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05. Aug 2015

25 Jahre Stadthalle – Ein Blick zurück

Bielefeld 1990: Norbert Meiers Entwurf für eine Brunnenskulptur vor der Stadthalle

Bielefeld 1990: Norbert Meiers Entwurf für eine Brunnenskulptur vor der Stadthalle

Am 10. August 1990 wurde Bielefelds Stadthalle eingeweiht. Der Architekt Meinhard von Gerkan hatte sie in Form eines 138 m langen weißen Dampfers konzipiert. Dazu passend war der Rasen vor der Halle in Form einer Bugwelle angelegt worden. Das inspirierte den Bielefelder Künstler Norbert Meier zum Entwurf einer „Walfischschwanzflosse“, die er vor der Halle als wassersprühende Skulptur errichten wollte. Begeistert titelte die Neue Westfälische: „Ein eindrucksvolles Beispiel für Fantasie“. Doch eine Jury entschied sich stattdessen für ein riesiges Metallgestell. Noch heute besitzt Norbert Meier sein (fast fertiges) Modell der Schwanzflosse. Besichtigungen sind nach voheriger Terminabsprache möglich.

Zur Einweihung der Halle waren 2.200 Gäste geladen. Doch weil die Party fast 300.000 Taler kostete, monierten Kritiker, dass zeitgleich der städtische Haushalt für Soziales und lokale Kultur um die gleiche Summe geschrumpft worden war. Daher protestierten parallel zur Einweihungsparty gut 2.000 Bielefelder rund um die Halle. Tim Arnold, seinerzeit Chefschreiber der Neuen Westfälischen, prophezeite jedoch, die Stadthalle werde „die Strahlkraft Ostwestfalens erhöhen“ und verglich das Gebäude mit – plausibel – dem Kölner Dom, dem Brandenburger Tor und der Freiheitsstatue von New York, denn die, so hielt er den Kritikern vor, hätten „ebenfalls nicht errichtet werden müssen“. Die grüne Frontfrau Marianne Weiß hingegegen identifizierte die Befürworter der Stadthalle als „Protagonisten der Kommerzkultur“ und warnte davor, „den prestigesüchtigen Hallenvätern (…) auf den Leim“ zu gehen.

Und was war 1990 sonst noch so los? Ganz Deutschland beömmelte sich über Mantawitze, etwa so: Steht ein Manta vor der Uni. Kaiser Franz erhielt den Sport-Bambi, wegen Fußball. Und auf Platz 1 der deutschen Charts sang 15 Wochen lang der Großhandelskaufmann Raymund Thielecke seinen Hit „Pump ab das Bier“. 1990 – ein bemerkenswertes Jahr.

—> Stadthalle Bielefeld, Willy-Brandt-Platz 1, 33602 Bielefeld

3 Comments

  1. DH

    Interessanter historischer Abriß! Was befand sich eigentlich dort, bevor es die Stadthalle gab? Ich meine mich dunkel erinnern zu können, dass mir ein emeritierter Dozent der Uni mal gesagt habe, dort habe seinerzeit eine Jugendstil (?) Villa gestanden, in der, da die Universität noch nicht bezogen werden konnte, die ersten Seminare diverser Fakultäten stattfanden (ebenso wie im „Kartoffelhaus“, wo derzeit das Rodizio residiert). Entspricht das den Tatsachen?

    1. Bielefelder Flaneure

      In unserem Archiv schlummern noch Fotos vom Abriss einiger Häuser, die für die Stadthalle weichen mussten. Da schauen wir mal nach. Allerdings kann das was dauern, denn diese Fotos lagern im unsortierten Teil unseres Archivs.

      1. DH

        Danke, darauf bin ich sehr gespannt!

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