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20. Jun 2016

Großstadtkneipe mit Spätdienst

Nein, das ist nicht der junge Dude, das ist Henning Worm im Gegenüber

Nein, das ist nicht der junge Dude, das ist Henning Worm im Gegenüber

Schon dreimal wollten wir einen Bericht über das Gegenüber produzieren. Aber dreimal sind wir gescheitert. Warum? Weil es dort dreimal viel zu prima war. Am Ende hatten wir hübsch einen kleben und einen bomben Abend erlebt, aber keine Fotos und keine Aufzeichnungen für den Bericht. Doch heute passen wir auf. Denn heute sind wir mit Henning Worm verabredet. Der grundsympathische Mann berichtet Erstaunliches. Als die Kesselbrink-Renovierung ihrem Abschluss entgegen geht, beschließen vier Freunde, eine Gaststube gegenüber dem neuen Skatepark zu eröffnen. Was sie dabei eint: Sie haben allesamt keine Gastro-Berufserfahrung. Aber sie sind aktive Skater, lieben BMX-Räder bzw. praktizieren Freestyle Frisbee. Weil sie just an dem Tag starten, an dem das Rauchen in NRW-Kneipen illegal wird (30.04.2013), orakeln ihnen viele Leute ein Desaster an den Hals. Doch das Gegenteil wird Wahrheit. Heute zählt das Gegenüber zu den vitalsten Gastronomien der Stadt. Das Konzept ist ebenso simpel wie einleuchtend: sturzniedrige Preise, kein Service, geöffnet bis 5:00 Uhr morgens – fertig. Auffällig: Das gesamte Personal tritt erfrischend nett auf, wie zum Beispiel der charmante Zapfer Julio Sevillano. Typisch für’s Gegenüber sind außerdem zufriedene Gäste. Kein Wunder also, dass sie sich ins Alltagsgeschehen einmischen. So werden z.B. die wöchentlichen Kickerturniere allein von Gästen organisiert. Die Turniere finden an superguten Kickertischen statt und die Teilnahme ist gratis.

Die Möblierung ist rustikal und trotzt souverän dem Massengeschmack. Die Wanddeko konzentriert sich auf Wesentliches. Über der Theke bewundern wir ein Gesamtkunstwerk, es ist die prächtige Galerie der Rollbretter. Alle Bretter sind tatsächlich gebraucht und entstammen Fittis umfangreicher Sammlung, die in Fachkreisen als sein Lebenswerk bezeichnet wird. Einmal im Jahr bekommt die Kneipenhülle ein neues Gewand. Dafür reist der Künstler Sokar uno an und bleibt so lang, bis ein stimmungsvolles und filigranes Gemälde fertig ist. Aber beim Gegenüber ist nicht nur die Außenfassade bemalt, auch im Innern ist viel Farbe zum Einsatz gekommen. Und beim Blick nach oben fragen wir uns: LSD-Rausch oder Deckenmalerei? Die Antwort finden Sie bitte selbst heraus. Wunderbar ist auch der nächtliche Aufenthalt in der Außengastro. Wenn hier 50 Leute stehen, fragt man sich allerdings, was wohl die Nachbarn von dem fröhlichen Treiben halten. „Ganz einfach“, antwortet Henning Worm entspannt, „über uns wohnen nur Freude.“ Geht doch! Unser Resümee: Das Gegenüber ist eine Bereicherung der innerstädtischen Kneipenszene und passt bestens zum großstädtischen Ambiente des Kesselbrinks. Prosit!

Gegenüber, August-Bebel-Straße 86a, 33602 Bielefeld

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