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22. Nov 2016

Stockmeiers Schildesche-Fotobuch

Mit dem Buch frisch aus der Druckerei: Fritz Stockmeier vor seinem Fotoladen

Mit dem Buch frisch aus der Druckerei: Fritz Stockmeier vor seinem Fotoladen

Seit zehn Jahren publiziert Fritz Stockmeier Fotokalender mit ausgewählten Motiven aus Schildesche. „Unser Sohn wohnt jetzt in Berlin“, verriet ihm eine Dame beim Kauf des Kalenders und fügte hinzu: „Aber er hängt noch sehr an Schildesche.“ Heimatverbundenheit als Kaufmotiv ist nicht zu unterschätzen, aber Fritz Stockmeiers Fotos sind anders und vor allem mehr als idealisierende Postkartenbilder. Sein Studium und seine langjährige Berufserfahrung sind halt nicht folgenlos geblieben. Und nun hat er sein erstes Schildesche-Fotobuch vorgelegt – eine große Sache!

Fritz Stockmeier wurde 1958 in Bielefeld geboren. Aufgewachsen ist er in Altenhagen, einem Bielefelder Stadtteil, dessen dörfliches Leben mit dem in Schildesche vergleichbar ist. Die Ruhe sowie die Fähigkeit zur Konzentration auf Wesentliches, die Fritz Stockmeier innewohnen, darf also, wer will, als ostwestfälisch konnotieren. Aber vielleicht sind sie auch Ergebnis beruflicher Prägungen. Immerhin hat er früh den Beruf des Vermessungstechnikers erlernt und war an Kartierungen von Bielefelder Flecken beteiligt, deren grüne Wiesen in den Ortsteil Baumheide oder die Bielefelder Universität verwandelt wurden. Der konzentrierte Blick auf die Landschaft, dabei immer von einem festen Orientierungspunkt ausgehend und am Ende in Summe ein vollständiges Bild des betrachteten Objektes abliefernd – die Parallelen zu den Fotografien in seinem Buch drängen sich auf. 1982 dann der Wechsel zur Fotografie. An der Fachhochschule Bielefeld wird er Diplom-Fotodesigner. 14 Jahre ist er der Theaterfotograf der Städtischen Bühnen. Und für überregionale Zeitschriften arbeitet er als Fotojournalist. Wer sich heute in Stockmeiers Laden umschaut, entdeckt dort Fotos von Prominenten, die er in dieser Zeit gekonnt portraitiert hat.

Als er diesen Fotoladen vor zehn Jahren im Herzen von Schildesche eröffnete, wurde Fritz Stockmeier Teil des Dörflichen. Auf jemandem, der vorher Jahre bei einer Fotoagentur in Frankfurt am Main gearbeitet hatte, musste das anregend wirken. Ob beim Spaziergehen oder beim Joggen, Fritz Stockmeier hat seine Kamera immer dabei. Auf diese Weise ist ein ständig wachsender Fotofundus entstanden, aus dem er für dieses Buch schöpfen konnte. Seine Fotos spiegeln einen Blick auf die Häuser, die Straßen, die Landschaft von Schildesche wider, die den Fotografen als Flaneur erkennen lassen. Die meisten Fotos kommen ohne Menschen aus, aber erscheinen trotzdem nicht leblos. Gelegentlich streifen Passanten am Bildrand vorbei, aber sie stören nicht das Dargestellte, sie sind Teil dessen. Plötzlich sind die Straßen voller Menschen, ebenso plötzlich wie der Winter die Stadt erobert hat. Vital treten Licht und Schatten auf. Und wer sehr aufmerksam blättert, entdeckt sogar irgendwo den Schattenriss des Fotografen. Denn zweifellos ist auch er ein Teil von Schildesche.

Festlegen lassen sich Fritz Stockmeiers Fotos nicht. Der Bildermacher ist davon überzeugt, dass jeder Betrachter selbst wissen muss, was er da sieht. Stockmeier versteht sich als Fotoarchäologe, der in geduldiger Kleinarbeit Fundstücke zusammenfügt und das fertige Ganze der individuellen Deutung, Perspektive und Interpretation überlässt. So ist dies Buch ein gelungenes Panorama, dessen Blick über das einzelne Foto hinaus geht. Es lädt ein zum Blick in die Seele von Schildesche und lädt auch ein, dabei unsere eigene Betrachterpsyche mitschwingen zu lassen.

—> Foto Stockmeier, Johannisstraße 25, 33611 Bielefeld

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