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24. Okt 2016

Einer der Letzten seiner Kunst

Hat große Freude an seinem Beruf: Bäckermeister Bernhard Koch

Hat große Freude an seinem Beruf: Bäckermeister Bernhard Koch

Traurig aber wahr: Zum Ende dieses Monats schließt Bäckermeister Bernhard Koch sein Café und seinen Laden. Die vielen zufriedenen Gäste des traditionsreichen Hauses sind bestürzt. Ein schwerer Verlust. Unvergesslich die schmackhaften Torten, ob Stachelbeertorte oder Schwarzwälder Kirschtorte, alle schmecken wie von Oma erschaffen. Auch der Pickert wird hier im Haus produziert, von Martina Sonntag, Bernhard Kochs Lebensgefährtin. Gemeinsam mit Caterina Loukaz und Sladjana Lazic bildet Martina Sonntag das stets freundliche Serviceteam. Natürlich gibt es neben dem Café auch den Ladenverkauf, wo sich kluge Menschen nicht nur Brot und Stuten, sondern auch schöne Kuchenplatten für daheim mitnehmen. Unvergesslich bleibt für uns, als wir beim Genuss der entzückenden Zitronenschnitte plötzlich einen kleinen Zitronenkern entdeckten. Ja, bestätigt uns Bernhard Koch auf Nachfrage, er verwendet tatsächlich echten, also mit der Hand selbst gepressten Zitronensaft für seine Zitronenschnitten. Frage an alle: Wo gibt es sowas heute noch?

Dass hier Handarbeit betrieben wird, beweist nicht nur eine rustikale Waage in der Backstube, sondern auch die Brötchenpressmaschine, die seit 60 Jahren treue Dienste leistet. Natürlich sind auch weitere Maschinen im Einsatz, wie die Knetmaschine, aber oft, so betont Bernhard Koch, ist es halt besser, wenn man selbst Hand anlegt. Das Mehl kommt aus Milse, und neben Brot und Kuchen wird hier auch der Brotbelag für die Frühstücksgäste selbst zubereitet. Auch der Pudding für die Kuchenteile wird von Hand gekocht – „wie bei Oma“, betont Bernhard Koch zufrieden lächelnd. Doch nun geht eine Ära zu Ende, die vor 77 Jahren begann. Im Oktober 1939 eröffnete Bäckermeister Hollmann seinen Laden in der Heeper Straße. Später trat sein Sohn Rudolf die Nachfolge an. Ab 1997 hat Rudolf Koch hier gearbeitet und schließlich Backstube, Laden und Café übernommen. Mit ihm verlässt uns einer der Letzten seiner Kunst. Damit verliert Bielefeld einen ursprünglichen Ort echten Cafégenusses. Sehr schade.

—> Café Hollmann, Heeper Straße 210, 33607 Bielefeld

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