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25. Jul 2012

Das Wohnzimmer im Bahnhofsviertel (inzwischen Geschichte)

Perfektes Trio: Monika (Service), Oliver (Küche) und Kartoffelschnaps (Hausgetränkt)

Perfektes Trio: Monika (Service), Oliver (Küche) und Kartoffelschnaps (Hausgetränkt)

Heute: Tatort Bahnhofsvorplatz. Zwischen dem Flaneur-geprüften Ay-Grill und einer Fast-Food-Kette mit Massenabfertigung (Name entfallen) wohnt seit Ewigkeiten die stille Bierklause. Ein paar liebe Tischchen vor der Tür laden zum Outdoortrinken ein. Gern nehmen wir diese Einladung an, denn hier ist der Catwalk von Bielefeld, hier bekommt man was geboten. Aber vor allem erfahren wir schon mit der ersten Bierlieferung, wie unser verehrter Herr Sölter mit Vornamen heißt: Helmut. Großartig, endlich haben wir einen eigenen Helmut!

Für’s Abendmahl beziehen wir einen schönen Tisch in der Gaststube. Hier gibt’s tiptop Service mit gute Laune-Effekt, denn Monika ist lieb zu uns. Von unserem Tisch können wir in die Küche schauen. Koch Oliver werkelt emsig, um zu liefern, was unsere Mägen brauchen. Und schon nach wenigen Pilsrunden ist es soweit. Das Schnitzel kommt mit schönen Bratkartoffeln daher und hat ausreichend Mischgemüse als Begleitmusik. Hübsch würzig und ebenfalls gut sättigend tritt das Zigeunerschnitzel auf. Und in der gleichen Liga spielt der Jäger unter den Schnitzeln.

Nach diesem Mahl brauchen wir einen leistungsfähigen Zerhacker. Monika weiß sofort Rat und serviert mit eleganter Hand das Hausgetränk der Bierklause, den altbayerischen Kartoffelschnaps aus Erding. Uah, der tut gut, sowohl im Magen als auch in der Seele. Ebenso gut geht es offenkundig auch den anderen Gästen. 80% seien Stammgäste, erklärt uns Monika. Und für die ist die Bierklause wie ein Wohnzimmer, ergänzen sogleich Helmut, Rüdiger und Klaus. Kein Wunder, dass hier noch die gute alte Tradition des Sparvereins lebt. Als uns Monika mit strahlenden Augen erklärt, dass sie schon 20 Jahre hier arbeite und das jeden Tag immer wieder gern, da verstehen wir endgültig, warum die Bierklause den Stammgästen ein wahres Wohnzimmer ist.

—> Bierklause, Am Bahnhof 1d, 33602 Bielefeld

3 Comments

  1. günter

    Hallo Monika,
    wir kennen uns nicht sehr gut, weil ich nach meiner Pensionierung nur noch selten nach Bielefeld in die Bahnhofsklause
    komme. Bis 2001 war ich auf meinem Nachhauseweg von der Arbeit dort häufiger zu Gast und habe viele deiner Vorgänger kennen gelernt. Es waren teilweise skurile Typen dabei (z.B. mit „Hut“, fast schon ein Original), aber auch sehr angenehme Menschen, wie „Eddy“. Wenn ich heute auch nur alle paar Monate in Bielefeld bin, dann führt mich mein Weg auf jeden Fall zu euch. Ich freue mich dann, eine freundliche Bedienung hinter der Theke zu sehen, der man ansieht, dass ihr die Arbeit Spass macht und die einen Kontakt zu ihren Kunden pflegt, der heute
    leider fast nirgendwo mehr anzutreffen ist. Die „Bierklause“ im Bahnhof Bielefeld ist dank deines Wirkens meines Er-
    achtens die einzige Gaststätte, in der man noch die „Kneipenkultur“ der 50er und 60er Jahre erleben kann. Bitte bleib
    so – ich wünsche dir noch weitere 20 Jahre.
    MfG
    Günter

  2. Oliver Ziech

    Ja …. die Kneipenkultur stirbt jetzt aber langsam vor sich hin.
    Am 22.12.2019 haben wir leider den letzten Öffnungstag. Dann muss die geliebte „Bierklause“ – das Traditionslokal am Bahnhof schlechthin, schließen und einem Hotelbau weichen. Es gibt ja noch nicht genug Hotels in Bielefeld. Allerdings ist nicht nur unsere „Bierklause“ davon betroffen, sondern die ganze Ladenzeile von der „Bierklause“ bis „Back-Factory“.
    Uns und unseren Gästen tut es wahnsinnig leid. Es sind schon einige Tränen geflossen, bei den Gästen, die es erst jetzt im Aushang in der Gaststätte gelesen haben. Auch mir tut es nach 11 Jahren Betriebszugehörigkeit leid einen Familienbetrieb nach 43 Jahren schließen zu sehen.

    Ich wünsche allen unseren Gästen und „Arminia-Fans“ die besonders mir ans Herz gewachsen sind alles Gute und ich bin sicher, dass man sich irgendwo wieder trifft.
    Allerdings gibt es dann in Zukunft weder eine Currywurst noch ein gepflegtes Bier am Bahnhof.
    Und das in einer Großstadt, wie sich das Bielefeld auf die Fahne schreibt.
    Ich wünsche allen Gästen und Freunde, die uns so viele Jahre Freude und Spaß beschert haben im Namen des „Bierklausen-Teams“ alles Gute.

    EUER OLI

    1. Bielefelder Flaneure

      Auweia! Eine sehr traurige Nachricht.

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