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30. Mai 2019

Straßen nur für die Menschen

Geht doch: Hier stören keine Autos das Stadtbild

Geht doch: Hier stören keine Autos das Stadtbild

Die Wortfindungen für Bielefelds erste Fußgängerzone überboten sich. Das Westfalen-Blatt sprach von einem „Fußgänger-Einkaufsparadies“, die Neue Westfälische sah eine „Fußgängeroase“ und Baudirektor Dieter Ahlert lobte die „gute Stube“ der Stadt. Am 30. Mai 1969 war Schluss mit dem Autoverkehr in der Niedernstraße. Feierlich durchtrennte Oberbürgermeister Herbert Hinnendahl mit einer goldenen Schere das Sperrband zum neuen Reich der Fußgänger. Und das Volk jubelte. Sodann genehmigte sich der Oberbürgermeister, ganz im Stil der Zeit, einen Schnaps und ein Bier und erst danach spazierte er durch die Fußgängerstraße. Hier ertönte, ebenfalls im Stil der Zeit, eine kraftvolle Hammondorgel sowie eine Dixiland-Band. Aber auch ein Polizeimusikkorps spielte auf und eine britische Militärkapelle. Überall Party. Alle waren gekommen, um die neue Freiheit vom Auto zu feiern. Es gab Freibier für die Herren, Gratissekt für die Damen und den Kindern spendierte das Kaufhaus Opitz Eis ohne Ende.

Dabei stieß die Idee einer autofreien Zone anfangs bei so manchen Kaufleuten auf Skepsis. Aber am Tag der Einweihung lobte Robert Gehner, Sprecher der Geschäftsleute in der Niedernstraße, die Stadt habe „mit dieser Fußgängeroase der Bürgerschaft ein Geschenk besonderer Art gemacht“. Und Otto Gröndahl, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes OWL, sah hier „ein Vorbild für die Bielefelder City bezüglich ihrer Umgestaltung“. Denn: „In erster Linie gehört zu einem guten Einkauf auch die Möglichkeit, ungestört zu bummeln, und zwar in einer angenehmen Atmosphäre.“ Klar, beim Flanieren nervt der Autoverkehr gehörig. 1970 wurde auch die Bahnhofstraße zur Fußgängerzone, ebenfalls begleitet von einem begeisterten Volksfest.

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