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25. Okt 2012

Wo Bielefeld noch westfälisch ist (inzwischen Geschichte)

Sehr sympathische Gastgeber: Die Wirtsleute Susanne und Ernst Heiner Hueser

Sehr sympathische Gastgeber: Die Wirtsleute Susanne und Ernst Heiner Hueser

Heute treten wir eine Zeitreise an und fahren zum Museumshof Senne. Prächtige Fachwerkhäuser aus vier Jahrhunderten empfangen uns, staunend betreten wir das Gasthaus Buschkamp. Schon seit 1869 wird hier gezecht und geschmaust. Vorher wohl auch, jedoch, so hören wir, ohne Schankerlaubnis. Kaum zu glauben: 1982 mussten Bürgerproteste das herrliche Gebäude vor der Zerstörung retten. Heute ist es ein museal anmutender Hort westfälischer Gastlichkeit, in dem wir gern einen Tisch beziehen.

Die Speisekarte ist erfreulich facettenreich, aber wir konzentrieren uns auf ihre westfälischen Brennpunkte. Ein gaumenfreundlicher Appetizer lässt Großes ahnen, und dann passiert es auch schon: Allerfeinster Wurstebrei bringt uns in Wallung, dazu Rote Bete, eingelegte Gurken sowie Bratkartoffeln, denen wir eine besonders elegante Westfalenhaftigkeit bescheinigen können. Ebenfalls ein Geschenk der Götter ist die gebratene Blutwurst. Sie wird perfekt sekundiert von glasierten Äpfeln, Zwiebeln und Kartoffelpüree. Alsdann widmen wir uns dem panierten Schweinekotelett das mit buntem Wurzelgemüse und den leckeren Bratkartoffeln gereicht wird. Nach erfolgreichem Vollzug des Abendmahls lockt uns ein in schöner Getränketisch. Als erstes Getränk soll uns der Klare von Buschkamp erfreuen. Er ist im hauseigenen Eichenfass gereift. Sowas gefällt uns. Was uns ebenfalls gefällt, ist die Art, wie Maik Sander, der Kellner unseres Vertrauens, eine Flasche Grappa für uns öffnet – gekonnt!

Zum Höhepunkt des Abends werden zweifellos die Gespräche mit den sympathischen Wirtsleuten, und am Ende erhalten wir sogar eine Führung durch’s ganze Haus. Susanne Hueser öffnet uns den Buschkamp-Keller, wo regelmäßig Kleinkunstveranstaltungen stattfinden. Maitre Ernst Heiner Hueser zeigt uns, wo er Brot nach alten Rezepten backt („Die Hefe wurde ja erst vor 150 Jahren eingeführt.“) und offenbart uns eine Schatzkammer des Glücks: Eingekochtes! Da nehmen wir uns doch sofort einen schönen Vorrat mit, z.B. Pickert im Glas. Ernst Heiner Hueser, dessen beruflicher Weg einst im Berliner Kempinski begann, bleibt seinem lukullischen Ethos bis heute treu: „Wir kochen noch alles selbst.“ Womit der Unterschied zur allgegenwärtigen Systemgastronomie hinreichend beschrieben ist.

Als wir uns zu arg vorgerückter Stunde von allen guten Buschkamp-Geistern verabschieden, summt uns der Kopf – so viel haben wir heute gesehen und erfahren. Selbst beim besten Willen können wir Ihnen das gar nicht alles aufschreiben. Daher ist es am besten, wenn Sie selbst mal hinfahren. Glauben Sie uns: Es lohnt sich.

—> Historisches Gasthaus Buschkamp, Buschkampstraße 75, 33659 Bielefeld

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