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21. Jan 2016

Nett und anmutig seit 1957

Stets freundlich: Junior-Wirtin Elena Finger im Clubraum

Stets freundlich: Junior-Wirtin Elena Finger im Clubraum

Tatort Bürgerpark: Von der Stapenhorststraße pilgern wir spät abends den langen Weg bergauf. Verheißungsvoll leuchtet in der Ferne das wohlige Licht eines Cafés. Das bemerkenswerte Gebäude wurde am 5. März 1957 eingeweiht. Gemäß dem damaligen Duktus sprach die Bielefelder Zeitung „Freie Presse“ von einem „Fräulein Timmermann“ und meinte damit die Diplom-Ingenieurin vom Stadthochbauamt, die für die Außen- und Innenarchitektur verantwortlich war. Großes Lob der Zeitung: „Ein nettes, in ausgesprochen anmutigem Stil erbautes Café“. Gern schließen wir uns diesem Lob an und freuen uns, dass die heutigen Wirtsleute dem alten Flair huldigen, etwa mit Ansichtskarten oder einem Frauenkopfrelief als kleine Souvenirs von damals. Auch lockt der Clubraum mit hübschem Interieur, und die Bibliothek offeriert ein Buch zum Käffchen. Ganz von heute ist ein riesiges Konvolut Reiseandenken, das die Wirtsleute als erstaunliches Wimmelbild präsentieren. Aber es gibt noch mehr zu entdecken. Auf der Herrentoilette wacht ein güldener Rüsselgott über das Geschehen. Gleich daneben präsentiert sich von der Firma Holste, die übrigens seit 1886 in Bielefeld produziert, eine Flasche Fleckendoktor. Der Kurator dieser Sammlungen sei ihr Vater, verrät uns die freundliche Junior-Wirtin Elena Finger. Ihr Handwerk als Restaurantfachfrau, so erfahren wir von der jungen Dame, hat sie es in der Gastronomie vom Tierpark Olderdissen erlernt. Also quasi gleich um die Ecke.

Aber zu futtern gibt es hier auch was Gutes. So gönnen wir uns den ebenso schmackhaften wie üppigen Schnitzelteller mit Bratkartoffeln und Romanesco. Wird das Schnitzel als Tagesgericht angeboten, dann gibt es dazu ein nettes Gimmick: das Pilsken zum Schnitzel, und zwar in der Niedlichkeitsvariante Kleiner als eine Männerhand. Außerdem ordern wir Leberkäse mit Bratkartoffeln und Salat. Aber wo ist der Leberkäse? Unter den Spiegeleiern hat er sich versteckt, denn er weiß, dass er lecker ist. Sehr menschenfreundlich tritt auch die Kohlroulade mit Rotkraut und Salzkartoffeln auf, so dass wir die Küche loben dürfen. Ein gastronomischer Schwerpunkte des Cafés, so hören wir, ist das Frühstück. Kein Wunder also, dass zu vorgerückter Abendstunde einige Tische in Frühstückstische verwandelt werden. So werden wir also still aufgefordert, zu einem Frühstück erneut einzukehren. Ja, das sollten wir uns tatsächlich nicht entgehen lassen.

—> Café im Bürgerpark, Wertherstraße 88, 33615 Bielefeld

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