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13. Dez 2017

Blüten am Wegesrand

Nicht ohne Flaneur-Weisheiten: Bielefelds führende Gastrozeitschrift

Nicht ohne Flaneur-Weisheiten: Bielefelds führende Gastrozeitschrift

Die aktuelle Ausgabe der beliebten Zeitschrift „Bielefeld geht aus“ präsentiert auf vier hübsch bebilderten Seiten wieder Wesentliches aus unseren gastronomischen Protokollen, inklusive einem Abstecher nach Schildesche. Jetzt auch hier zu lesen:

Viele Menschen lieben und pflegen ihre Stammgastronomie. Zweifellos eine nette Angewohnheit. Doch es wäre fatal, darüber den neugierigen Blick auf die kleinen gastronomischen Blüten am Wegesrand zu vernachlässigen. Schnell könnten uns dadurch wertvolle Gaumen- und Lebenserfahrungen entgehen. Wie die bei Gorg Wanas. Wo die August-Bebel-Straße in die Oelmühlenstraße abknickt, hat der fleißige Mann eine Grillstube nach seiner Heimatstadt benannt. Im „VIP Damaskus“ (August-Bebel-Straße 165) serviert er seit April 2017 original syrische Leckerspeisen auf (O-Ton) „einem orientalischen Aromabett“. Und mit zufriedenem Lächeln betont er: „Alles hausgemacht.“ Selbst die Süßwaren. Auch seine Pizza müssen wir rühmen. Der Boden ist erfreulich dünn und knusperfein, der Belag ist perfekt dosiert und souverän abgewürzt. So soll es sein.

Nun gehts wir weiter Richtung Norden. Am Südzipfel des Schildescher Stadtbezirks freuen wir uns auf Alexander Pfeifers „Heiße Kiste“ (Stadtheider Straße, Parkplatz vor dem Mix-Markt). Der kleine Imbisswagen ist ein gastronomisches Unikat, denn er repräsentiert den lukullischen Großraum der ehemaligen Sowjetunion. Ob Pelmeni, also die sibirischen Ravioli, oder Wareniki, also das ukrainische Nationalgericht – allesamt exotische Freuden für unsere dankbaren Gaumen. Heute hat Natalie Becker Küchendienst. Die herzensgute Frau reicht uns kaukasisches Schaschlik und spart dabei nicht mit rohen Zwiebeln, Essig und Freundlichkeit.

Nur wenige Straßenzüge weiter erreichen wir „Holzweiler’s Schnellimbiss“ (Am Vorwerk 33). Hier besuchen wir Marianne Holzweiler. Seit 1980 arbeitet sie in der Imbiss-Branche und führt hier seit nunmehr – Tusch! Jubiläum! – zehn Jahren eine Futterkrippe, deren Speisen zu Recht sehr gelobt werden. Die meisten Gäste sind Stammgäste und kommen, so betont die Grillwirtin, aus allen Ständen. Viele treffen sich hier zum nachbarschaftlichen Plausch oder schütten der Imbissmutter ihr Herz aus. Nicht wenige melden sich sogar ab, wenn sie in Urlaub fahren. Marianne Holzweilers Imbiss ist eine wertvolle Institution für Magen und Herz.

Nun ist Schildesche-City unser Ziel. Im historischen Dorfkern begrüßt uns Fritz Stockmeier. Der studierte Fotograf hat sein Fotofachgeschäft in einem Haus mit besonders schmucker Fassade eingerichtet (Johannisstraße 25). Seit einem Jahrzehnt publiziert der sympathische Fachmann feine Druckwerke mit Motiven aus Schildesche. Sein letztes Buch, anspruchsvoll gebunden und in respektablem Umfang, ist ein – Obacht: Weihnachten naht! – ideales Präsent für alle Schildesche-Liebhaber. Doch heute suchen wir ihn auf, weil der Fotograf auch ein profunder Kaffeehauskenner ist. Sein Vater war Bäcker- und Konditormeister. Ein Berufsleben lang hat er gemeinsam mit seiner Frau für lecker Brot und Kuchen in Bielefeld-Altenhagen gesorgt. Verständlich also, dass sich der Sohn ein Faible für Kuchen bewahrt hat. Mit dieser Eigenschaft weist uns Fritz Stockmeier auf ein süßes Stadtteil-Spezifikum hin: „In Schildesche existieren überproportional viele Cafés.“ Großartig! Also schwärmen wir unter seiner Führung zur vorsätzlichen Tortenvöllerei aus. Wulfhorst, Bürenkemper, Kreft und Lamm lassen uns in der Schildescher Genusswolke schwelgen. Doch leider sind unsere Bäuche irgendwann rund und glatt. Stellvertretend für alle vorbildlich netten Servicedamen der Kaffeehäuser sichern wir uns ein Erinnerungsfoto von Yeliz Öztekin und Emily Mann und verabschieden uns mit den offenen Fragen: Wie viele Cafés gibt es außerdem in Schildesche? Und: Zählen Eiscafés auch dazu? Das wollen wir im Laufe des soeben beginnenden Abends erörtern, gleich um die Ecke bei Gudrun Blechschmidt. Die freundliche Wirtin der angenehmen Trinkstube „De Deele“ (Johannisstraße 36) hilft uns, den angefutterten Blutzuckerspiegel mit wohltuendem Frischpils auszutarieren. Dabei darf der Abend ruhig lang werden, denn in „De Deele“ lebt noch die Gemütlichkeit alter Eckkneipen. Und schon wieder genießen wir ein weiteres lobenswertes Schildesche-Spezifikum.

Ja, der neugierige Blick auf die kleinen Kostbarkeiten am Wegesrand ist immer ein guter Kompass. In diesem Sinne: Guten Appetit und Prösterchen!

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