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17. Dez 2018

So bunt ist die Stadt

Wieder mit Flaneur-Weisheiten: Bielefelds führende Gastrozeitschrift

Wieder mit Flaneur-Weisheiten: Bielefelds führende Gastrozeitschrift

In der aktuellen Ausgabe der beliebten Zeitschrift BIELEFELD GEHT AUS präsentieren wir wieder – hübsch bebildert – zahlreiche Flaneur-Weisheiten. Nun auch hier online zu lesen! Wir beginnen unseren gastronomischen Bummel in der Altstadt, dann suchen wir nach den Erben der großen Brathahn-Tradition und anschließend gönnen wir uns Leckerkuchen und Edeltee. Am Ende geben wir uns ganz dem Bielefelder Cocktailvergnügen hin.

Alles Handarbeit und hausgemacht – so lässt sich das Arbeitsethos der glücksspendenden Futterkrippe Nohut (Welle 36) zusammenfassen. Sogar die Verpackungen für die Mitnahmespeisen werden von Hand gestempelt. Das ist einer von vielen Hintergrundjobs, die Wirt Cemal Aksu mit Sorgfalt ausführt. „Männer passen nicht in die Küche“, erklärt fröhlich lachend seine Frau Gülay Aksu und schaut stolz zu ihren Mitarbeiterinnen hinüber. Gemeinsam erschaffen die fleißigen Damen überraschende Leckereien und bereichern auf diese Weise den Bunnemannplatz erheblich.

Bis tief in die 1980er Jahre hinein war der Deutschen liebstes Haustier das halbe Hähnchen. An jeder zweiten Straßenecke drehten sich damals die Brathahnspieße und niemand ahnte, dass der schmackhafte Grillvogel einst stark dezimiert werden könnte. Als dubioser Ersatz hat sich eine Industrieware mit dem Kampfnamen Chicken Nuggets nach vorn gedrängelt. Jede Autobahnraststätte schmort inzwischen diese Huhn-Klumpen im Ölbad und teilt sie zu überhöhten Preisen an erschöpfte Pkw-Fahrer aus. Stiftung Warentest weiß, dass die Fake-Nuggets zu 45% aus Maispanade und zu 28% aus Fett bestehen. Wer sowas mag, wird seine Gründe haben. Aber Kenner wissen, dass die ehrliche Zubereitung des zarten Gockelfleischs in tapferen Enklaven überlebt hat. Wie in Brackwede, wo Ali Josef Fouad (Hauptstraße 86) schon in zweiter Generation grillt. Vom stadtbekannten Gourmet Nico Hadamitzky stammt die schöne Schilderung, dass es einst zu den Freuden seiner Kindheit zählte, freitags im Familenverbund mit dem Kleinwagen von Sennestadt nach Brackwede zu reisen, um bei Grill-Vater Fouad für jedes Familienmitglied einen halben Hahn zu erwerben. Die köstlichen Tiere wurden allerdings nicht vor Ort vernascht, sondern zügig nach Sennestadt transportiert, um dort im Kreis der Familie als quasi rituelles Abendmahl genossen zu werden. Heute gehören zu den Helden traditioneller Gockelzurichtung neben dem genannten Ali Josef Fouad die netten Damen vom viel geliebten Generotzki-Grill (Herforder Straße 166) oder die grundsympathische Christa Bartsch mit ihrer vorbildlichen Grill-Stube (Heeper Straße 212). Ja, hier streckt uns immer noch Qualitätsware das feine Schenkelchen entgegen. Die Spur des Brathahns führt uns aber auch ins Grenzgebiet zwischen Heepen und Oldentrup. Hier hat im Mai 2018 Manfred Schulz die Gaststätte Meister (Potsdamer Straße 121) von Guido Schoppengerd übernommen. Schon ab 10 Uhr morgens empfängt der fürsorgliche Mann die ersten Pilsfreunde. Ganz so wie in alten Zeiten, als der Frühschoppen ein bedeutsamer Ort sozialer Kommunikation war. Aber Manfred Schulz’ Gäste wissen auch: Donnerstag ist Hähnchentag. Mit stiller Begeisterung warten dann die Hahnfreunde beim kleinen Pils bis der brave Gockel auch zu ihnen kommt.

In die Bielefelder Gastrogeschichte ist die besonders nette Siobhan Jacklin als Erfinderin der herzigen Kaffeestube „Kleines Glück“ (Ravensberger Straße 34 ) eingegangen. Doch im Sommer 2017 hat sie sich plötzlich nach Lyon abgesetzt. Wie man so hört, der Liebe wegen. Wir wollen das als hinreichenden Grund akzeptieren, vor allem, weil sie eine nicht minder nette Nachfolgerin präsentiert hat. Lena Semmler heißt sie und reproduziert zuverlässig alle köstlichen Kuchenklassiker ihrer Vorgängerin. Die Nachbarschaft dankt es mit regem Zulauf. Sogar Hochzeitsfeiern und Kindergeburtstage füllen die Stube. So schön gehts zu, wo der liebliche Bielefelder Osten beginnt. Allerbesten Schwarztee gibt es übrigens bei Starfrisör Ahmet am Kesselbrink. Das kastanienbraune Getränk verwöhnt mit ätherischen Ölen, überzeugt mit ausgewogenem Gerbstoffanteil und ist süffig im Abgang. Naja, und wenn man schon mal da ist, kann man sich auch gleich die Haare schneiden lassen. Seit fast 15 Jahren eine angenehme Konstante am Kesselbrink.

Große Veränderungen nagen seit Jahren an den Diskotheken. Täglich ein Tanzlokal zu füllen, ist heute nicht mehr möglich. Die Leute trinken weniger und sie feiern weniger. Das letzte Opfer dieses Freizeitwandels war der Elephant Club am Boulevard. Nach 13 Partyjahren war Schluss. Ivo Klumpp und Mirko Schmidt betreiben Partyläden in OWL, sie haben dem alten Elephanten nun ein neues Image verpasst. In der Gaststube lächelt edles Bar-Interieur, die Musik erlaubt Gespräche und im Abort sind die Wasserhähne aus Gold. Der Club heißt jetzt Max Raebel. Den Namen haben die Partyprofis von einem 1946 in Eisenach verstorbenen Musikanten geborgt. Die Belegschaft ist durchgängig sehr nett, wie etwa Servicefee Arielle Brandall. Die kompetente Dame berät und serviert vorbildlich. Da bestellt man gern nach und kann die kumulative Interaktion von Cocktails & Bielefeld am eigenen Leib begutachten. In diesem Sinne: Ein Prösterchen auf den Winter!

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