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Von Bielefeld bis Hongkong

Erhellt die Welt: Der unkomplizierte Lampenmann Stefan Betsch

Erhellt die Welt: Der unkomplizierte Lampenmann Stefan Betsch

Arglos sitzen wir in einer Gaststätte und werden unfreiwillig zu Ohrzeugen. Ein Mann mittleren Alters redet auf seine zwei Begleiter ein. Fast habe er den Geburtstag seiner Frau vergessen, klagt er mit tiefem Seufzer. Jedoch sei ihm auf den letzten Drücker eingefallen, dass seine Frau bei einem gemeinsamen abendlichen Gang durch die Ritterstraße am Schaufenster eines Lampenladen stehen geblieben sei und ihn gefragt habe, ob diese Stehlampe da hinten, die mit der weißen Glasglocke, ob die nicht genau das Richtige für’s heimische Wohnzimmer wäre. Also sei er zu dem Lampenladen geeilt, um den Inhaber auf Knien zu bitten, ihm diese spezielle Lampe nur für einen Abend zur Probe zu überlassen. Doch das mit den Knien sei gar nicht nötig gewesen, denn der Inhaber habe erstaunlich unkompliziert reagiert und seine Wünsche umstandslos erfüllt, so dass die Gattin am Geburtstagsmorgen von einer Stehlampe im Wohnzimmer überrascht worden sei. Sie habe sich so sehr gefreut, dass es spontan zum Vollzug des ehelichen Geschlechtsaktes gekommen sei. Den Inhaber des Lampenladens bezeichnet er wiederholt als seinen Retter und bestellt anschließend in bester Laune eine neue Runde Pilsbier.

Der Bericht hat uns neugierig gemacht. Schon am nächsten Tag suchen wir den Lampenladen auf. Schöne Sachen gibt’s hier. Der Inhaber heißt Stefan Betsch, ist tatsächlich sehr nett und entpuppt sich als langjähriger Lampenspezialist. Die Geschichte seines Ladens geht bis in die 1960er Jahre zurück. Weil er Ungewöhnliches präsentiert, wundert es uns nicht, dass sich seine Kundschaft bis nach Hongkong erstreckt. Somit trägt also ein Bielefelder Händler zum spontanen Geschlechtsverkehr auch in Asien bei.

—> Betsch, Ritterstraße 29, 33602 Bielefeld

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Schöne Bierschwemme am Kesselbrink

Haben uns vor dem Verdursten gerettet: Eva und Julian

Haben uns vor dem Verdursten gerettet: Eva und Julian

Der Nachtwind weht uns Richtung Kesselbrink. Mit einer Punktlandung schlagen wir schließlich im Potemkin auf. Sofort erinnern wir uns an die Vergangenheit dieser interessanten Trinkstube. Viele Jahre residierte hier eine schwule Nachtbar, die selbst werktags – einer Großstadt würdig – erst um 23 Uhr öffnete. Damals lautete ihr Name Rolandseck, und noch heute ist der so manchem Taxifahrer bekannt. Nach einem kurzen Intermezzo unter dem neuen Namen Potemkin folgte ein ewig langer Leerstand. Doch jetzt herrscht hier neues Leben in einer durchrenovierten Gaststube.

Wir trinken möglichst viel Zapfpils, doch eine bunte Trinkstimmung an der Theke macht uns neugierig. Hier gibt es Kurze in fröhlichen Farben. Im Selbstversuch stellen wir fest, dass sie gut schmecken. Auch tragen sie überzeugende Namen wie “Kettenöl” oder “Panzerkreuzer“. Für wichtige Kulturhinweise hält das Potemkin eine schöne Plakatwand bereit. Daneben entdecken wir einen astreinen Spielautomaten, der offenbar aus Star Wars IV stammt. Ansonsten laden prima Sitznischen zum Plaudern ein, und draußen überrascht ein gemütlicher Biergarten. Großes Plus: Das Potemkin bietet eigene Kulturveranstaltungen an. Dazu gibt es eine kleine Bühne, die regelmäßig für sympathische Kapellen freigeräumt wird. Also beschließen wir, unbedingt noch einmal wiederzukommen.

—> Potemkin, Heeper Straße 28, Bielefeld

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Tapasglück im Vogelviertel

Der Weiße Pfau hat gute Männer: Bannani (Koch), Ulli (Wirt) und Pepe (Rechte Hand)

Der Weiße Pfau hat gute Männer: Bannani (Koch), Ulli (Wirt) und Pepe (Rechte Hand)

Abseits vom großen Treiben der Innenstadt liegt das Bielefelder Viertel, in dem alle Straßen Vogelnamen tragen. Mitten drin wohnt das Restaurant Pavo Blanco, übersetzt: Weißer Pfau. Die Küche ist spanisch und somit eine Tapasquelle, die wir unbedingt näher betrachten müssen. Wir starten mit einer erfreulich würzigen Knoblauchsalbe, zu der hübsches Knusperbrot gereicht wird. Unverzichtbar sind natürlich die Datteln im Speckmantel, die wir von Champignons mit Knoblauchaura begleiten lassen. Bestens abgeschmeckte Fleischbällchen in freundlicher Soße erfreuen uns ebenfalls, so dass die angenehmen Kartoffeln mit wunderbar feuriger Salbe, genannt Patatas bravas, astrein passen. Siedendheiß brodeln die Muscheln in der Knoblauchsoße; kein Wunder, dass unsere Sonnenbrillen beschlagen. Herrlich zart und menschenfreundlich schmeckt das Kaninchen im Knoblauchsud, und auch die Tintenfischringe haben einen guten Auftritt.

