Seltene Gemültlichkeit verflossener Zeiten
Ein fieser Dauerregen peitscht durch die abendliche Arndtstraße. Fluchend retten wir uns in die Gaststätte Kochsiek – und schon geht die Sonne auf! Jedenfalls mental. Denn in der schmucken Gaststube ist es muckelig (Heizung auf volle Kanone), gemütlich (Stammgäste bei legerer Freizeitlektüre) und menschenfreundlich (Pilslieferung in Nullkommanix). Wohlgestimmt schauen wir uns um. Die Gaststube verströmt die seltene Gemültlichkeit verflossener Zeiten. In solchem Ambiente zechten einst unseren Großväter. An den Wänden bewundern wir die Werke alter Meister, und an Theke und Tischen sehen wir ausschließlich männliche Gäste. Besteht da ein Zusammenhang? Bevor wir dies Rätsel lösen können, liefert uns die grundsympathische Kerstin Geßler (Migrationshintergrund: Saarland) die Köstlichkeiten der Küche.
Gleich doppelt müsssen wir die Note “lecker” vergeben, sowohl für das Schnitzel mit einseitig gebratenem Spiegelei als auch für das Schnitzel mit doppelseitig gebratenem Spiegelei. Als erfreulich erfrischend erweisen sich die hierzu gereichten lieben Beilagensalate. Und auch der Grühnkohl ist so, wie er sein muss: abgrundtief schmackhaft. Außerdem ist das Kotelett mit Kräuterbutter und Bratkartoffeln zu loben. Und dann widerfährt uns auch noch das ganz große Kochsiek-Filetglück. Am Ende ist die logische Folge alldessen, dass unsere Teller alle hübsch blankgeleckt sind. Dafür belohnt uns Kerstin Geßler mit einer astreinen Getränkemischung, bei der ein heimischer Wacholderbrand eine bedeutende, um nicht zu sagen: nachhaltige Rolle spielt. Am frohen Ende stellen wir einstimmig fest: Bielefeld hat Glück, dass es das Kochsiek gibt!
Übrigens verlässt man das Kochsiek nicht, ohne bemerkenswertes Zusatzwissen erworben zu haben, als da wäre:
Stammgäste, die die Syllogismen des rumänischen Aphoristikers Emil Cioran mögen, bevorzugen solche Bierdeckel.
—> Gaststätte Kochsiek, Arndtstraße 45, 33615 Bielefeld
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Persisch futtern? Natürlich in Bielefeld!
Beim Berliner Platz, hoch über dem stadtbekannten Cheers, verstaubte zwei Jahre lang die ehemalige Gaststube einer vergessenen Glutamatausgabe. Doch endlich haben kluge Gastronomen zugegriffen und die prima Räumlichkeiten komplett durchrenoviert. Daher präsentiert uns nunmehr eine riesige Fensterfront einen relaxten 180°-Blick auf den hochurbanen Kern Bielefelds. Zu verdanken haben wir das der sympathischen Familie Sadeghi. Sie stammt aus Persien (genauer: aus der Stadt Shiraz), hat jedoch bei der Gastraumgestaltung fast vollständig auf persisches Ambiente verzichtet. Motto: Modern und aufgeräumt, statt Folkloreoverload. Lediglich ein Gemälde weist unzweifelhaft auf den lukullischen Schwerpunkt hin. Vermutlicher Titel dieses Wandschmucks: “Die Kellnerin reicht dem durstigen Gast ein nettes Gläschen“.
Großes Ahh! und Ohh! löst der attraktiv gestaltete Vorspeisenteller aus. Was so hübsch sortiert ist, löst außerdem eine kleine Diskussionen aus, wem denn nun was besser mundet – die Gürkchen, die Würzsalbe, der Fleisch-Pflanzen-Fladen? Man kann sich nicht einigen und isst alles hübsch auf. Und dann geht’s nahtlos weiter mit dem Hauptgericht. Als Erstes wird ein dermaßen luftig-lockerer Reis gereicht, wie er uns bisher noch nicht untergekommen ist (mit niedlichem Safran-Top). Aber dann wuchtet Servierer Nima Sadeghi die Pers-Grill-Platte auf unseren Tisch. Was die Pers-Grill-Platte beinhaltet? Ganz einfach: Vier Kubideh, ein Bakhtiary sowie einen Barg. Noch Fragen? Am Ende haben wir alles schmatzend aufgefuttert und sind glücklich & satt.
