heute leer ausgehen. Unter diesen herben Bedingungen habe sich übrigens, wechselt der Psychomann noch kurz ins Germanistische, schon zu Urzeiten das heute noch viel gelobte Imbissdeutsch entwickelt. Markenzeichen: Floskelfrei auf das Wesentlich reduziert und für jedermann, den Hunger plagt, verständlich: „Einmal Rotweiß und einmal Curry ohne.“

Und nun sind auch unsere Brattiere gabelfertig. Reinstechen, Fetzen abzerren, zum Mund hebeln und Kauvorgang starten. Ah, endlich lecker! Auch Schnitzel, die nicht auf den Teller passen, lassen wir uns zuführen. Doch, doch, fein satt wird man bei Generotzki. Und staunt dabei nicht schlecht über die kernige und ehrliche Fröhlichkeit der Grillköniginnen im weißen Kittel. Ein Betriebsklima de luxe ist hier sicht- und hörbar, woran auch die Chefin ganz offenbar nicht unbeteiligt ist. Immerhin ist Gudula Wenzel eine geborene Generotzki. Sie hat also einen alten Bielefelder Grilladel weiterzutragen; das verpflichtet.

—> Imbiss-Stube Generotzki, Herforder Straße 166, 33609 Bielefeld

12 Comments

  1. rosmarin

    psychologen sind sich ja nie einig. daher hat der flaneurslesende psychologe eine ganz andere theorie ob der ernsten mienen beim betreten des grillhäuschens:
    der sich bereits erwachsen und unabhängig wähnende gast muß vermutlich einige wenige stufen hoch steigen. das steigert die ehrfurcht…. und dann steht er plötzlich da, der gast, vor der übermutter. der herrscherin über nahrung oder hunger…. der zunehmende speichelfluß im gastmund verstärkt die regression in die uralte abhängigkeit von der mutterbrust, zugegeben auch wenn wir es hier mit mutterhuhn zu tun haben….
    🙂

  2. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Nicht schlecht, Frau Rosmarin, diese Erklärung hat auch Kraft. Vermutlich finden sich unter den ernsten Starrern beide Fraktionen – und: vielleicht gibt es noch eine dritte Variante? Aber das kriegen wir jetzt nicht raus, denn wir sind noch zu sehr mit dem Bestaunen Ihrer Simpsonisierung beschäftigt.

  3. rosmarin (Gast)

    REPLY:
    et voilà

    http://www.simpsonizeme.com

  4. Der Dings aus Bums (Gast)

    Und ich sah, das es gut war.

  5. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Ahh, der Vorsitzende des Generotzki-Fanclubs! Willkommen und schöne Grüße!

  6. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    (Haben im Moment leider keine Zeit, sich um ihr Weblog zu kümmern, weil sie sich gerade dringend simpsonisieren lassen müssen: die Flaneure)

  7. Nina (Gast)

    Ein schönes Foto!

  8. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Ja, verehrte Frau Nina, möglicherweise sogar unser Schönstes. Vielleicht sollten wir ein Foto-Rating einführen …

  9. Schützenhof

    Ja, das waren noch Zeiten als Gundulas Bruder Detlef noch den Schützenhof in Heepen hatte..

  10. Gudula Wenzel

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  11. VILLA CHAOS

    Also halbe Hähnchen sind sicher eine sehr leckere und bekömmliche Speise, besonders bei Generotzki; aber die BRATWURST!, die muß unbedingt erwähnt werden. Eine wahrhaft köstliche, würzige und herausragende Spezialität des Hauses. Für mich die beste im Bielefelder Raum. Die Pommes leicht und fluffig dazu… man möchte auf dem Parkplatz zelten!

    1. Bielefelder Flaneure

      Ein schöner Kommentar.

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