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09. Aug 2007

Helmut macht ganz Quelle satt

Helmut
Hat gut lachen und um 20 Uhr endlich Feierabend:
Helmut im roten Queller Knusperhäuschen

Wir steuern Quelle an; womit unsere Abenteuerlust hinreichend angedeutet ist. Ein erstaunlich umfangreiches Straßenknäuel bildet – wenn man aus Bielefeld-Kernstadt anreist – das Entrée dieser weitläufigen Ansiedlung. Wir rollen mutig von der pompösen Asphaltkreuzung geradeaus weiter und entdecken linker Hand ein hölzernes Kleingebäude in kirschrot, das sich als Grill-Imbiss tituliert. Rechts und links davon locken Parkplätze unser Automobil zur Rast, also nix wie stop. Unser Abendhunger hat einen Wohltäter gefunden.

Höflich betreten wir das Holzhäuschen und staunen nicht schlecht: Innen ist es viel größer als außen! Zwei Eckbänke und ihre Tische bieten viel Platz zum stationären Verzehr, doch mindestens die Hälfte der Einwohner von Quelle will hier nicht sitzen, sondern steht geduldig Schlange, um sich ambulant mit Schnellfoodprodukten versorgen zu lassen. Beim Wirt-Gast-Kontakt wird kein rudimentäres Imbissdeutsch praktiziert, sondern Helmut, der Fürst der Friteuse, hat für jeden seiner Gäste einen fröhlichen Satz parat. Ob es um’s Erstaunen über Helmuts flinkes Zubereiten geht („Wenn ihr noch keinen Hunger habt, kann ich die Schnitzel ja ’ne Weile warm halten.“) oder ob es um den großen Themperaturunterschied geht, der Quelle und Berlin derzeit unterscheidet („Das liegt am Wetter!“) – Helmut hält für jeden Gast ein passendes Bonmot bereit. Ganz Quelle weiß das zu schätzen, denn die Menschenkette der Nahrungssucher sprengt inzwischen die Maße der kleinen Behausung, und Helmut hat derbe was zu tun. Doch um 19:45 Uhr ist wie auf ein geheimes Queller Abkommen hin urplötzlich Schluss damit. Nun haben sich alle mit Schnitzel, Currywurst oder Brathahn in ihre Queller Musterwohnungen zurückgezogen und zerkauen lustvoll am heimischen Tisch, was Helmut ihnen gebrutzelt hat.

Seit 1970 residiert Quelles Helmut in diesem selbst errichteten Gebäude, erklärt er uns trotz Feierabend gern und freundlich. Auch berichtet der gelernte Koch schmunzelnd, wie er als Lehrling die Löcher seiner durchgelaufenen Schuhe mit Bierdeckeln geflickt habe. Trotzdem habe ihm nix gefehlt, lacht er und wir glauben es sofort. 1989 sei er erstmals durch Tibet gereist, das sei klasse gewesen. Davon zeugen zahlreiche Bilder und Fotos, mit denen Helmut die kleinen Wände seiner Grillstube komplett durchdekoriert hat. Deko sind im Grunde auch seine Nahrungsbeschreibungen: „Currywurst ‚Spezial‘ – echt lecker“, „Unser Renner: Jägerschnitzel – sehr gustiös“, „Fleisch am Stiel – in pikanter Sauce“ rufen bunte Schilder von den hölzernen Wänden.

Später treffen wir Henner und der entpuppt sich als Kenner, und zwar von Helmuts frühen Imbissjahren. Nicht ohne Grund, denn Henners juveniles Wachstum war in den 70ern vor allem auf eine konsequente und regelmäßige Bei-Helmut-Ernährung zurückzuführen. „Helmuts Pommes galten damals als die besten in ganz Bielefeld!“ schwärmt der sportliche Mann noch heute, um dann beim nostalgischen Bericht über die Currywurst von 1979 völlig ins Träumen zu geraten. Auch munkelt Freund Henner kenntnisreich, dass unser Grill-Helmut Fallschirmspringer sei sowie Alpinist. Womit ja wohl endgültig bewiesen ist, dass 37 Jahre Queller Grillinstitution einem Original zu verdanken sind. Hoffentlich bleibt das den Queller Hungermäulern noch lang erhalten.

—> Grill-Imbiss Bei Helmut, Carl-Severing-Straße 63a, 33649 Bielefeld

6 Comments

  1. Marcuswars (Gast)

    ‚Fürst der Friteuse‘ – köstlich! laut gelacht. Gruß Marcus

  2. Brohm (Gast)

    am besten gefällt mir die fast philosophische feststellung: „Innen ist es viel größer als außen!“ sehr schön. bitte, t-shirts davon machen!

  3. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    du hast ja so recht, lieber brohm, danke für den hinweis; das legen wir gleich morgen unserer merchandising-abteilung vor, und du bist dann der erste, der vom ergebnis erfährt

  4. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Hier geht’s um den gastronomischen Adel von Bielefeld, unter Fürst suchen wir niemanden auf. Ist ja klar. Schöne Grüße zurück!

  5. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    und frau rosmarin ist sofort danach die zweite, die das ergebnis erfährt

  6. NW-Leser (Gast)

    Danke für den Link zum Imbissdeutsch! Superklasse!

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