Großes Lob schütten wir anschließend über die Pavo Blanco-Besatzung aus. Dafür bedanken sich Chefkellner Pepe und Wirt Ulli mit einem schönen Absacker bei uns. Das Prosit mit den feinen Hierbas de Mallorca eröffnet eine interessante Abendplauderei. Wirt Ulli berichtet von seiner Ausbildung zum Kellner in Frankreich und seinem anschließendem Studium der mediterranen Gastronomiekunst, das er mit einem Master-Abschluss gekrönt hat. Wenn Sie das Pavo Blanco aufsuchen, lassen Sie sich von ihm über die historische Bedeutung der persischen Küche aufklären. Oder fragen Sie ihn, woher die Pizza Margherita ihren Namen hat. Was auch immer Sie wissen wollen – Ulli ist ein wandelndes Lexikon der Kulinarik. Als er uns von seinen Weinen berichtet und Probierschlückchen einschenkt, sind wir froh, dass uns heute der Grandseigneur der europäischen Speise- und Getränkekultur begleitet: Sauerland-Karl, also der Mann, der jedes Lokal auf der goldenen Linie von Santa Cruz de La Palma über Meschede bis Karpathos in der östlichen Ägäis persönlich kennt. Sofort steckt er seine fachkundige Nase ins Weinglas und fällt ein zufriedenes Urteil über den schönen Tropfen – und anschließend wir alle zusammen über den schönen Abend im Pavo Blanco.

—> Pavo Blanco, Lerchenstraße 60, 33607 Bielefeld

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So wird die Mahlzeit rund

Was wäre ein schönes Festmahl ohne seine Beilagen!

Was wäre ein schönes Festmahl ohne seine Beilagen!

Unsere Flaneur-Karte für den Monat Oktober präsentiert vier besonders angenehme Beilagen, die uns in Bielefelder Gaststuben widerfahren sind. Quellen (im Uhrzeigersinn): Das goldige Café Rempetiko in der Stapenhorststraße. Das familiäre Restaurant Gromoll in der Ziegelstraße. Das bemerkenswerte Ristorante Il Salento in der Voltmannstraße. Und das unsterbliche Kronenstübchen in der Bahnhofstraße.

—> Zu Bielefelds 800. Geburtstag gibt’s jeden Monat eine neue Flaneur-Karte in den beliebten City-Card-Aufstellern

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Waffelglück unter Gleis 3

Die Glücksbringer: Felix Ziesché, Marcel Bohnenkamp, Therese Stepier, Agnes Smieszek

Die Glücksbringer: Felix Ziesché, Marcel Bohnenkamp, Therese Stepier, Agnes Smieszek

Auf dem Weg durch den Bahnhofstunnel. Zärtlich sickert ein irritierender Duft in unsere Nasen. Das ist kein Odeur des Alltags, sondern ein bedeutsamer Nahrungsmittelhinweis. Und schon entdecken wir seine Quelle – ein temporärer Waffelstand der Bahnhofsmission. Hier muss mit einer ganzen Waffeleisenbatterie gearbeitet werden, denn unablässig zieht das olfaktorische Lockmittel hungrige Passanten an. Gern lassen auch wir uns von Therese Stepier und Agnes Smieszek Waffeln überreichen. Wer mag, lässt sich die Waffel mit Puderzucker veredeln. Hmm, köstlich! Schon beim Anbiss weiß man, dass hier Großes geschieht. Der gesamte Kauvorgang wird zum Fest der Sinne, und auch im Abgang hallt die Waffel lange nach. Mit Freude sehen wir, wie ein guter Vater seinen Sohn am Waffelglück teilhaben lässt. Vorbildlich! Doch wieso sind diese Waffeln so außergewöhnlich schmackhaft? Wir befragen Marcel Bohnenkamp, den Leiter der Bielefelder Bahnhofsmission. Vor einigen Jahren, so verrät uns der sympathische Mann, veranstaltete die Bahnhofsmission eigens einen Waffel-Contest. Sieben verschiedene Waffelrezepte gingen in die Ausscheidung und am Ende stand die heutige Rezeptur als klare Siegerin fest.

Aber Waffeln produziert die Bahnhofsmission nur gelegentlich. Die Alltagsarbeit hat ganz andere Schwerpunkte. Marcel Bohnenkamp berichtet von 400 Kindern, die jährlich begleitet werden. Deren Eltern sind getrennt und leben in weit auseinander liegenden Städten. Oder von 100 Menschen, die täglich die Bahnhofsmission aufsuchen. Es sind Menschen in Not, obdachlos oder drogenkrank. Hier erhalten sie ein Getränk oder ein belegtes Brötchen und werden bei Bedarf an passende Hilfestellen weitervermittelt. Täglich 100 Menschen mit Brötchen versorgen? Wir staunen, aber Marcel Bohnenkamp lacht: Er könne inzwischen schneller Brötchen schmieren als seine Mutter. Dann zeigt er uns Fotos aus der Geschichte der Bahnhofsmission und wir begreifen, dass hier seit mehr als 100 Jahren und ganz im Stillen eine wichtige Arbeit geleistet wird.

—> Bahnhofsmission, Hauptbahnhof Bielefeld, Tunneldurchgang an Gleis 1

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