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30. Jun 2016

Jubiläum: 50 Jahre Kochsiek (mit Video)

1980 vor dem Kochsiek: Horst Lindner begrüßt die Bierlieferanten

1980 vor dem Kochsiek: Horst Lindner begrüßt die Bierlieferanten

Am 1. Juli 1966 eröffneten die jungen Wirtsleute Hilde und Horst Lindner eine Gaststätte in der Arndtstraße 45 und gaben ihr den Namen „Kochsiek“. Den 50. Jahrestag nehmen wir zum Anlass, in Bielefelds gastronomische Geschichte einzutauchen.

Horst Lindner stammt aus dem sauerländischen Werdohl. Schon seine Eltern führen eine Gaststätte, aber die Ausbildung zum Wirt macht er in Essen. Hilde Lindner ist gelernte Ökotrophologin, also eine prima Ergänzung zum Beruf ihres Mannes. 1961 holt Rudi Betzendahl die Lindners nach Bielefeld. Betzendahl ist ein rühriger Geschäftsmann, der eine Reihe von angesagten Gastronomien betreibt. In seiner modernen Bierschwemme Zum Bären, nahe dem Berliner Platz, stellt er Horst Lindner ein. Zu dieser Zeit gibt es in der Bielefelder Innenstadt noch viele Fabriken, deren Arbeiter nach Feierabend den Durst in einer der unzähligen Eckkneipen löschen. Im Bären kehren vor allem Mitarbeiter der Hemdenfabriken Dornbusch und Seidensticker ein. Am Freitag geht es besonders hoch her, denn dann ist Lohntütenball, so dass die durstigen Gäste in Dreierreihen an der Theke stehen. Horst Lindner (rechts im Bild) muss beim Lohntütenball immer für einen zusätzlichen Mitarbeiter sorgen. 1965 erfolgt der Wechsel zum neu errichteten „Winfriedhaus“ des Caritasverbandes im Dekanat Bielefeld, eine Gaststube mit Kegelbahn und Feiersaal, also einer Art katholische Freizeitzone. Hier wird Horst Lindner Geschäftsführer. Vom Dechant kauft er den gebrauchten Ford FK 1000. Ein Transporter, der bestens für die inzwischen wachsende Familie Lindner geeignet ist.

Als Fußballfreund versäumt Horst Lindner kein Spiel auf der Alm. Anschließend kehrt er stets mit Freunden auf ein Abschlussbierchen im „Schützenhof“ in der Arndtstraße ein. Bei einer solchen Gelegenheit erfährt er von der Wirtin Martha Kochsiek, dass sie die Gaststube in junge Hände übergeben will. Und so kommt es, dass Horst und Hilde Lindner selbstständig werden. Von der hochgewachsenen netten alten Dame, die immer eine weiße Schürze trägt, übernehmen sie am 1. Juli 1966 die Gaststube – und wechseln den Namen: Aus „Schützenhof“ wird nun „Kochsiek“, ein Wunsch der Altwirtin, die hier 32 Berufsjahre verbracht hatte. Weil ihr Mann schon früh verstarb, war sie auf sich allein gestellt. In den letzten Jahre steht ihr die Küchenhilfe Martha Ehlenbröker zur Seite, eine als resolut und kommandierfähig bekannte Person. Zu den verschiedenen Räumlichkeiten des Kochsiek gehört eine Kegelbahn, die von 26 Kegelvereinen genutzt wird. Auch gibt es ein schönes kleines Trinkerséparée. Es trägt den Ehrentitel „Lügenbude“, was seit 1972 stolz ein großes Schild verkündet. Der Stammgast und Schriftenmaler Egon Schröther hat es erschaffen. In unserem Archiv befindet sich ein Foto vom Dezember 2007, es zeigt das original Lügenbuden-Schild sowie einige durstige Weihnachtsmänner. Im Jahre 2000 gehen die Linders in den wohlverdienten Ruhestand und übergeben ihr Kochsiek an den inzwischen verstorbenen Heiko Brunken. Seit 2014 heißt das Haus „Greenwich“ und ist Teil einer regionalen Gastrokette.

Und die Eheleute Lindner? Die leben heute glücklich und zufrieden in Gellershagen. Wenn man bei ihnen zu Besuch ist, dann kann es passieren, dass Hilde Lindner genau die Frikadellen auf den Tisch stellt, die sie 34 Jahre lang im Kochsiek gebraten hat – wunderbar!

—> Schauen Sie auch unseren historischen Videoclip: Im Kochsiek 1991

1 Comment

  1. Heike Losch

    Herzlichen Dank für diesen schönen Beitag.
    Heike Losch geb. Lindner

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