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16. Jun 2008

Glückstag: Nach 111 Jahren endlich Flaneur-geprüft

Susanne_und_Thomas_Bartsch
Lokale Gastro-Legende in vierter Generation: Die Geschwister Susanne und Thomas Bartsch

Die Traditionsschänke empfängt uns gut besucht. Links kloppt eine Herrenrunde engagiert Skat. Rechts futtert eine Damenrunde große Teller blank. Die Wirtsleute und Geschwister Susanne und Thomas Bartsch haben gut was zu tun. Wir stoßen mit kleinem Abendpils gepflegt an und lassen den Tag hoch leben, dann unterziehen wir die Speisen einer ausgedehnten Prüfung. Jägerschnitzel und Schnitzel französischer Art hat uns der Koch gezaubert, dazu schenkt er uns den notwendigen Klassiker Kleiner Salat und eine feine Terrine Bratkartoffeln. Alles ist in bester Gütestufe zubereitet und tröstet den Magen ebenso effektiv wie die Seele. „Mhmm, das war gut!“ brummt der satte Bauch während bärenhafte Wohligkeit unsere Adern durchströmt. Schließlich löschen wir den Fressakt mit einem kleinen Schlussbierchen effektiv ab – und dann geht’s auf-auf zum Kegeln!

Kaum haben wir die grundsolide Kegelanlage in Beschlag genommen, lassen wir es krachen. Bei jedem von uns verschmelzen Muskeln, Sehnen und Augen zu einem hocheffektiven Präzisionsorgan, mit dem wir die Kugeln ins Holz hetzen. Spontan kommt es zur Gründung eines Flaneur-eigenen Kegelvereins, Ehrenpräsident: unser Lieblingsgast Henner. Selbstverständlich beachten wir die Fachanweisungen, die mahnend von der Wand herabschauen, doch erst die stolzen Wimpel der anderen Vereine wecken unser ganz besonderes Interesse: Sowas wollen wir auch haben! Derweil notieren wir zufrieden, dass Wirt Thomas Bartsch auch in den Kegelkatakomben niemanden dehydrieren lässt. In zuverlässigem Rhythmus serviert er routiniert ein Tablett Frischpils nach dem anderen. Nach einigen Stunden wilden Spiels, also kurz bevor der Sportarzt kommt, übergeben wir den lieben Wirtsleuten mit gutem Gewissen unser brandneues Prüfsiegel Flaneur-geprüfte Kegelbahn. Denn, diese Bahn können wir getrost weiterempfehlen.

Ebenfalls weiterempfehlen können wir ein Gespräch mit den Geschwistern Bartsch. Ihre Wirtstube führen sie nicht nur in vierter Generation, sondern sie ist auch ihre Kinderstube gewesen. Da gibt’s also einige Familiengeschichten zu erzählen. Frau Bartsch holt uns sogar eine liebe Portion Familienfotos aus der Wohnstube, und so sehen wir original Blitzlichter aus den 50er Jahren, den 60er Jahren und einen Brauereipferdbesuch aus den 70er Jahren. Ganz zum Schluss bewundern wir das ehrwürdige Kotzbecken im Männerklo. Ein erhabenes Monument traditioneller deutscher Schankstubenkultur. Was es wohl schon alles gesehen und gehört haben mag? Aber: Wollen wir das wirklich wissen? Nein, wir wollen lieber wissen, wie das liebe Hundchen heißt, das als braver Wächter auf dem Weg zur Toilette ruht. Herr Kramer heißt es, erfahren wir, und es gehört natürlich zur Familie.

—> Hotel-Restaurant Bartsch, Viktoriastraße 54, 33602 Bielefeld

3 Comments

  1. steffi xs (Gast)

    sympathischer text, bitte weitermachen

  2. Bielefelder Flaneure

    REPLY:
    Dankeschön, und selbstverständlich bleiben wir unserer Mission treu!

  3. Global Butcher (Gast)

    REPLY:
    Die Abstände werden größer und größer … die Flaneure sollten rechtzeitig mit dem Aufbau eines Nachwuchskaders beginnen.

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