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26. Jul 2007

Wo der Brackweder Hahn veredelt wird

Brathahnverkoestigung
Ali Josef Fouad führt das Lebenswerk des Vaters mit Erfolg weiter

Heute sind wir mit einer Dame verabredet. Sie heißt Rosmarin und überlässt der Welt in ihrem erstaunlichen Weblog bezaubernde Sätze wie diesen: „ich habe melvin gezwungen, den maybach für heute gegen einen wüstentauglichen jeep einzutauschen.“ Doch damit nicht genug. Diese nette Dame hatte uns stilsicher einen knusprigen Gastrotipp überreicht: „by the way… das absolut beste grillhuhn gibt es in brackwede in der hauptstraße…“ Wer könnte das missachten! Wir jedenfalls nicht, und daher sind wir nun – erfüllt von prickelnder Vorfreude – auf dem Weg nach Brackwede. Sicher und bequem trägt uns unser kleiner Automobil Richtung Süd-Südost, bis wir die Brackweder Hauptstraße erreicht haben. Nun fahnden unsere Blicke nach einem schrillgelben Signalschild. Und da ist es ja: Ein schwarzer Hahn auf gelbem Grund lädt keck zur Abendspeisung ein. Wir sind am Ziel.

Wir lassen uns draußen nieder, um das Getümmel auf Brackwedes Hauptverkehrsaorta dauerhaft und erstaunt in Augenschein nehmen zu können. Und nun kommt auch schon Frau Rosmarin und bereichert unseren Herrenclub. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich gottseidank aktuell ein kleines Sperrmülldepot, dort holen wir flink für unseren Gast einen Sonderstuhl, denn wir sind heute in voller Mannschaftstärke angereist, da kann die Alltags-Bestuhlung der Grillstube nicht mehr mithalten. Oh Schreck: Frau Rosmarin hat íhren lieben Hund nicht mitgebracht – wer soll denn nun am Ende all die Knochen essen! Aber vor die Knochen haben die Götter das Fleisch gesetzt. Also gilt es, tapfer die dampfheißen Tierhälften zu zerlegen und zu verschlucken. Was uns Servierer Bernhard Deimel – 2001 war er Kellner des Jahres! – mit feiner Aufmerksamkeit & gekonnter Routine serviert hat, sind jedoch keine schnöden Brathähne, sondern (O-Ton:) Masthähnchen. Format, Kauvergnügen und Aroma lassen uns die Bezeichnung ernst nehmen; hier streckt uns Qualitätsware selbstbewusst das feine Schenkelchen entgegen.

Gestern noch berichtete Freund Nico, dass es Mitte der 1960er Jahre zu den großen Freuden seiner frühen Kindheit zählte, alle 14 Tage freitags im kompletten Familenverbund mit dem Kleinwagen von Sennestadt nach Brackwede zu reisen, um im Hähnchen-Grill-Restaurant für jedes Familienmitglied einen halben Hahn zu erwerben. Die braven Tiere wurden jedoch nicht vorort vernascht, sondern zügig nach Sennestadt transportiert und dort alsbald im Kreis der glücklichen Familie als quasi rituelles Abendmahl genossen. Ja, bestätigt uns Wirt Ali Josef Fouad die Geschichte, denn er führe seinen duftenden Laden in der nunmehr zweiten Generation. Vater Fouad hatte schon in den 1950ern damit begonnen, Federvieh zu brutzeln. Ein Onkel, der damals als passionierter Geflügelzerleger tätig war, fungierte dabei als innerfamiliärer Ideenspender. Und so wurden daraus inzwischen 50 Jahre Brathahnverköstigung mit Familientradition. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

—> Hähnchen-Grill-Restaurant, Hauptstraße 86, 33647 Bielefeld

8 Comments

  1. little james (Gast)

    das schlimme an eurem tollen blog ist, dass ich jede woche nach dem lesen des jeweiligen berichts einen riesen hunger auf grillteller oder so habe. hähnchen. das wäre jetzt genau das richtige…mjam 🙂
    ich hoffe, ihr hört so schnell nicht auf zu testen. das wäre wirklich schade!

  2. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Lieben Dank für das nette-nette Lob. Jedoch berichten wir nur weiter, wenn gesichert ist, dass Little James nicht – durch unsere Prüfberichte animiert – sichtbar & unangemessen an Körperfülle zunimmt.

  3. rosmarin

    tatsächlich kellner des jahres??? kein wunder…. fast hellsichtig brachte der werte herr ja noch silbergefaßte zahnstocher hinterher.
    🙂

  4. Matthias (Gast)

    Das will ich auch nicht hoffen, denn nicht nur das Brathuhn, sondern auch das Hühnerfrikassee und die Schnitzel sind dort klasse!

  5. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Ja, Rosmarin, die NW habe sogar, so wusste sein Chef zu beeiden, über den Kellner-Ehrentitel berichtet. Und die Silberfassung der Zahnstocher war ja wohl ein Designgedicht! Danke für die wichtige Ergänzung.

  6. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Hühnerfrikassee & Schnitzel sind dort auch klasse? Matthias, wir nehmen deinen Hinweis natürlich ernst und müssen wohl nochmal einkehren.

  7. Der Dings aus Bums (Gast)

    ist und bleibt Generotzki stadtauswärts rechts an der Herforder.

    Und cross müssen Sie sein, sonst wird der Brater schroff:
    „Nicht so cross? Was wollen Sie, etwa ein SUPPENHUHN? Hier gibts Spitzen-Brathähnchen und die müssen cross sein, sonst könnten wir gleich den Laden dichtmachen. Also nehmen sie das jetzt so … oder sie müssen sich woanders was suchen!“ (aufgeschnappt vor der Währung)

  8. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Diese Spitzenauskunft des Braters ist natürlich eine 1a Empfehlung für sein Haus. Uns ist diese Braterei jüngst beim Warten an der Ampel aufgefallen. Nun setzen wir sie auf aber unsere to do-Liste. Danke für den Tipp!

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