Blog

17. Sep 2013

Bielefelds erste Pizzastube

Nette Geister in Ferdis Pizza-Pinte: Service Julia Buchmann und Koch Kai Cornelissen

Nette Geister in Ferdis Pizza-Pinte: Service Julia Buchmann und Koch Kai Cornelissen

In memoriam Ferdinand Bobenhausen, 1945 – 2013

Ein historisch bedeutsamer Ort der Bielefelder Gastronomie ist Ferdis Pizza-Pinte. 1899 eröffnete hier erstmals eine Schankwirtschaft. Ihr Name lautete Zur Neuen Zeit, doch in Wirklichkeit zog die neue Zeit erst 1971 hier ein. Ferdinand Bobenhausen, ein aus Lippe eingewanderter junger Mann war es, der die Gaststätte in einen ultramodernen Treffpunkt für junge Leute verwandelte – denn Ferdis Pizza-Pinte war Bielefelds erste Studentenkneipe sowie erste Pizzakneipe in einem. Die Pizza war damals ein Novum in Deutschland. Vor allem die Jugend begeisterte sich für diese ebenso fremde wie preisgünstige Speise. Durch Ferdi war sie somit endlich in Bielefeld angekommen. Berühmt wurde der Trendsetter auch durch sein singuläres Live-Musik-Programm. Ob Hamish Imlach, Hannes Wader oder Klaus der Geiger – bei Ferdi wurden Tonträger aufgezeichnet und auch das WDR-Fernsehen kam schon mal hinzu.

„Lieber ein billiges Vergnügen als ein teures Abenteuer“ urteilte Dora Hartmann 1993 in dem Gastrobrevier Zwischen Sekt und Selters über Ferdis Pizza-Pinte und zählte die Jahresringe, die Gäste und Gaststube inzwischen angesetzt hatten. Ferdi hatte sich 1987 als Wirt verabschiedet und anderen Ideen zugewandt (z.B. hausgemachte Pasta zum Mitnehmen, womit er seiner Zeit aber leider voraus war), doch als Gast blieb er seiner Pizza-Pinte treu. Und heute? Im Frühjahr 2013 verstarb Ferdi (die NW berichtete mit schönem Foto), und wir besuchen endlich die Pizza-Pinte, um nach Ferdis Geist zu suchen.

Statt wie früher schnodderiges DAB gibt es heute goldenes Rotingdorfer aus dem gleichnamigen Weiler bei Werther. Wenn Ferdi in der Küche arbeitete, deponierte er seine Filterlose im Ascher beim Durchgang zum Tresen. Heute wird unser Herr Sölter, Bielefelds großes Rauchervorbild, zum leisen Rauchen vor die Tür geschickt. Den Vorspeisenteller erwähnen wir nicht, denn den hätte der junge Ferdi nicht verstanden. Auch Tassensoße zum genormten Jägerschnitzel hätten ihn befremdet. Aber was ist mit der Pizza? Sie trumpft bunt und sättingungspotent auf, steht aber mutmaßlich in keiner verwandschaftlichen Beziehung zu Ferdis Urpizza. Wie auch? Allein der Teig, ihn lieferte damals täglich frisch der Bäcker von der Ecke unten an der Bremer Straße. So wandeln sich die Zeiten. Doch eines ist gleich geblieben: nette junge Leute in der Küche und im Service! Schön, so lebt Ferdis Geist weiter.

—> Ferdis Pizza-Pinte, Schmiedestraße 9, 33613 Bielefeld

8 Comments

  1. €cky

    Nah wo …damals – http://youtu.be/yxD_uI7nqTQ

    1. Bielefelder Flaneure

      Danke für den Link!

  2. Wolli

    War schon 1971 da habe meinen Geburtstag gefeiert mit Hartwig und Hoevi. Jürgen

  3. Wolli

    In der Naehe von Fertis Pizza Pinte hatten wir unseren Übungsraum Five o’clock im Jahr 1968. Unsere Gruppe spielte im Niedermühlenkamp und gewann einen Preis beim ersten Auftritt 1967. Ich spielte Sologitarre und sang. Helmut komponierte unsere Stücke und spielt den Bass. Klaus Rhytmusgitarre, Loni Schlagzeug. Wir spielten Even the bad times are good und Baby come back. Jetzt bin ich wieder in Bielefeld und suche eine Freundin.

    1. Bielefelder Flaneure

      Klasse! Wir lieben Geschichten aus Bielefelds Vergangenheit. Viel Glück bei der Brautschau!

  4. Wolli

    Habe Kurzgeschichten und einen Roman über das Erleben eines Manisch-Depressiven und seine Meisterung des Lebens geschrieben. Wo kann ich ihn wohl veroeffentlichen. Jürgen Volmer

    1. Bielefelder Flaneure

      Da wissen wir leider keinen Rat. Das Verlegerwesen ist nicht unser Metier. Schöne Grüße!

  5. Richard Hau

    War mal mein Wohnzimmer. Habe um die Ecke in einer kleinen Mansardenwohnung gehaust.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.