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29. Jun 2017

Ein erfülltes Berufsleben

Der Meisterkoch bittet zu Tisch: Cornelius Wulle im Jahr 1984

Der Meisterkoch bittet zu Tisch: Cornelius Wulle im Jahr 1984

2011 verabschiedete sich Cornelius Wulle in den Ruhestand, aber bis heute hat sein Name einen großen Klang in der Bielefelder Gastronomie. Ursprünglich stammt der hochgewachsene schlanke Mann gar nicht aus Ostwestfalen, und auch seine ersten prägenden Berufsjahre absolvierte er in völlig andere Regionen. Geboren wurde er in Hamburg und dort absolvierte er auch seine Kochlehre, und zwar beim renommierten Hotel Vier Jahreszeiten. Nach der Ausbildung arbeitete er im Münchner Hotel Vier Jahreszeiten, wo er auch den damaligen französischen Staatspräsident Charles de Gaulle bekochte. Allerdings, berichtet er schmunzelnd, unter den wachsamen Augen der Polizei. Von München triebt es den fleißigen Koch nach Zürich. Berufserfahrung sammeln, das war sein Antrieb. Im Alter von 24 Jahren entdeckte er eine nicht alltägliche Stellenausschreibung. In einer „nordwestdeutschen Kleinstadt“ wurde ein Koch gesucht, Zusatz: „Auto wird gestellt“. Doch der Arbeitgeber wurde nicht genannt. Aber Cornelius Wulle war jung, neugierig und wusste, was er kann. Also bewarbt er sich. Und tatsächlich, nach geraumer Zeit erhielt er eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das Ereignis ist für Cornelius Wulle doppelt unvergesslich, denn es fand just am Tag des legendären Wembley-Tors statt, also am 30. Juli 1966. Mit dem Flugzeug reiste er von Zürich nach Hannover. Am Flughafen wartete ein Pkw auf ihn, der ihn nach Bielefeld brachte. Erst jetzt erfuhr er, um welchen Arbeitgeber es sich handelte – die Familie Oetker suchte einen Privatkoch. Cornelius Wulle wurde eingestellt und bekochte 17 Jahre lang die Familie sowie deren private und geschäftliche Gäste. Noch heute kann er nur Gutes aus dieser Zeit berichten. Als er sich im Juni 1982 als Gastronom selbständig macht, lässt ihn die Famlie Oetker gehen, aber bleibt ihm weiterhin freundlich verbunden.

Tatkräftig übernimmt er die Waterbör, ein traditionsreiches Restaurant im Spiegelschen Forst, das 1980 ein Opfer der Flammen geworden war und nun in neuem Glanz wiedererrichtet wurde. Beim Blättern in seinem Fotoalbum zeigt er uns mit berechtigtem Stolz viele beeindruckende Fotos, wie die von 120 Gästen aus dem kanadischen Ontario. Alle von einer einzigen Familie, die zur großen Familienfeier extra bei ihm eingekehrt war. Oder eine Widmung der Schauspielerin Evelyn Hamann, die als Loriots kongeniale Partnerin unvergesslich bleibt. Sie war mit Cornelius Wulle zur Schule gegangen und besuchte ihn nun in seinem Restaurant. Dem folgen Fotos des damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens, der bei einer Wanderung durch den Teutoburger Wald Rast in der Waterbör machte. Gäste aus Concarneau, der französischen Partnerstadt von Sennestadt, kehrten sowieso bei Cornelius Wulle ein. Außerdem gehörte er zu Die FÜNF, eine schon legendär zu nennende Bielefelder Köche-Vereinigung. Die fünf Meister ihres Faches reisten jedes Jahr in eine andere lukullische Region. Gemeinsam mit ihren Frauen nutzten sie den Sommerurlaub, um nach neuen Kochideen zu suchen. Anschließend präsentierten sie die Ergebnisse ihren Bielefelder Gästen. Cornelius Wulles viele interessanten Schilderungen offenbaren ein erfülltes Berufsleben. Heute lebt der sympathische Mann glücklich und zufrieden mit seiner Frau Martina in einem schönen Haus unter alten Senne-Bäumen. Aber ganz zur Ruhe gekommen ist er nicht. Ab und an rufen ihn Kollegen – denn einmal Koch, immer Koch. Eine Tatsache, die auch private Gäste der Wulles gern bestätigen. Wie schön.

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