Herr Firat hat den Ocakbaşı nach Bielefeld gebracht (inzwischen Geschichte)

Bielefelder Trendsetter: Güner Kizilpınar, Wirt Mehmet Firat, Mustafa Gökçek
Vor ein paar Jahren ging’s los. Eine türkische Futterkrippe nach der anderen hängte sich ein Schild mit der Aufschrift “Ocakbaşı” über die Tür. Macht sich hier, grübelten wir, ein Monopolist mit Namen Ocakbaşı breit? Aber nein, ließen wir uns aufklären, Ocakbaşı heißt nix weiter als “Holzkohlegrill”, und alle Döner-Stuben rüsteten halt grillmäßig nach. Wer aber war die Nummer eins? Wissen Sie es? Bitte einen Tusch für Mehmet Firat, den Bielefelder Trendsetter! Vor sechs Jahren ließ er sich mit seinem Firat-Grill am Kesselbrink nieder und setzte dort den ersten Bielefelder Ocakbaşı unter einer schmucken Messingglocke in Gang. Höchte Zeit, dass wir dem Trendsetter einen Besuch abstatten.
Der Kesselbrink empfängt uns mit schönster Abendsonne, und vor dem Firat locken Tisch & Stühle. Wir lassen uns nieder, bestellen möglichst viel Efes-Bier und die bunte Speisekarte einmal quer. Ja, Bielefeld kann manchmal richtig romantisch sein. Schon bald biegt sich unser Tisch unter der Last der Speisen und Getränke. Serviermeister Mustafa Gökçek hat gut was zu laufen mit unseren Wünschen. Ob Tagesgericht (hübsch würzig), Dönerteller (hübsch saftig) oder Spießgegrilltes (hübsch fleischig) – alles mundet vorzüglich. Und für Unterhaltung sorgt unser Kesselbrink auch. Mal quietschen wilde Autos aufgeregt um uns herum, mal richten Megaphon-Besitzer ebenso launige wie sinnlose Durchsagen an Passanten – immer was los hier.
Und dann bitten wir den Wirt an unseren Tisch. Mehmet Firat ist gastfreundlich, nimmt sich Zeit für uns und beantwortet geduldig all unsere Fragen (“Unseren Döner machen wir selbst.”). Am Ende erhalten wir Aufklärung über die Herkunft des Kebab (“Kebab stammt original aus der Osttürkei.”), eine Einladung ins Firat-Kühlhaus (“Hier ist alles sauber und frisch. Möchten Sie mal unser Kühlhaus sehen?”) sowie eine sehr interessante Einführung in die Philosophie der Aleviten (“Als erstes kommt der Mensch. Dann erst Politik oder Religion.”). Just als wir Mehmet Firat unser Flaneur-Siegel überreichen, treffen Frau Gabika und Herr Oscar ein, die uns als bekennende Firat-Stammgäste sofort bestätigen, dass man hier bestens speisen kann. Dabei zählt Oscars Lob sogar doppelt, denn als erfahrener Küchenmeister der beliebten Kantine des IBZ ist er schließlich vom Fach. Somit rufen wir zum Abschied gern: Vivat Firat!
—> Firat Ocakbaşı, Friedrich-Verleger-Straße 9, 33602 Bielefeld


Mr. Döner (Gast) 21. Mai 2008 15:12
Ausgezeichneter Laden! Ein bis zweimal die Woche bin ich hier. Dönerteller, hammmm!!
Don G. (Gast) 21. Mai 2008 15:36
Die beiden Kollegen sehen nach Übergabe des Flaneur-Siegels aber eher leidend denn erfreut aus.
Bielefelder Flaneure 22. Mai 2008 18:54
REPLY:
Ja, Mr. Döner, Firats Dönerteller kann süchtig machen, das glauben wir gern.
Bielefelder Flaneure 22. Mai 2008 19:02
REPLY:
Die große Freude macht sprachlos. Unser großes Lob macht verlegen. Denn: Kann einem Bielefelder Gastronom Größeres passieren?
Diana Hildebrandt 31. Aug 2011 15:49
Mal ganz blöd gefragt: Sind die nicht einfach an die Wilhelmstrasse (neben der Stadtbibliothek) umgezogen, nachdem der Kesselbrink platt gemacht wurde?
Bielefelder Flaneure 31. Aug 2011 17:20
Das ist keine blöde Frage, sondern eine gute Beobachtung: Herr Firat ist in der Tat mit seinem Laden Richtung Jahnplatz gezogen. Wir sind natürlich schon dort gewesen und waren ganz aus dem Häuschen – allein die Tagesgerichte sind eine Sünde wert: http://www.bielefelder-flaneure.de/firat/