Doch das Sättigungsgefühl vergessen wir gleich wieder, denn Fahimeh Gharmani beschenkt uns mit einem köstlichen Dessert. Datteln, gefüllt mit Walnüssen und veredelt mit Rosenöl – schmeckt nicht nur super, sieht auch edel aus. Dazu reicht Shima Sadeghi feinen Tee, der mit Blütenblättern aus Shiraz veredelt wurde. Als überraschend geschmeidig offenbart sich übrigens das von Shima Sadeghi zu späterer Stunde empfohlene Maisgetränk aus Kentucky. Weil es mit Zitrönchen und Salz gereicht wird, sehen wir uns zu fröhlichen Experimenten veranlasst, die unser heutiger Begleiter Dr. Michael Neu mit einem ebenso fröhlichen Prösterchen gekonnt sekundiert.
—> Pers, Herforder Straße 29, 33602 Bielefeld
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Unter notarieller Aufsicht: Flaneure in Sieker
Heute betreten wir Neuland, heute lassen wir unseren Prüfgang erstmals notariell begleiten. Hierzu begrüßen wir als Gast keinen Geringeren als den allgemein hochgeschätzen Notar Volker Küpperbusch (links, beim Prösterchen mit unserem lieben Henner). Extra für ihn haben wir eine gastro-historisch bedeutsame Lokalität ausgewählt: Das Restaurant Hollmann! Jahrzehnte hat hier Heinrich Hollmann ganz Sieker glücklich gemacht. Inzwischen hat er das Wirtszepter an Zejlko Facko weitergereicht – und wie wir alsbald feststellen dürfen: Der neue Wirt wacht erfolgreich über die gute Hollmann-Qualität.
Üppig, süffig, große Sache, so deklarieren wir das Schweineschnitzel Teutoburg. Hierbei gilt natürlich die ostwestfälische Volksweisheit: Wer die Bratkartoffel nicht ehrt, ist des Schnitzels nicht wert. Das Bauernschnitzel erfreut nicht nur den Landmann, sondern auch uns hungrige Stadtstrolche. Nett, erfrischend und belebend macht sich dabei der Hollmann-Beilagensalat. Extra großes Seelenglück verursacht der extra schöne Grünkohl mit Fleisch und Wurst. Vollbeladen und bester Stimmung präsentiert sich daher schon bald unsere Tafel im wunderbaren Restaurant Hollmann.
Zur weiteren Stimmungseskaltion trägt der fürsorgliche Wirt bei, weil er keinen Mangel an lieben Getränken aufkommen lässt. Viel Anklang findet dabei der Alte Dessauer, immer ein schöner Gruß aus Rietberg. Auch gefällt uns die Führung durch die verschiedenen Räumlichkeiten, die uns Wirt Zejlko Facko zu später Stunde spendiert. Enorme Raumkapazitäten werden uns dabei offenbart sowie Trophäen erfolgreicher Taubenzucht, ein Hobby, das Heinrich Hollmann noch heute liebevoll pflegt. Am Ende kürt unser treuer Herr Sölter seine eindeutige Lieblingstrophäe: Eine goldene Zapfanlage. So findet ein goldener Abend seinen goldenen Abschluss.
—> Restaurant Hollmann, Otto-Brenner-Straße 77, 33607 Bielefeld
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Tschüss 2011, bist ein gutes Jahr gewesen

Am 1. Januar 2012 sind wir wieder online. Bis dahin wünschen wir ganz Bielefeld:
Prima Feiertage und einen eleganten Rutsch ins neue Jahr!





