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10. Jun 2014

Unser Festmahl in der Arcade

Urbanes Picknick: Unser Festmahl findet auf der eleganten Zwischenetage statt

Urbanes Picknick: Unser Festmahl findet auf der eleganten Zwischenetage statt

Die Idee:
Sechs innerstädtische Einkaufspassagen veröden zusehends. Einige von ihnen dämmern in einem urbanen Wachkoma vor sich hin. Muss das so sein? Wir beschließen: Nein! Also packen wir Teller, Besteck und Kerzenleuchter in einen Koffer, schnappen uns Tisch & Stühle und machen uns auf den Weg zur Arcade an der Herforder Straße. Die automatische Tür empfängt uns freundlich, dann eine Treppe hoch und schon sind wir auf einer erhabenen Zwischenetage, wo wir den Tisch decken. Das Festmahl mit Pizza und Pilsbier ist eröffnet.

Das Erlebnis:
Anfangs fühlen wir uns wie in einer Geisterstadt. Depressiv blicken uns leere Fensterfronten an. Als letzte Lebenszeichen entdecken wir einen türkischen Rechtsanwalt und einen englischen Dienstleister. Früher, so erinnern wir uns, war die Arcade proppenvoll – Bistro, Antiquariat und nicht zuletzt das „Vis-à-Vis“, die fidele Trinktstube, wo wir einst fröhliche Pilsbiere tranken. Schlimm, wie das „Vis-à-Vis“ heute ausschaut: innerstädtischer Exitus. Doch je mehr wir verweilen, desto mehr entdecken wir den vergessenen Charme dieses Ortes. Die vielen venezianische Brücken. Die kraftvolle Lichtkuppel. Die warme Beleuchtung des Spiegelsaals. Und das Dach der Arcade gleicht dem einer Kathedrale. Bedauerlich, dass sich niemand dieses Ortes annimmt. Noch bedauerlicher, dass angeblich eine noch größere Passage in die Innenstadt gepflanzt werden soll. Neues Futter für innerstädtische Ödnis.

Die Überraschung:
Irgendwann stellen wir fest, dass wir beobachtet werden. Eine junge Dame mit Fotoapparat und Filmkamera läuft mit offenen Augen durch die Arcade. Offenbar ist sie dem Reiz dieses Bauwerks verfallen. Nett und freundlich befragt sie uns und am Ende erfahren wir, dass Sie ihre Arcade-Erlebnisse ins Internet stellen will. Und tatsächlich – da sind wir ja zu sehen!

—> Arcade, Herforder Straße 10, 33602 Bielefeld

9 Comments

  1. […] Auf unserem beinahe täglichem Gang zur Arcade trafen wir doch tatsächlich gestern auf die Bielefelder Flaneure. Eine Gruppe aus eigentlich sechs Männern, die jeden Mittwoch durch Bielefeld flanieren, um nach einem bestimmten Regelsystem, von Kneipe zu Lokal, die Stadt Bielefeld und ihre Bewohner in sich aufzunehmen. Was uns noch mehr erfreut hat, als unsere Begegnung, war, dass die Flaneure planten, ein “kleines Festessen” in der Arcade zu veranstalten. Welch simple Aktion mit großer Wirkung! Wir durften sie für unseren Blog dokumentieren. (Auch von den Bielefelder Flaneuren selbst gibt es endlich den langersehnten Bericht über das Festessen: http://www.bielefelder-flaneure.de/arcade/) […]

  2. m.krueger

    Ich wusste es schon immer Arkaden, riesige Einkaufszentren sind in mafioticher Hand zur Geldwäsche missbraucht. Zum ersten mal bildlich dokumentiert.
    Kneipen – Weltkulturerbe der Menschheit!
    Prosit der Gemütlichkeit

    Marita

  3. Tom

    coole jungs, coole aktion

  4. Hotel Existenz

    Schön euch in der Arcade getroffen zu haben und Danke für das Stück Leben, das ihr mit euch gebracht habt!

    1. Bielefelder Flaneure

      Wir danken ebenso! Es sind immer diese zufälligen Begegnungen, die unsere Flaneur-Ausflüge auf so wundersame Weise bereichern.

  5. D.

    Wunderbare Idee, die Arcade ist ein nahezu mediterranes Schmuckstück dieser sonst reichlich betonlastigen Innenstadt! Übrigens ein Tipp für ein weiteres Picknickziel: Waren Sie schon mal auf dem Dach der Marktpassage? Dort erwartet Sie hoch über der Stadt nicht nur eine grüne Oase, sondern auch eine Art niedriger Kotten, in denen tatsächlich Menschen leben, abgeschottet vom Rest der Bielewelt – erstaunlich!

    1. Bielefelder Flaneure

      Großartiger Hinweis! Dankeschön!

      1. D.

        Wie Sie wissen, immer gern. Bei YouTube findet man übrigens das Filmchen eines Immobilienmaklers, der die pittoreske Fachwerkbebauung oben auf dem Dach zeigt. Zugang ist über ein separates Treppenhaus an der Friedenstrasse, soweit ich mich erinnere. Also etwas mehr Adventure als beim Entern der Arcade!

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