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16. Jan 2011

Wo die guten Gravuren herkommen

Immer mit Elan bei der Sache: Alfred Conrad an der Werkbank

Immer mit Elan bei der Sache: Alfred Conrad an der Werkbank

Ein unauffälliger Hinterhof führt uns zu Alfred Conrads Werkstatt. Wir haben eine goldene Taschenuhr dabei, damit Alfred Conrad sie mit einer schönen Gravur veredelt. Nur so kann sie zu einem Geschenk werden, das Anlass angemessen ist. Unter lautem „Dingdong!“ betreten wir das Werkstattkontor, wo uns eine Auswahl des Warensortiments anschaut sowie fertig gestellte Aufträge, die auf ihre Abholung warten. Neugierig werfen wir einen Blick in die Werkstatt und staunen nicht schlecht – so viele Maschinen benötigt ein Graveur? Aber da erscheint auch schon Alfred Conrad. Hilfsbereit fragt er nach unseren Wünschen, die er schnell mit den sinnvollen Vorschlägen eines Fachmanns ergänzt.

Als alles geklärt ist, haben wir noch diese und jene Frage zu ihm und seiner Werkstatt. Daher bietet uns Alfred Conrad erstmal guten Kaffee und ausreichend Zigarettchen an, denn so lässt sich – umgeben von eigenwilligen Maschinen – viel besser plaudern. 1976 habe er seine Werkstatt eröffnet, berichtet er uns, und heute beliefere er ganz OWL mit seiner Arbeit. Mit Freude in der Stimme erzählt er vom letzten Auszubildenden, der Jahrgangsbester von NRW geworden sei. Dann hören wir von der Handgravur, die mehr und mehr verschwinde und von unterschiedlichen Frästiefen, um plastische Wirkungen zu erzielen. Kein Wunder, dass Alfred Conrad im Laufe der Jahre ein „Spezialist für Fummelarbeiten“ geworden ist. Zuerst arbeitet Alfred Conrad am Computer, denn die Gravur wird am PC-Bildschirm entworfen. Dann erst geht es zur Sache. Jeden Arbeitsschritt dürfen wir verfolgen, vom Schärfen des Messerchens bis zur Fertigstellung an der Maschine.

Am Ende verrät uns Alfred Conrad sein Alter. 71 Jahre sei er inzwischen geworden, aber an einen Ruhestand mag er gar nicht denken, denn daheim, so seine glasklare Einschätzung, würde er nur verblöden. So lang er noch gucken könne, wolle er weiterarbeiten. Manchmal schimpfe zwar seine Frau deswegen, „aber naja“, sagt er dann und schmunzelt. Am Ende danken wir ihm für die gute Arbeit und hoffen, dass er OWL noch recht lange mit seiner erstklassigen Gravur bereichern kann.

—> Alfred Conrad Gravurtechnic, Heinrichstraße 5, 33602 Bielefeld

4 Comments

  1. Diana Hildebrandt

    Eine Gravur musste her! Wem folge ich da lieber als dem ausgewiesenen Spürsinn der Flaneure für gediegenes Handwerk? Also auf zu Conrad! Ich kann zusammenfassend sagen: Es lohnt sich. Nicht zuletzt wegen der guten alten Werkstatt, sondern auch wegen Herrn Conrads mit sonorer Stimme vermitteltem westfälischem Humor, der den Zugereisten fein zu irritieren vermag. Lange Rede kurzer Sinn: Hier lernt man noch was. Angenehmer, wie’s nicht sein kann 🙂

    1. Bielefelder Flaneure

      Danke für die schöne Rückmeldung! Dankeschön.

      1. joerg laurien

        Ich kann alles nur bestätigen…ich muss es ja wissen..schließlich war ich bei ihm vor etwa 5 Jahren sein 1. und einzigster Lehrling.. 🙂 wer ihn sieht, kann ihm von mir liebe Grüße ausrichten..Danke!

  2. Jörg Laurien

    Ich war sein 1. und einziger Azubi… 🙂

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